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VW Tiguan Auf Erfolg programmiert

Volkswagen frischt den Tiguan auf – und will damit die Spitzenposition in diesem Segment verteidigen.

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Typischer Volkswagen: Auch die Wolfsburger setzen auf das Familiengesicht – der Erfolg, in diesem Fall der des Tiguan, gibt ihnen recht.

Foto: Werk

Gut Ding will Weile haben. Damals, 2003, als Opel längst Zigtausende Zafira unters Volk gebracht hatte, glänzte Volkswagen durch Abwesenheit im Segment der mittelgroßen Minivans. Dann kam der Touran und fuhr an die Spitze. Vier Jahre später das Gleiche bei den kleinen Geländewagen - den Kompakt- oder Midsize-SUV. Toyota RAV 4, BMW X3, aber kein passender Volkswagen im Angebot. Dann trumpfte Volkswagen mit dem Tiguan auf. Gerade zur rechten Zeit, denn der Markt wartete auf kleine SUV. Sie waren und sind „in“ wie früher die großen Allradler, ohne deren Makel unzeitgemäßer CO2-Schleuderei mit sich herum zu schleppen. Zweckmäßiger, weil viel wendiger, sind sie ohnehin. Da konnte also nichts schiefgehen. Der Tiguan wurde schnell zum Bestseller, Marktführer mit weit mehr als einer halben Million verkaufter Exemplare bis heute.

Der zum Markteintritt ausschließlich allradangetriebene Tiguan fährt vorn im Marktsegment der weichgespülten Geländefahrzeuge, wo sich jüngere Menschen wegen des Abenteuer-Looks der Hochbeiner ebenso gern bedienen wie ältere Damen und Herren – man kommt da einfach leichter rein und wieder raus.

Schon beim Ur-Tiguan meinte Volkswagen, ein selbstbewusstes Design à la Touareg I hinbekommen zu haben. Dessen Nachfolger spendet nun die Grundlinien für die Facelift-Version des Tiguan. Die Wolfsburger sprechen da gern von der „Volkswagen-Design-DNA“ – eher bodenständige Gemüter texten: „Kennste einen, kennste alle“.

Die Karosserieveränderungen überraschen also nicht. Die Front wirkt neu und gut bekannt zugleich. Das wollen die Gestalter so. Und für Besitzer des „alten“ Modells hat die Zurückhaltung beim Lifting den schönen Nebeneffekt, dass dessen Alterungsprozess deutlich gedämpft wird. Erhalten bleibt die Möglichkeit, sich seinen Tiguan mit abgeschrägter Off-Road-Front oder doch lieber mit Normalo-Asphalt-Schnauze zu bestellen. Mit dieser Wahlmöglich soll es dem Vernehmen nach 2014 mit dem Tiguan II aber vorbei sein.

Als Grenzgänger zwischen den Stadtwelten hier und dem matschigen Waldweg dort ist der Tiguan mit seinen rund 4,50 Meter Länge hinreichend handlich unterwegs. Und zumindest mit dem frontlastigen Allradantrieb mit Haldexkupplung aus der umfangreichen Front-Quer-Golf-und-Co-Plattform ist die Tauglichkeit selbst für grobe Feldwege nachgewiesen.

Angetrieben wurde der Tiguan vom ersten Tage an ausschließlich von aufgeladenen Direkteinspritzern – „Downsizing“ gab’s schon 2007. Das ist auch anno 2011 so geblieben. Wenn Ende des Jahres alle Varianten an der Rampe stehen, haben Kundinnen und Kunden die Wahl unter vier TSI-Benzinern und drei TDI-Selbstzündern. Beim Diesel hatte sich Volkswagen just mit dem Tiguan von der herb tönenden Pumpe-Düse-Einspritzung verabschiedet und quer durch die Bank den Schwenk auf die sparsamere und sauberere Common-Rail-Technik eingeleitet.

Mit der Facelift-Ausgabe des Wolfsburger Bestsellers protzt die Diesel-Fraktion nun mit einem Verbrauchsbestwert von 5,3 l/100 km beim Fronttriebler und 5,8 l/100 km in der Allradversion. In beiden Fällen ist der Zweiliter-CR-Diesel mit 81 kW/110 PS beziehungsweise 103 kW/140 PS unterwegs, in jedem Fall aber von der „Blue-Motion-Technology“ auf Diät gesetzt. Dann gibt es ein Start-Stopp-System sowie einen Generator (umgangssprachlich: Lichtmaschine), der sinnvollerweise immer dann Strom für die Batterie produziert, wenn der Motor gerade im Schubbetrieb unterwegs ist. Dass man für diese Technik heute noch einen Aufpreis – hier 400 Euro – zahlen muss, ist irgendwie von gestern.

Stark, sparsam und sauber zur Sache gehen auch die aufgeladenen Benzindirekteinspritzer in vier Leistungsstufen von 90 kW/122 PS bis 154 kW/210 PS. Ein Blick auf die Drehmomentwerte lässt erahnen, was die erste Ausfahrt bestätigt: Die TSI gehen für Ottomotoren erfrischend durchzugsstark ans Werk. Bereits der 122-PS-TSI entwickelt 200 Nm bei 1500/min. Die beiden 2,0-l-TSI bringen es auf 280 Nm bei 1700/min. Das wirkt schon beinahe turbodieselig, nur subjektiv viel leiser. Im Fahrzeuginnenraum ist eigentlich alles beim Alten geblieben. Neue Polsterstoffe gibt’s und lackierte Lüftungsdüsen. Das muss reichen. Tut es auch: Weder an der Materialanmutung noch an der Bedienbarkeit gab es in der Vergangenheit etwas zu mäkeln. Auch, weil alles so arrangiert ist, wie es sich in einem VW gehört.

Aufgepeppt wurde die optionale Fahrzeugsicherheit. So gibt es für den Tiguan nun einen Spurhalteassistenten. Der lenkt sanft zurück, wenn der Fahrer unachtsam über eine durchgezogene Linie döst. Wer nachts mit dem Fernlicht nicht so richtig umzugehen weiß, dem wird von einer – angeblich blendfreien – Fernlichtautomatik geholfen. Vor aufkeimender Müdigkeit kann ebenfalls ein Helfer warnen. Hilfe beim Einparken bot schon der alte Tiguan an. Der geliftete soll es nun noch besser können.

Von Hans-Jürgen Wildhage

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