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Karl, der Kleine

Der neue Opel Karl, der Kleine

Nach dem Adam bietet Opel jetzt ein zweites Einsteigerauto – für vergleichsweise wenig Geld gibt es ein anständiges, aber schlichtes Fahrzeug.

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Ein bisschen von allem: Der Opel Karl ist günstig, der Kofferraum bietet relativ wenig Platz und ist nur umständlich zu vergrößern – dafür ist die Anbindung ans Internet gut.

Quelle: Hersteller

Neben dem Adam schickt Opel mit dem Karl vom 20. Juni an einen zweiten Kleinwagen an den Start. Dessen Prinzip heißt Einfachheit. Entsprechend niedrig beginnt der Preis: bei 9500 Euro.
Zweitwagen, Einsteigerauto, Stadtauto. Klein, günstig, sparsam und unkompliziert. Fahrzeuge dieser Art gibt es reichlich. Sie kommen hauptsächlich aus Japan, Korea, Frankreich und Italien. Aber auch der Volkswagen-Konzern ist mit von der Partie. Die Kleinen heißen VW Up!, Skoda Citigo und Seat Mii. Die Nachfrage ist groß. Über 200     000 Neuzulassungen weist die Statistik in Europa aus – jährlich. Da wundert es nicht, dass sich auch Opel ins Spiel bringen möchte. Motto: Was die anderen machen, können wir schon lange. Im März präsentierten die Rüsselsheimer auf dem Genfer Autosalon ihren Karl, benannt nach dem Sohn des Firmengründers Adam Opel. Nun kommt Karl, der Kleine, in den Handel. Adressiert an preisbewusste Menschen, die mit Lifestyle und modischem Chichi nichts am Hut haben, die lediglich ein einfaches und dennoch vollwertiges Auto suchen.

Karl kostet in der Basis 9500 Euro. Ein Lockangebot. Allzu viel sollte man nicht erwarten. Zwar ist die Sicherheitsausstattung mit sechs Airbags, ESP und Berganfahrassistent komplett. Doch komfortseitig fehlt es an vielen Dingen. Ehrlicher und empfehlenswerter ist hier die nächsthöhere Linie mit dem Namen „Edition“. Sie hat  serienmäßig elektrische Fensterheber vorn, eine Servolenkung, eine Höhenverstellung für Fahrersitz und Lenkrad sowie eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung. Das Nötigste eben. Karl kostet dann 10     650 Euro. Wer es noch komfortabler haben möchte, zahlt schon 12     900 Euro, hat dann aber Klimaautomatik, Musik, Leichtmetallräder, Spurassistent und eine geteilt umlegbare Rücksitzbank. Gegen weiteres Geld bietet Opel sogar eine Lenkradheizung an, einmalig in diesem Segment. Ebenso die elektronische Vernetzung. Ab Herbst wird es für den Karl das neue IntelliLink-Infotainmentsystem (Verbindung mit dem Smartphone) sowie einen persönlichen Online- und Service-Assistenten (OnStar) geben. Tastendruck genügt, und die Person am anderen Ende der Leitung bucht das Hotel oder reserviert den Tisch im Restaurant. OnStar beinhaltet zudem einen WLAN-Hotspot, an den sich bis zu sieben Laptops oder Handys koppeln lassen.

Karl gibt es nur in einer Motorisierung. Das hält die Varianten klein. Der Hersteller spart Kosten. Unter der Haube arbeitet ein 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 75 PS. Er verbraucht nach Norm 4,5 Liter, mit einem speziellen Eco-Paket (250 Euro Aufpreis), das ein bisschen aerodynamisches Feintuning und Reifen mit geringerem Rollwiderstand beinhaltet, sollen es 4,3 Liter auf 100 Kilometer sein. Auf unserer ersten Testrunde schafften wir diesen Wert nicht. Der Bord-computer zeigte 5,8 Liter an.

Ein Diesel ist für den Karl nicht vorgesehen. Der Selbstzünder wäre aufgrund seiner aufwendigen Abgasnachbehandlung (Euro 6) viel zu teuer. Teuer ist auch ein Turbolader. Er bringt den Dreizylinder im Adam und Corsa auf Drehzahl. Beim Karl wurde bewusst darauf verzichtet. Dies ist der Grund für die geringere Leistung. Ausreichend für den Autoalltag ist sie aber allemal. Man schwimmt mit dem Karl wunderbar im Verkehr mit, für protzige Ampelstarts ist dieses Auto ohnehin nicht gemacht.

Am meisten überrascht der Dreizylinder im Karl mit seinem ruhigen Lauf. „Wir haben im Motor alle Komponenten und auch alle Anbauteile sehr aufwendig in Richtung Geräusch- und Vibrationsarmut getrimmt“, sagt Chefingenieur Matthias Alt. Auch der Gesamtkomfort stimmt. So leise sind nur wenige Kleinstwagen. Man fühlt sich schnell wohl in diesem Opel. Zumal einem nicht die Ausdünstungen von Billigplastik um die Nase wehen. Die Designer gaben sich Mühe, trotz des engen preislichen Rahmens den Karl halbwegs wohnlich einzurichten.

Kritik gibt es dagegen beim Sitzkonzept. Zwar können auch Erwachsene im Fond halbwegs anständig ihre Beine platzieren und stoßen nicht mit dem Kopf an die Dachverkleidung. Doch geht es um das Thema Beladung, bietet der kleine Karl nur lieblosen Durchschnitt – selbst in der höchsten Ausstattungslinie „Exklusiv“. Um Laderaum zu gewinnen und die Sitzlehnen nach vorn klappen zu können, müssen nicht nur die Sitzpolster hochgestellt, sondern auch die Vordersitze recht weit nach vorn geschoben werden (also einmal ums Auto laufen). Eine ebene Ladefläche hat man dann trotzdem nicht. Auch die Kante zum Stoßfänger ist sehr hoch. Hier gibt es wesentlich smartere Lösungen im Segment. Kleiner Tipp an die Entwickler: mal den Daihatsu Sirion anschauen.

Gebaut wird Karl – ausschließlich mit fünf Türen – in Korea bei Chevrolet. Das ist auch mit ein Grund, warum er in der Bestellvielfalt weit hinter dem lifestyligen Adam rangiert, für den es so viele Dekore, Polster, Felgen und Farben gibt, dass theoretisch kein identisches Auto zweimal vom Band rollt. Dennoch: Zehn verschiedene Farben spendiert Opel auch dem Karl, darunter sogar ein poppiges „Nacht Violett“ oder „Kiwi Grün“. Karl, der Coole.

Von Michael Specht

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