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„Es geht noch Wachstum nach oben“
Büro- und Gewerbeimmobilien

Interview „Es geht noch Wachstum nach oben“

Wirtschaftsdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette will Unternehmensgründer fördern, Expansionsmöglichkeiten sichern und die Stadt grün erhalten.

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An der Vahrenwalder Straße entsteht ein attraktives Tor zur Stadt

Das Verwaltungsgebäude Öffentliche Ordnung entsteht am Schützenplatz.

Quelle: union-boden

Hannover. Frau Tegtmeyer-Dette, die Stadt Hannover wächst. Innerhalb von fünf Jahren ist die Zahl ihrer Einwohner um 25 000 gestiegen. Gibt es ähnliches Wachstum auch in der Wirtschaft?

Allein der Zuzug gibt der Wirtschaft wichtige Impulse. Die Bauwirtschaft profitiert vom Bevölkerungsplus. Wir brauchen mehr Wohnungen, Kitas und Schulen; mehrere hundert Millionen werden investiert. Ein Zuwachs an Einwohnern bedeutet mehr Umsatz im Einzelhandel. Gleichzeitig garantiert er, dass mehr Fachkräfte zur Verfügung stehen. Ich finde erfreulich, dass das Bevölkerungswachstum von 4,9 Prozent sogar noch getoppt wird vom Zuwachs bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Ihre Zahl ist im selben Zeitraum um knapp 12 Prozent auf 308 000 gestiegen.

Ist Hannover attraktiver geworden für Unternehmen?

Wir tun alles dafür, hier ansässigen Unternehmen bei Bedarf Expansionsmöglichkeiten zu sichern. Im Städtewettbewerb um Neuansiedlungen sind unsere Investitionen in die Infrastruktur und unsere strategische Arbeit an „Hannover 2030“ eine Trumpfkarte. Der Fachkräftemangel schränkt, das muss ich zugeben, gerade den Gründungswillen ein. Viele, die sich überlegt haben, mit einer eigenen Firma durchzustarten, nehmen dann doch lieber einen gut bezahlten Arbeitsplatz an, als das Risiko Selbstständigkeit einzugehen. Wir arbeiten daran, die Gründung von Unternehmen zu fördern - beispielsweise durch Beratung schon an der Universität. Das ist ganz neu.

Mehr Flächenbedarf im Wohnungsbau, aber auch in der Wirtschaft - wie bringen Sie die unterschiedlichen Interessen und Ansprüche zur Deckung?

Die von der Stadt erarbeiteten Gewerbe- und Wohnflächenkonzepte machen sich bezahlt. Die Flächen sind gut aufgeteilt und voneinander abgegrenzt. Wir werden auch in Zukunft darauf achten, dass Wohnen nicht Industrie verdrängt und Industrie nicht Wohnen. Anforderungen an Grenzwerte bei Emissionen, Lärm, Luftschadstoffen werden genau eingehalten.

Wo wird sich in naher Zukunft die Stadt am meisten verändern?

Die Umgestaltung der City läuft seit Längerem. Als Beispiele nenne ich die Bebauung des Klagesmarktes, die Umgestaltung des Marstalls. Auffallen werden auch die neuen Tore zur Stadt. Im Osten, am Pferdeturm, entsteht die neue Conti-Zentrale. Ich bin diesem Traditionsunternehmen dankbar, dass es Hannover verbunden bleibt und mit einem markanten Bau, für den gerade der Architektenwettbewerb vorbereitet wird, ein Ausrufezeichen an dieser Stelle setzt. Auffallen werden im Norden, beim anderen Eingangstor zur Stadt, die neue Zentrale für Vodafone und im weiteren Verlauf der Vahrenwalder Straße das Büro- und Geschäftshaus an der Ecke Philipsbornstraße. Die Bebauung Kronsberg-Süd wird eine Initialzündung für das Gebiet liefern. Da werden sich Einzelhändler ansiedeln, und das Interesse an noch vorhandenen Flächen auf dem Expo-Gelände steigt garantiert.

Bis es so weit ist, wird ein weiteres Verwaltungsgebäude für den Fachbereich Öffentliche Ordnung am Schützenplatz entstehen. Wie dringlich ist der Bau?

Wir haben endlich die Chance, den bisher auf zehn Standorte verteilten Fachbereich zusammenzufassen. Das optimiert die Arbeitsabläufe, vor allem aber garantiert es den Kunden kurze Wege. Wer ein Aufgebot bestellen, sich ummelden, einen Pass beantragen will, findet alle seine Ansprechpartner unter einem Dach. Der Standort ist attraktiv, die Lage gut und das Mietpreisniveau auf einem vernünftigen Level.

Die ersten beiden Bemerkungen, attraktiver Standort und gute Lage, würden Sie bestimmt nicht zum Ihme-Zentrum abgeben - oder?

Als Verwaltungsstandort ist das Ihme-Zentrum für uns wichtig. Auch deshalb hat die Stadt ein so großes Interesse an einer guten Lösung. Da muss endlich was geschehen!

Dem Wachstum sind irgendwann mal Grenzen gesetzt - schon durch die Grenzen der Stadt. Was dann?

Auch darüber machen wir uns im Stadtentwicklungsprozess „Hannover 2030“ durchaus Gedanken. Unser Ziel ist, dass Hannover eine gesunde grüne Stadt bleibt, eine Stadt, in der jeder gern wohnt und gern arbeitet, in der er attraktive Naherholungsangebote findet. Wenn ein Wachstum in der Fläche nicht mehr möglich ist, geht immer noch ein Wachstum nach oben. Wir werden in Zukunft vielleicht verdichteter bauen, vielleicht höher. Hannover bekommt dann in einigen Teilen eine neue Silhouette.

Vera König

Sabine Tegtmeyer-Dette

Sabine Tegtmeyer-Dette

Quelle: Sielski

Sabine Tegtmeyer-Dette

Die 55-Jährige studierte Politikwissenschaft‘, Germanistik und Betriebswirtschaft‘. Sie ist seit 2013 als Erste Stadträtin von Hannover die Stellvertreterin des Oberbürgermeisters und Dezernentin für Wirtschaft‘ und Umwelt. Sie hat ab 1988 im Landesverband der Grünen gearbeitet, war danach im Kommunalverband (später: Region) als Leiterin der Zentralen Steuerung und als Prokuristin der Verkehrsbetriebe Üstra tätig.

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