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Zukunftsfahrt mit dem Volvo V60
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Plug-In-Hybrid Zukunftsfahrt mit dem Volvo V60

Volvo bietet mit dem V60 als Plug-in-Hybrid ein Serienfahrzeug mit innovativer Technik. Die Idee: Eine Kombination aus Elektromaschine und Verbrennungsmotor. Bei zu wenig Strom übernimmt der Verbrenner.

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Der Innenraum ist Volvo-typisch aufgeräumt.

Quelle: Hersteller

Hannover. Leiden ist ein Weg zur Vollkommenheit - die alte Mystiker-Weisheit könnten sich momentan viele Automobilhersteller über die Werkstore nageln. Denn die anfängliche Euphorie über den Elektroantrieb in eine schadstoff- und spritfreie Zukunft zu starten, ist bis dato Stückwerk geblieben und längst tiefer Ernüchterung gewichen. Wann der E-Antrieb in Großserie produziert werden und damit den Verbrennungsmotor ablösen kann, steht nach wie vor in den Sternen. Doch es gibt Hoffnung. Und die heißt Plug-in-Hybrid-Antrieb, also die Kombination von Elektromaschine und Verbrennungsmotor mit der Möglichkeit, das Fahrzeug an der Steckdose mit Strom aufzuladen und damit akzeptable emissionsarme Reichweiten zu ermöglichen. Der Volkswagenkonzern setzt markenübergreifend auf diese Technologie, Mercedes und BMW stehen ebenfalls in den Startlöchern, und Volvo hat sie bereits. Wir haben den V60 als Plug-in-Hybrid zwei Wochen lang getestet - mit teilweise überraschenden Erkenntnissen.

Die Idee des Plug-ins ist im Grunde einfach: Das Auto lädt so viel Strom, dass es genug Energie an Bord hat, um damit eine gewisse Strecke emissionsfrei fahren zu können. Ist der Strom verbraucht, übernimmt automatisch der Verbrenner und macht so auch lange Strecken möglich. Das Reichweitenproblem wäre damit gelöst. Anfangs sah die Autoindustrie diesen Antrieb als Brückentechnologie, also als Übergang vom Verbrennungsmotor auf dem Sprung zum reinen Elektroantrieb.

Plug-In ist die Zukunftstechnologie

Inzwischen besitzt der Plug-in eine weitaus größere Bedeutung. Für Volkswagen und die anderen deutschen Produzenten ist der Antrieb die Zukunftstechnologie und wird sie auch bleiben, solange die Batterieentwickler keinen wirklichen Durchbruch zu großen Reichweiten vermelden können. Volvo ist den deutschen Herstellern dabei eine Nasenlänge voraus: Die Schweden haben mit dem V60 bereits einen Plug-in im Markt und konnten Mitte Mai vermelden, dass die Produktion des Fahrzeugs wegen der großen Nachfrage verdoppelt wird. 2014 wollen sie 10.000 Einheiten fertigen, im Vergleich zu E-Autos ist das tatsächlich schon eine Großserienproduktion.

Auf den ersten Blick ist am Volvo V60 Plug-in-Hybrid nichts Besonderes: ein sportlicher Mittelklassekombi mit einer hohen Schulterlinie und der gerade so beliebten coupéhaft abfallenden Dachlinie. Ein moderner Lifestyle-Kombi, wie es derzeit viele gibt. Erst auf den zweiten Blick fällt die Klappe im vorderen linken Kotflügel auf. Das ist kein Tankdeckel, denn der befindet sich rechts hinten. Nun, hier wird das Stromkabel eingestöpselt, über das die Lithium-Ionen-Batterie über Nacht je nach Leistung in 3,5 bis 7,5 Stunden aufgeladen werden soll. Die Speicherkapazität beträgt 11,2 Kilowattstunden, was laut Hersteller eine rein elektrische Reichweite von bis zu 50 Kilometern möglich machen soll. Genug also, um das Auto im Alltag ohne einen Tropfen Sprit zu bewegen.

Die Maschine dressiert den Menschen

Das haben wir nicht geschafft, und auch den im genormten Prüfzyklus ermittelten Spritverbrauch von 1,8 Litern Diesel konnten wir kein einziges Mal erreichen. Trotzdem hat uns das Auto verblüfft. Denn für die Fahrt zur Arbeit (etwa 50 Kilometer) sind wir im Mix aus Bundesstraßen und Stadtverkehr mit 2,2 Litern Diesel ausgekommen. Das schafft derzeit kein uns bekanntes Auto dieser Größenordnung aus der Serienfertigung.

Dass die Maschine dabei den Menschen dressiert, war eine weitere Überraschung. Denn aus notorischen Schnellfahrern - Raser wäre an dieser Stelle ein viel zu hässliches Wort - werden mit der Zeit Menschen, die das Dahingleiten genießen. Das Strategiespiel, wie man die unterschiedlichen Fahrmodi am besten kombiniert, um möglichst sparsam eine bestimmte Strecke zu bewältigen, macht Spaß. Der V60 verfügt nämlich über eine „Save“-Taste, mit der die Stromreserve eingefroren und erst bei Bedarf, beispielsweise im Stadtverkehr, wieder aktiviert werden kann.

Energieanziege im Instrumentenblock überprüft Verbrauch

Wir haben uns häufig bei dem Gedanken ertappt, auf welche Weise wir unseren Verbrauch wohl noch unterbieten könnten. Eine Energieanzeige im Instrumentblock zeigt beispielsweise beim Beschleunigen an, wann der Fahrer die kritische Grenze erreicht, an der die Verbrennungsmaschine anspringt. Leider lenkt der Blick dorthin etwas ab, aber Continental arbeitet bereits an einem Gaspedal, das diese Funktion durch Druck und Gegendruck übernehmen könnte. Und kommt von hinten mal jemand auf, der drängelt, zeigt man ihm ganz gelassen den gestreckten Mittelfinger - selbstverständlich nur im Geiste.

Klinkt sich der Elektromotor irgendwann aus, weil der Ladezustand der Batterie zu weit abgesunken ist, rekuperiert der Wagen wie ein ganz normaler Hybrid. Dann allerdings steigt der Spritverbrauch auf etwas über fünf Liter. Für eine Maschine mit 158 kW/215 PS ist das immer noch ein ziemlich guter Wert. Mit dieser Kombination, eingepackt in ein ganz normales Serienauto, kommt die Zukunft in Fahrt.

Fakten

Motor: Fünfzylinder-Turbodiesel

Diesel: 158 kW/215 PS

E-Motor: 50 kW/68 PS

Max. Drehmoment: 440 plus 200 Nm

CO2-Emission: 48 g/km

Beschleunigung (0–100km/h): 6,1–7,9 s*

Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h

Länge/Breite/Höhe: 4,63/1,87/1,48 m

Verbrauch: 1,8 l Diesel

Reichweite elektrisch: bis 50 km (abhängig vom Fahrmodus)

Preis: ab 58.710 Euro

Fazit:

+ toller Diesel mit zusätzlicher elektrischer Reichweite

- die Technik ist noch immer sehr teuer

Gerd Piper

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