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Wege, wie sich Neubauten harmonisch ins Dorfbild einfügen
Bauatlas

Baulücken optimal füllen Wege, wie sich Neubauten harmonisch ins Dorfbild einfügen

Baulücken in der Altstadt sind begehrt. Doch Neubauten aus viel Glas und Stahl passen nicht ins Bild. So manche Kommune lehnt sie sogar ab. Es gibt aber viele Beispiele, wie traditionelle Bauformen sich mit.

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Wohnen am Kirchhof

Modern mit Anleihen an die Tradition: Das Wohnhaus mit flachem Satteldach passt zur umliegenden Umgebung.

Quelle: Stefan Kohlmeier/Arc Architekten Partnerschaft/dpa-tmn

Hannover. Wer übers Land fährt, sieht solche Neubauten immer wieder: Zwischen idyllischen Bauernhäusern glänzt ein hochmoderner Glaskasten. Oder zwischen schmalen Häusern in kleinen Gassen ragt ein dreistöckiger Komplex hervor. Das passt einfach nicht ins Bild - so empfindet es Buchautor Johannes Kottjé. Aber es geht auch anders. Er hat Beispiele von Privathäusern gesammelt, die sich harmonisch einfügen.

Sie sagen, das Thema liegt Ihnen besonders am Herzen. Warum?

In der heutigen Architektur fehlt mir oft ein sinnvoller Rückbezug auf Bewährtes. Über Jahrhunderte hat sich Architektur evolutionär weiterentwickelt, aber in den letzten 100 Jahren gab es viele revolutionäre Schritte. Die waren nicht alle schlecht. Ich denke, es kommt ein hochwertiges Ergebnis dabei heraus, wenn ich nicht bei jedem Haus versuche, das Rad neu zu erfinden. Sondern wenn ich einfach sinnvoll überlege, wie kann ich das Gute aus mehreren Epochen verbinden.

Gibt es Grenzen der Symbiose von regionaler Bautradition und zeitgemäßem Wohnkomfort?

Das Aufgreifen von regionalen Bautraditionen hat per se nie die Folge, dass ich Einbußen beim Wohnkomfort habe. Dafür sehe ich gestalterische Grenzen da, wo es ins Krampfhafte geht: wenn ich nur versuche, etwas Altes billig zu imitieren. Es gibt zum Beispiel Fertighäuser mit Fachwerkfassade. Wenn aber schon mal allein die Proportionen des Hauses überhaupt nicht zu einem Fachwerkhaus passen, ist das schlichtweg Humbug.

Ich plane einen Hausbau. Gibt es Experten für das Umsetzen traditioneller Bauformen?

Es ist nicht jeder Architekt dafür geeignet. Es gibt ja sehr viele, die sich geradezu darüber definieren, dass sie bewusst modern bauen und sich bewusst von regionalen Traditionen absetzen. Meine Recherchen für das Buch haben aber auch gezeigt, es gibt andererseits zunehmend wieder Architekten mit regionalem traditionellem Fokus. Vielleicht ist es nur ein Nischentrend, doch das Thema ist deutlich beliebter als vor fünf oder zehn Jahren.

Sie plädieren also nicht dafür, das alte Bauernhaus eins zu eins in einer Neubausiedlung zu lassen?

Das alte Bauernhaus oder Fachwerkhaus gibt es ja so nicht. Als Laie hat man heute in einer historischen Stadt zwar oft den Eindruck, das ist alles am Stück entstanden, aber dem ist ja nicht so. Wenn ich genauer hinschaue, finde ich Häuser aus mehreren Jahrhunderten. Sie harmonieren gut, denn man hat früher nicht gemeint, man müsse mit jedem neuen Haus ein markantes Zeichen setzen. Man hat sich an dem orientiert, was in der Region über Generationen hinweg üblich war.

Aber es gab doch über die Zeit auch Entwicklungen?

Man hat immer wieder Neuerungen einfließen lassen. Aber es war gang und gäbe, dass man in Städten nichts gebaut hat, was den vorhandenen Maßstab gesprengt hätte. Auch bei den Bauformen und Proportionen hat man sich an der gebauten Umgebung orientiert und beispielsweise ähnliche Dachneigungen oder Giebelformen aufgenommen.

Welche traditionellen Bauformen bieten sich zur Verbindung mit moderner Gestaltung an?

In vielen Regionen sind wie auch immer geartete Holzfassaden sehr typisch. Aber das wichtigste Element sind für mich in der Tat die Proportionen und die Maßstäblichkeit. Also, dass sich das neue Gebäude gut einfügt. Wenn ich das perfekt hinbekomme, dann ist alles andere relativ zweitrangig. Sie werden in meinem Buch Beispiele finden von Häusern, die in ein historisches Stadtbild eingefügt wurden, so passend und harmonisch, dass Leuten, die vorbeigehen, gar nicht auffällt, dass es sich um ein hochmodernes Haus handelt.

Perfekt eingefügt: Ein Neubau in Regensburg.

Perfekt eingefügt: Ein Neubau in Regensburg.

Quelle: Erich Spahn/Doemges Architekten/dpa-tmn

Welche Vorzüge bringt dem Bauherrn das Einbeziehen traditioneller Bauformen? Ist es nur die Harmonie des Stadtbildes?

Der große Vorzug ist das sicherlich. Aber oft haben solche Häuser innen auch eine Vielfalt, die heute nicht mehr üblich ist. Man hat heute oft gleiche Fensterformate oder durchgängige Glasfassaden - das sorgt für ein einheitliches Ambiente. Früher hatte man einen großzügigen Raum, aber auch Rückzugsmöglichkeiten - Räume mit großen Öffnungen oder mit kleinen Fenstern. Oft entsprechen solche Häuser somit auch den ganz natürlichen Bedürfnissen des Menschen nach einerseits Schutz und andererseits Offenheit.

Simone Andrea Mayer

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