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„Wir müssen schonend mit Flächen umgehen“
Büro- und Gewerbeimmobilien

Interview „Wir müssen schonend mit Flächen umgehen“

Ulf-Birger Franz, Wirtschaftsdezernent der Region Hannover, spricht im Interview über die Pläne der Region und erklärt, wo Hannover seine gewerblichen Stärken hat.

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Die Logistikbranche im Fokus

Quelle: Region Hannover

Hannover. Herr Franz, die Region gibt gerade richtig Gas für den Breitbandausbau. Welchen Stellenwert hat das für die Wirtschaft?

Digitalisierung und leistungsstarken Datennetzen kommt inzwischen zentrale Bedeutung zu. Schnelle Bandbreiten sind Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und digitale Trends. Wir werden 3,34 Millionen Euro Fördergelder investieren, um auch in den ländlichen Bereichen den schnellen Zugang mit mindestens 50 Mbit/s ins Netz zu sichern. Das ist nicht nur ein Quantensprung für die privaten Haushalte, das macht auch die Unternehmensansiedlungen dort attraktiver, wo ein zu langsamer Internetzugang bislang ein Hemmnis war.

Im Fokus regionaler Wirtschaftspolitik steht aber weiter die Logistikbranche - oder?

Dies ist nur ein Fokus. Durch ihre zentrale Lage in Europa kommt der Region eben eine zentrale Rolle in der Logistik zu. Die hat den größten Flächenbedarf, und wir können gar nicht so schnell neue Angebote entwickeln, wie Nachfragen kommen.

Welches sind die Vorzeigeflächen, mit denen Sie auf der Expo Real in München um Investoren werben?

Der geplante Logistikstandort Barsinghausen/Wunstorf bietet perspektivisch rund 120 Hektar Ansiedlungsmöglichkeiten - außerdem die Option einer trimodalen Anbindung, also mit Schiene, Straße und Kanal. Für die 30 Hektar an Flächen in Laatzen-Ost, die unsere HRG entwickelt, gibt es schon zahlreiche Interessenten. Darüber hinaus könnten mittelfristig weitere 115 Hektar Gewerbeflächen entwickelt werden, die sich für die Ansiedlung von Logistik eignen.

Sind die Interessen der Region immer in Einklang zu bringen mit den Kommunen?

Wir agieren ausschließlich im Einklang mit unseren Kommunen, gern auch in gemeinsamen Projektgesellschaften. Ich muss den Kommunen ein Kompliment machen für ihre Ansiedlungspolitik. Burgwedel beispielsweise geht sehr umsichtig mit eigenen Flächen um. So konnte sich die Stadt die Ansiedlung des Logistikdienstleisters Fiege sichern, der hinter der Rossmann-Zentrale ein 75 000 Quadratmeter großes Grundstück erworben hat und mindestens 200, wenn nicht sogar 400 Arbeitsplätze dort schaffen will.

Was sind aus Ihrer Sicht weitere bemerkenswerte Ansiedlungen?

Sicherlich gehört die Erweiterung des Logistikzentrums an der Messe dazu, ebenso das geplante neue Aldi-Zentrallager in Lehrte. Das wird 2019 in Betrieb gehen und dann 84 Aldi-Märkte im Raum Hannover und Wolfsburg beliefern. In Berkhof in der Wedemark hat die Rewe Group ihr bundesweit zweites Kopflager für Obst und Gemüse in Betrieb genommen. Mit VSM in Hainholz baut ein wichtiges Industrieunternehmen zurzeit ein neues Versandlager. Wichtig ist zudem, dass regionale Unternehmen expandieren können - wie beispielsweise Ebeling Logistik in der Wedemark, die für Unternehmen wie MTU und Continental arbeiten und mehr Platz brauchen.

Flächen aber werden knapp. Gleichzeitig wächst die Konkurrenz zwischen Wohnraum und Wirtschaft.

Deshalb müssen wir schonend mit unseren Flächen umgehen. Wir arbeiten intensiv an der Revitalisierung alter Gewerbebrachen. Beispiele sind die Alte Zuckerfabrik in Weetzen oder das Hüttengelände in Neustadt.

Die Stadt entwickelt Visionen für Hannover 2030. Wo sehen Sie die Region dann wirtschaftlich?

Gut aufgestellt, denn wir haben einen ganz großen Vorteil: 100 000 junge Leute sind in Ausbildung oder im Studium, fast 10 Prozent der Bevölkerung also. Das allein sichert enormes Zukunftspotenzial. Wenn Bildung, Wirtschaft und Politik kooperieren, haben wir ein gutes und breit aufgestelltes Branchenspektrum. In den Bereichen Industrie 4.0, Robotik, Gesundheitsdienstleistungen und Medizin gibt es jede Menge Raum für Innovation.

Mit dem Slogan „Raum für Innovation“ wirbt die Region. Ihr ungeheures Plus, die zentrale Lage, hat allerdings Folgen, die bei den Verkehrsmeldungen Horror auslösen. Stundenlange Staus sind nicht mehr die Ausnahme. Was tun?

Wir brauchen eine Verkehrspolitik, die Güter im überregionalen Verkehr viel stärker auf die Schiene bringt. In der Region selbst verspreche ich mir viel von der Elektromobilität. Hier sind vor allem die Hersteller gefragt, wettbewerbsfähige Fahrzeuge zu entwickeln.

Interview: Vera König

Ulf-Birger Franz

Ulf-Birger Franz

Quelle: Eberstein

Ulf Birger Franz

Der 49-Jährige studierte Sozialwissenschaftler und ist seit 2010 Dezernent für Wirtschaft, Verkehr und Bildung der Region Hannover. Zuvor war er in der volkswirtschaftlichen Abteilung der Nord/LB.

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