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„Zuwachs wird es vor allem in Hannover geben“
Büro- und Gewerbeimmobilien

Interview „Zuwachs wird es vor allem in Hannover geben“

Ulf-Birger Franz, Wirtschaftsdezernent der Region Hannover, über Entwicklungspotenziale in der niedersächsischen Landeshauptstadt und in den Umlandkommunen.

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Der neue Hauptsitz von Continental vereint die auf die Stadt verteilten zentralen Unternehmenseinheiten an einem Ort und markiert an der Pferdeturmkreuzung den östlichen Eingang Hannovers.

Quelle: Continental AG/Entwurfs des Architekturbüros Henn GmbH, München

Hannover . Glückwunsch, Herr Franz! Die Region Hannover hat gerade Spitzenwerte bei Beschäftigung und Bildung geschafft. Was bringen die Rekorde?

Die Region Hannover baut ihre Position als wirtschaftsstarker Standort weiter aus. Mit fast 488 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im vorigen Jahr haben wir ein neues Rekordhoch erreicht. Der Anteil der Akademiker ist mit 18,2 Prozent deutlich höher als anderswo in Deutschland. Auch in der schulischen und beruflichen Bildung nimmt die Region deutschlandweit einen Spitzenplatz ein.

Ist das Thema Fachkräftemangel damit erledigt?

Auch wenn die Zahlen im Moment sehr gut sind, erledigt ist das Thema sicher nicht. Nicht alle Menschen bleiben nach Ausbildung oder Studium in der Region, der Fachkräftemangel äußert sich auch nicht in allen Branchen gleich stark. Wir müssen vor allem dafür sorgen, dass alle Jugendlichen eine Berufsausbildung erhalten und niemand auf der Strecke bleibt.

Für ansiedlungswillige Betriebe können Rekordwerte bei Beschäftigung und Bildung mit ausschlaggebend sein. Rechnen Sie damit, dass die Region damit punkten kann?

Die hohe Zahl an sehr gut ausgebildeten Fachkräften in der Region ist sicherlich einer der größten Trümpfe, die wir zu bieten haben. Das merken wir auch in den Gesprächen mit Unternehmen, unabhängig von der Branche. Gute Leute bekommen zu können lockt Logistiker ebenso wie Pharmahersteller.

Jeder sechste Arbeitsplatz in der norddeutschen Logistikwirtschaft ist in der Region Hannover angesiedelt. Wahrscheinlich könnten es noch weitaus mehr sein, wenn nicht Flächen fehlten. Oder?

Die Region Hannover hat auf die steigende Nachfrage der Logistikwirtschaft mit einem nachhaltig angelegten Logistikflächenkonzept reagiert. Wir haben in Zusammenarbeit mit den Kommunen aufgezeigt, an welchen Standorten sich Gewerbeund Logistikflächen planerisch sinnvoll und marktgerecht entwickeln lassen. Mittel- bis langfristig stehen rund 375 Hektar Logistikfläche zur Verfügung.

Welches sind die Vorzeigeflächen, mit denen Sie auf der Expo Real in München um Investoren werben?

An drei Logistikstandorten wird noch im Jahr 2017 weiteres Flächenpotenzial für die Vermarktung bereitgestellt: knapp 20 Hektar in Barsinghausen, 30 Hektar in Laatzen und gut 11 Hektar in Wunstorf. Zudem können in Burgwedel im Umfeld des Neubaus für Fiege und Rossmann rund zwölf Hektar erworben werden. An weiteren Standorten in der Region gibt es zudem attraktive Flächenpotenziale, die schon in privater Hand sind. Dort kann es kurzfristig losgehen.

Offenbar gibt es einen neuen Trend in der Logistikbranche, die sogenannten Multi-User- Hallen. Was ist das genau?

Gerade im Kontraktlogistikbereich werden viele Mietverträge kurzfristig und nur noch für relativ kurze Laufzeiten geschlossen. Moderne Logistikimmobilien müssen ohne große Umbauten hochflexibel nutzbar sein, sich mitunter auch in mehrere Einheiten teilen lassen. Beispiele für aktuelle Projektentwicklungen solcher Hallen finden sich in Burgwedel (Investor Union Investment; Mieter: Fiege/ Rossmann) und Lehrte-Sievershausen (Projektentwickler Bauwo; Mieter u. a. Wellpack).

Was halten Sie für die wichtigsten Ansiedlungen und Unternehmensinvestitionen in der letzten Zeit?

Es ist schwierig, einzelne Unternehmen hervorzuheben. Mich freut aber vor allem, dass in der Region Hannover viele Unternehmen die Bedeutung von Forschung und Entwicklung am Standort erkannt haben. So investiert das Pharmaunternehmen MSD in Burgdorf rund 60 Millionen Euro in Erweiterungen, dort wird zukünftig ein Ebola- Impfstoff produziert. In Bissendorf wird sich Kirsch Pharma Health Care niederlassen und investiert rund 20 Millionen Euro. Wabco wird nächstes Jahr in Linden sein Engineering Innovation Center in Betrieb nehmen.

Stadt und Region wachsen. 2016 wurde eine regionale WohnBauInitiative ins Leben gerufen. Wie viel der Fördergelder von rund 26 Millionen sind schon abgerufen?

Bislang hat die Region über die WohnBauInitiative für rund 15 Millionen Euro Wohnraum gefördert. Soziale Wohnraumversorgung wird wieder zum Thema in den Kommunen. In Verbindung mit dem gegenwärtig in der Entwicklung befindlichen Regionalen Wohnraumversorgungskonzept ist künftig eine noch gezieltere Planung und Steuerung der sozialen Wohnraumförderung möglich.

Geplant ist die Zentrale Koordinierungsstelle Wohnbauflächenentwicklung. Wie weit sind Sie damit, und in welcher Kommune erwarten Sie das größte Einwohnerplus?

Institutionalisiert ist die Zentrale Koordinierungsstelle Wohn- bauflächenentwicklung noch nicht, faktisch besteht sie aber bereits. Die Fäden laufen schon jetzt im Bereich Planung und Raumordnung zusammen. Der Druck ist im Kernraum der Region Hannover am größten, gleichzeitig gibt es hier relativ wenig Potenziale. Zuwachs wird in den nächsten Jahren vor allem die Stadt Hannover verzeichnen. Aber auch in Städten wie Garbsen rechnen wir mit einem deutlichen Bevölkerungswachstum. Mit der Stadt Garbsen wollen wir im Rahmen der WohnBauInitiative der Region Hannover einen städtebaulichen Wettbewerb in Berenbostel-Ost durchführen.

Interview: Vera König

Ulf-Birger Franz

Ulf-Birger Franz

Quelle: Eberstein

Ulf Birger Franz

Der 50-Jährige studierte Sozialwissenschaften und ist seit 2010 Dezernent für Wirtschaft, Verkehr und Bildung der Region Hannover. Zuvor war er in der volkswirtschaftlichen Abteilung der Nord/LB.

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