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Überraschende Erkenntnisse über Elektroautos

Umfrage Überraschende Erkenntnisse über Elektroautos

Es ist alles ganz anders als gedacht: Eine Meinungsumfrage räumt mit Vorurteilen in Sachen Elektroautos auf. Denn wer fährt heute schon ein solches Auto? Mit dem Ergebnis hat so wohl niemand gerechnet.

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Der Blick auf eine heile Welt: Emissionsfrei unterwegs – davon träumen derzeit viele Autohersteller.

Quelle: Daimler AG

Hannover. Am Elektroauto geht langfristig kein Weg vorbei. Doch die Frage, wer sich schon heute auf dieses Abenteuer einlässt, konnte noch keiner so richtig beantworten. Das hat Smart-Chefin Annette Winkler nicht ruhen lassen. Die umtriebige Managerin wollte sich nicht länger mit Vermutungen zufrieden- geben, sondern Fakten präsentieren. Deshalb hat sie eine repräsentative Umfrage bei TNS Infratest in Auftrag gegeben, die klären sollte, wer eigentlich heute schon ein solches Auto fährt. Mit dem Ergebnis hat so wohl niemand gerechnet.

Dass Winkler eine glühende Verfechterin des Elektroautos ist, weiß inzwischen jeder. Sie wird nicht müde zu betonen, wie sehr der kleine Stadtfloh in der E-Version schon jetzt in künftige Mobilitätskonzepte für urbane Lebensräume passt. Tatsächlich hat Smart bereits 4.000 Fahrzeuge mit der alternativen Antriebstechnologie auf die Straße gebracht. Das entspricht einem Marktanteil von 20 Prozent und bedeutet momentan die Marktführerschaft. Die Produktion für 2013 sei bereits so gut wie ausverkauft, und ab 2015 komme man in die Gewinnzone, erklärt die Smart-Chefin. Bloß: Wer kauft so ein Auto und ist dafür bereit, vergleichsweise viel Geld auszugeben?

67 Prozent aller E-Smart-Käufer sind Einzelkunden

TNS Infratest machte sich im Februar an die Arbeit und legte jetzt Ergebnisse vor, die mit den bisherigen Vorstellungen radikal aufräumen: So sind sagenhafte 67 Prozent aller E-Smart-Käufer Einzelkunden. Nur 17 Prozent der Fahrzeuge gehen an Flottenkunden und lediglich 16 Prozent entfallen auf Behörden. Also gerade jene Klientel, von der man bislang angenommen hat, dass sie schon aus politischen Gründen zu den Hauptkunden für Elektroautos gehören würde.

Eine zweite faustdicke Überraschung reichen die Meinungsforscher gleich hinterher: Der Besitzer eines solchen Autos ist im Durchschnitt 47 Jahre alt, also deutlich älter als bislang immer angenommen. Und 44 Prozent nutzen ihren E-Smart als Erstwagen ­ - eine Erkenntnis, die alle bisherigen Annahmen radikal auf den Kopf stellt.

Dass 90 Prozent von ihnen mit dem Auto täglich auf der Straße sind, überrascht schon nicht mehr. Elektroautos erfüllen im Stadtverkehr schon heute die meisten Anforderungen an die Alltagstauglichkeit, das belegen auch zwei weitere Zahlen: Ein Autofahrer legt in Deutschland täglich im Durchschnitt mit seinem Erstwagen 58 Kilometer zurück, mit dem Zweitauto sind es etwa 42 Kilometer. E-Autos schaffen zurzeit rund 130 Kilometer, bevor sie wieder an die Steckdose müssen. Eine Batterieladung reicht also theoretisch, um damit mehrere Tage mobil zu sein. Da ständig an einer Verbesserung der Akkus gearbeitet wird, kann man davon ausgehen, dass sie bald auch in kritischen Zeiten wie beispielsweise dem Winter zuverlässig die versprochene Reichweite liefern können.

Elektroautos werden als alltagstauglich angesehen

Eines der Hauptargumente für den mehr als holprigen Start in die Elektromobilität war bisher das Fehlen einer flächendeckenden Infrastruktur. Aber selbst hier kommt Infratest mit Ergebnissen, die alle bisherigen Vermutungen widerlegen: Denn 83 Prozent der E-Smart-Fahrer laden ihr Auto an einer handelsüblichen Steckdose im Haushalt. Nur 14 Prozent hängen die Batterien auf dem Parkplatz ihres Arbeitgebers­, soweit es dort die Möglichkeit gibt, ­ans Stromnetz, und lediglich drei Prozent nutzen Ladesäulen im öffentlichen Raum.

Unter den fünf am häufigsten genannten Gründen für den Kauf eines Elektroautos steht die Alltagstauglichkeit ganz oben -­ das ist die nächste Überraschung. Danach folgen Qualität, innovative Technologie, Verbrauch und Fahrdynamik.

Dass mit der Entwicklung der neuen Antriebstechnologien auch ganz neue Mobilitätskonzepte entstehen, ist schon mehr als ein Fingerzeig, in welche Richtung sich Mobilität entwickeln könnte: Moovel heißt beispielsweise der Mobilitätsservice, den Daimler über eine Smartphone-App anbietet. Mit ihm werden die Leistungen ganz unterschiedlicher Verkehrsunternehmen miteinander verknüpft. So kann man sich beispielsweise die besten Verbindungen von A nach B heraussuchen lassen, sie miteinander vergleichen und auch buchen. Das funktioniert sogar ohne Einbindung eines Autos. Leider gibt’s die ganze Geschichte zurzeit nur in wenigen Städten. Aber Moovel befindet sich im Aufbau, heißt es.

Ob ein solches Angebot allerdings ein probates Mittel ist, das nachlassende Interesse junger Menschen am Thema Auto zu bekämpfen, darf man bezweifeln.

Gerd Piper

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