Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
„Tatsächlich stehen wir erst am Anfang“

Interview mit VW-Konzernchef „Tatsächlich stehen wir erst am Anfang“

Der Automobilhersteller VW versucht sein angekratztes Image aufzupolieren und hofft, in den USA neue Absatzmärkte zu erschließen. Konzernchef Matthias Müller ist zuversichtlich - auch dank des neuen Midsize-SUVs.

Voriger Artikel
Riesig, dieser Schwede
Nächster Artikel
Tolle, gelöste Stimmung auf dem Thie

Das Conceptauto C-Coupé GTE gibt einen Ausblick, wie der nächste, vollelektrische Phaeton aussehen könnte.

Quelle: Hersteller/Montage: RND

Der VW-Konzern bewegt sich wegen der Abgasaffäre derzeit in schwerer See. Noch ist nicht klar, wie die ganze Geschichte am Ende ausgehen wird. Klar ist aber bereits, dass sich der Konzern neu ausrichtet. Daran wird in Wolfsburg bereits mit Nachdruck gearbeitet. Das Ergebnis soll Mitte des Jahres präsentiert werden. Wir haben mit VW-Konzernchef Matthias Müller bereits über einige Eckpunkte gesprochen.

Ende des Jahres beginnt in Amerika die Produktion des neuen Midsize-SUVs, das schon seit Jahren angekündigt wird. Jetzt kommt es endlich. Meinen Sie, dass dieses Fahrzeug den Turnaround entscheidend mit beeinflussen kann?
Auf jeden Fall: Dieses Auto entspricht dem amerikanischen Geschmack, sowohl vom Package als auch von der Ausstattung und dem Design her. In den Kundenkliniken, die wir gemacht haben, hat es jedenfalls hervorragend abgeschnitten.

Die einzelnen Marken erhalten mehr Freiraum. Heißt das, dass nicht mehr jedes einzelne Modell in Wolfsburg abgenickt wird?
Natürlich wird die Produktstrategie in den jeweiligen Planungsrunden abgestimmt, denn schließlich sollen sich die Marken nicht ins Gehege kommen. Dazu bedarf es einer konkreten Markenpositionierung und davon abgeleitet einer ordentlichen Produktpositionierung. Ob ein Auto jetzt zehn PS mehr oder weniger hat oder wie das Design im Detail aussieht, das bleibt der Marke überlassen. Aber die Design-Gene werden natürlich markenspezifisch im Konzern verabredet – und dann auch eingehalten.

Wird sich die Neuausrichtung auch auf das Modell- und Antriebsprogramm auswirken?
Das muss man sehen. Die Themen Variantenvielfalt und Komplexität spielen natürlich eine Rolle. Aber auch das schauen wir uns mit Bedacht an und entscheiden dann entsprechend. Erste Richtungsentscheidungen wird die Strategie 2025 bringen, die wir jetzt im ersten Halbjahr erarbeiten.

Kommen im Zuge der Neuausrichtung einzelne Marken auf den Prüfstand?
Nein, wir haben zwölf erfolgreiche Marken, die sehr wettbewerbsfähig sind. Derzeit sind wir damit sehr zufrieden und sehen deshalb keinen Grund, das infrage zu stellen. Als VW das Einliterauto vorgestellt hat, wurde verkündet, dass der Plug-in-Hybrid für den Konzern mehr als eine Brückentechnologie sei.

Das ist sicherlich richtig als Übergangslösung, weil halt viele Themen in Richtung Elektromobilität noch nicht zufriedenstellend gelöst sind. Mit einem Dieselauto fahren Sie 1000 Kilometer weit, mit einem Elektroauto unter optimalen Bedingungen 300 bis 400 Kilometer, aber eher viel weniger. Sie müssen häufig zum Aufladen anhalten, was noch lange dauert. Alles Dinge, die dem Kunden das Elektroauto im Moment noch verleiden. Zudem fehlt es vielerorts noch an der Infrastruktur. Und da ist die Plug-in-Technologie ideal. Innerorts fahren Sie elektrisch, außerorts verbrennungsmotorisch und laden dabei die Batterie wieder auf.

VW-Konzernchef - Sie haben keine Berechtigung dieses Objekt zu betrachten.

Aber hat die Automobilindustrie hier nicht einen großen Fehler gemacht, weil man viel zu früh mit dem Thema Elektroauto rausgekommen ist und die Erwartungen nicht erfüllen konnte?
Im Nachhinein ist man immer gescheiter. Im Übrigen erleben wir jetzt den gleichen Mechanismus beim pilotierten, beim automatisierten Fahren. Da wird es noch die eine oder andere Ernüchterung geben. Auch wenn jetzt einige so tun, als sei morgen pilotiertes Fahren möglich, müssen noch viele Fragen geklärt werden. Ich spreche lieber von einer evolutionären Entwicklung der Assistenzsysteme, und dann wird man zum Zeitpunkt x auch pilotiert fahren können. Ich warne davor, die Erwartungen zu schnell zu hoch zu schrauben und so zu tun, als seien alle Probleme bereits gelöst. Denn tatsächlich stehen wir erst am Anfang. Und das gilt eben auch für die Elektromobilität. Wir hoffen ja alle, dass Ende dieser Dekade neue Batterietechnologien zur Verfügung stehen, die uns in die Lage versetzen, sukzessive die Verbrennungsmotoren zu ersetzen.

VW hat auf der CES in Las Vegas das VW-Bus-Conceptcar Budd-e vorgestellt, das eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern hat und in einer halben Stunde aufgeladen sein soll. Haben Sie diese Technik bereits?
Wir haben die Technik noch nicht in Serie, aber wir haben sie konzeptionell und können sie auch in Konzeptautos darstellen. Das muss jetzt industrialisiert werden, was auch für die ähnlichen Projekte von Audi und Porsche gilt. Wir haben bei drei Marken entsprechende Leuchtturmprojekte, die wir sehr konsequent weiterverfolgen werden, um sie am Ende auf andere Baureihen ausrollen zu können.

Es ist überraschend, dass Sie mit der nächsten Generation des Phaeton in einem Luxussegment ein reines Elektroauto auf den Markt bringen wollen. Welche Überlegungen haben zu dieser Entscheidung geführt?
Ich halte das für eine mutige, sehr richtige Entscheidung und wir sind überzeugt davon, dass es den Markt für ein solches Fahrzeugkonzept geben wird.

Interview: Gerd Piper

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Auto & Verkehr

Fließend, stockend oder bewegt sich gar nichts mehr? Aktuelle Informationen zur Verkehrslage auf niedersächsischen Straßen und Autobahnen finden Sie hier. mehr