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Jeep auf Compass-Kurs

Geländewagen Jeep auf Compass-Kurs

Den Nachfolger des Cherokee gibt’s auch mit reinem Frontantrieb. Die Marke will sich neu orientiere.

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Der Jeep Compass: Der Geländegänger lehnt sich im Design noch immer stark an die legendären Modelle der amerikanischen Marke an. Was Qualität und Wertigkeit angeht, will Fiat die Fahrzeuge in Zukunft weit nach vorne bringen – ob es klappt, wird sich zeigen. Foto: Werk

Auch auf Legenden ist kein Verlass mehr. Im 70. Jahr ihres Bestehens verkündet die Marke Jeep, dass sie nun urbaner geworden sei. Was nichts anderes heißt, als dass man eine der Kernkompetenzen der amerikanischen Geländewagen-Ikone – eben die Geländegängigkeit – verwässert. Denn das Einstiegsmodell, den neuen Jeep Compass, gibt es ab sofort auch mit reinem Frontantrieb. Der Schwenk, da darf man sich nichts vormachen, ist vernünftig, da nur ein Bruchteil der SUVs (Sport Utility Vehicle) aus dem Kompaktsegment tatsächlich einmal unbefestigtes Terrain unter die Räder nimmt. Trotzdem: So kernige Aussagen wie „jedes unserer Fahrzeuge muss über den Rubicon-Trail“ (zwölf Meilen in zwei Tagen) sollte man künftig mit Vorsicht in den Mund nehmen.

Doch der Reihe nach: Jeep ist eine der amerikanischen Marken, die in den vergangenen Jahren mächtig ins Schlingern geraten ist. Qualitätsprobleme und ein nicht immer glückliches Händchen bei der Modellpolitik ließen die Absätze schrumpfen. Als Bestandteil von Chrysler gingen die Offroad-Spezialisten zuerst in Daimler-Besitz über – bekanntermaßen keine allzu glückliche Liaison. Nun gehören sie zu Fiat. Die Italiener haben zuallererst einmal die Modellpalette neu sortiert: Compass, Wrangler und New Grand Cherokee heißen die drei Fahrzeuge, mit denen man an den Neustart geht. Cherokee und Patriot? Ersatzlos gestrichen. Doch neue Modelle, eventuell mit alten Namen, sollen folgen.

Mit dem Neuanfang hat Fiat keine allzu großen Probleme, da man sich in einer eigentlich komfortablen Lage befindet – alles, was man jetzt in die Showräume schiebt, stammt noch aus der Zeit unter Mercedes-Regie. Die Diesel des Compass? Mercedes. Die technische Basis? Mercedes. Das ganze Fahrzeug? Mercedes. Am Design haben die Italiener allerdings schon Hand angelegt. Und das können sie nun einmal. Der berühmte „Seven-Slot“-Kühlergrill (sieben Schlitze) ist natürlich geblieben, genauso wie die kastenförmige Ausrichtung des Fahrzeugs. Und das Heck – bei vielen modernen Wagen der kritischste Punkt – ist von geradezu betörender Schlichtheit. Keine Linien, die kein Mensch versteht, keine großen Spielereien mit den Rücklichtern, sondern ein einfaches, klares Layout. Das hat etwas. Den Neustart verbindet Fiat gleichzeitig mit neuen Werten: Auf der Straße muss ein Jeep künftig wesentlich geschmeidiger daherkommen – ein guter Geradeauslauf, anständiges Kurvenverhalten und ein entsprechender Fahrkomfort sind künftig Pflicht – dazu soll eine deutlich verbesserte Qualitätsanmutung neue Kundengruppen erschließen. Außerdem soll ein „best-in-class“-Kundenservice (also der klassenbeste Service) Jeep-Fahrer bei der Stange halten. Wie man das mit vorerst einhundert Händlern in der Republik schaffen will, bleibt noch ein Geheimnis.

Den Jeep Compass wird Fiat künftig als den „urbanen Jeep“ bewerben. Dass ein Geländewagen für die Stadt ein Widerspruch in sich ist, stört dabei niemanden. Denn die Offroadkompetenz bleibt ja bestehen – auch den Compass bekommt man mit Allradantrieb. Der funktioniert voll elektronisch und verteilt die Antriebskräfte je nach Traktion an die vier Räder. Dazu, und da unterscheidet sich der Compass von den meisten Konkurrenten, verfügt das Fahrzeug über eine manuelle Sperrfunktion des mittleren Differenzials. Wird die aktiviert, geht der Kraftfluss bis zu einer Geschwindigkeit von 15 km/h zu je 50 Prozent an Vorder- und Hinterachse. Damit kommt man durch Tiefschnee, Sand und andere Widrigkeiten.

Herzstück des Compass ist der neue 2,2-Liter-Diesel, den es in zwei Leistungsstufen mit 100 kW/136 PS oder 120 kW/163 PS gibt. Ein 2,0-Liter-Benziner mit 115 kW/156 PS ergänzt das Angebot an neuen Maschinen. Bereits bekannt ist der Benziner mit 125 kW/170 PS. Wir sind den stärkeren Diesel gefahren und können sagen – das passt. Die Maschine hängt willig am Gas und sorgt für ansprechende Fahrleistungen. Leider ist die Lenkung immer noch ein wenig schwammig, was den guten Gesamteindruck allerdings nicht schmälert. Zumal auch der Innenraum punkten kann – das Instrumentarium ist übersichtlich und gut sortiert, die Oberflächen gehen für diese Klasse absolut in Ordnung. Die zwei Ausstattungslinien heißen weiterhin Sport und Limited, wobei man bei Fiat davon ausgeht, dass die teuerste Version, also der Allradantrieb mit dem großen Diesel, die meisten Käufer finden wird. 50 Prozent der Kunden, so die Prognose, werden sich dann allerdings für eines der Modelle mit Frontantrieb entscheiden.

Und das Schönste kommt zum Schluss: Der Compass ist unter den Konkurrenten selbst in der Limited-Linie mit seinen 31 800 Euro das Schnäppchen. „Wir hatten nicht vor, die Günstigsten zu sein, wir sind es aber trotzdem“, erklärte Dirk Bott, neuer Markenchef für Deutschland, bei der Vorstellung des Fahrzeugs. Na dann, herzlichen Glückwunsch.

Von Gerd Piper

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