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Ein Schwerpunkt ist die Gründungsförderung
Büro- und Gewerbeimmobilien

Interview Ein Schwerpunkt ist die Gründungsförderung

Wirtschaftsdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette über die Infrastruktur, die neue Conti-Zentrale und das geplante Einzelhandelskonzept.

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Sabine Tegtmeyer-Dette, Dezernentin für Wirtschaft und Umwelt

Quelle: Sielski

Hannover. Die Stadt Hannover investiert ganz schön viel in ihre eigene Zukunft. 520 Millionen Euro sind an Investitionen in Infrastruktur vorgesehen. Müssen Sie so viel Geld in die Hand nehmen, weil zuvor zu viel gespart wurde?

Aufgrund der Altersstruktur der städtischen Gebäude haben wir derzeit einen überdurchschnittlichen Sanierungsbedarf. Außerdem wächst Hannover, und wir müssen die erforderliche Infrastruktur schaffen – insbesondere Schulen und Kitas. Wir freuen uns, dass die Stadt leistungsfähig genug ist, um ein so großes Investitionsprogramm umzusetzen. Und wir freuen uns darüber, dass die Zukunft der Stadt in wirtschaftlicher Hinsicht, aber auch in Bezug auf die Bevölkerungsentwicklung so positiv ist, dass die Investitionen sinnvoll sind.

Sie sagen, der Bedarf liege mit am Bevölkerungsplus. In den vergangenen zehn Jahren ist die Stadt um etwa 32 700 Bürger gewachsen. Wie wollen Sie auf Dauer alle Bürger mit ausreichend Wohnraum versorgen?

Aufgabe der Kommune ist es nicht, Bürger mit ausreichend Wohnraum zu versorgen. Das ist im Wesentlichen die Aufgabe von Wohnungsbauunternehmen und Investoren. Wir müssen die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau schaffen z. B. durch Flächenbereitstellung oder Baurecht. Und wir leisten unseren Beitrag durch Flächenentwicklungen, etwa am Oststadtkrankenhaus und am Kronsberg. Wir haben Baurecht für mehr als 10 000 Wohneinheiten geschaffen.

Rund 50 000 Unternehmen machen Hannover zum bedeutendsten Wirtschaftsraum Niedersachsens. Wie wichtig ist es da, weltbekannte Marken wie Continental in der Stadt zu behalten, und wie beurteilen Sie die Pläne für die neue Zentrale?

Wir freuen uns sehr, dass wir Continental eine geeignete Fläche für die neue Hauptverwaltung anbieten konnten. An diesem Beispiel zeigt sich, wie wichtig eine vorausschauende und bevorratende Flächenpolitik ist. Große Marken wie Conti machen die Stadt bekannt, und natürlich sind sie auch wegen der Arbeitsplätze und der Gewerbesteuer ganz wichtige Unternehmen. Nur mit diesen Unternehmen und solchen Erfolgen in der Standortvermarktung können wir das Interesse anderer Unternehmen für Hannover wecken. Die neue Zentrale wird ein Ausdruck der weltweiten Bedeutung der Continental AG, aber auch der hohen Ansprüche des Unternehmens an Qualität und Zufriedenheit von Mitarbeitern und Kunden sein. Das geplante Brückenbauwerk verschafft der Bedeutung der Continental AG in Hannover ein sichtbares Aushängeschild.

Haben Start-ups, also Firmen- Neugründungen, für Sie weniger Stellenwert?

Im Gegenteil. Ein großer Schwerpunkt unserer Wirtschaftsförderaktivitäten liegt in der Gründungsförderung. Während wir die Continental AG unterstützen, lassen wir den Rest der Unternehmen natürlich nicht im Regen stehen. Start-ups haben den selben Stellenwert wie bisher – schon deswegen, weil unter diesen Firmen möglicherweise schon die nächste Conti ist.

 Noch immer gibt es den Boom Bürobeschäftigung. Die Zahl der Jobs ist seit 2010 um fast 12 Prozent gestiegen. Das macht sich bemerkbar auch in immer neuen Büroflächen. Wird sich das Gesicht der Stadt verändern?

Hannover ist seit 1692 Hauptstadt (Hauptstadt Kurhannover) und ist es auch deswegen heute noch, weil sich die Stadt immer verändert hat. Die aktuellen Entwicklungen basieren nicht auf kurzfristigen, aktuellen Marktfolgen, sondern auf langfristigen Konzepten wie Hannover City 2020 plus. Für Markterfordernisse ist es von großer Bedeutung, dass durch Revitalisierung und Refurbishment die Bestandsimmobilien ertüchtigt werden. Dieser Trend ist erkennbar.

Beim Einzelhandel belegt die Stadt Platz fünf in Deutschland. Mit gleich drei Citystraßen liegt sie vorn, was Passantenfrequenz angeht. Lässt sich das durch das geplante neue Einzelhandelskonzept noch toppen?

Einer der Effekte des bisherigen Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes ist eine starke, vitale Innenstadt. Dies wird durch diverse Rankings bestätigt, in denen die City Hannovers deutlich stärker ist im Vergleich auch zu größeren Städten. Die Fortschreibung hat weiterhin die Stärkung der City zum Ziel.

Wo gibt es in der City noch Raum für Neuansiedlungen – sowohl für Handel, Büros wie auch Wirtschaft?

Raum für Ansiedlungen gibt es nicht mehr auf unbebauten Grundstücken. Filetstücke wie das Lister Dreieck sind nicht mehr vorhanden. Allerdings bietet die Revitalisierung von Gebäuden oder Neuentwicklung auf bebauten Grundstücken unverändert große Möglichkeiten. Im Umfeld des Steintorplatzes beispielsweise sind gering ausgenutzte Grundstücke vorhanden. Diese Chance ist auch an anderen Standorten erkennbar. Hier ist die Kreativität der Investoren und Entwickler gefragt.

Mit welchem Projekt wollen Sie auf der Expo Real punkten?

Wir punkten auf der Expo Real, indem wir unseren hannoverschen Partnerunternehmen einen Rahmen zur Darstellung bieten. Die Continental AG wird ihr Neubauprojekt vorstellen, an dem ein erhebliches Interesse besteht. Darüber hinaus präsentieren weitere Unternehmen Projekte – auch neue.

Vera König

 

Sabine Tegtmeyer-Dette

Die 55-Jährige studierte Politikwissenschaft, Germanistik und Betriebswirtschaft. Sie ist seit 2013 als Erste Stadträtin von Hannover die Stellvertreterin des Oberbürgermeisters und Dezernentin für Wirtschaft und Umwelt. Sie hat ab 1988 im Landesverband der Grünen gearbeitet, war danach im Kommunalverband (später: Region) als Leiterin der Zentralen Steuerung und als Prokuristin der Verkehrsbetriebe Üstra tätig.

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