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Je höher, desto grüner

Serie "Bauen mit der Natur", Teil 3 Je höher, desto grüner

Acht Millionen Quadratmeter Dachfläche werden in Deutschland jedes Jahr neu bepflanzt. Von Stadtoasen in luftiger Höhe berichtet unser letzter Serienteil.

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Preisgekrönt: Hobbygärtner Ulrich Flohr aus Karlsruhe gestaltete den Flachdachanbau seines Gründerzeithauses aus dem 19. Jahrhundert selbst. Das Ergebnis wurde 2004 als Gründach des Jahres in der Kategorie Privatgarten prämiert.

Foto: fbb

Man muss kein Schlafwandler oder Dachdecker sein, um auf dem Dach herumzuspazieren. Ein Obstgarten genügt. „Vor ein paar Tagen habe ich in Radolfzell einen Dachgarten mit Johannisbeeren, Stachelbeeren und Walderdbeeren gesehen“, sagt Dr. Gunter Mann, Biologe und Präsident der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung (FBB) aus Saarbrücken. Dieser Dachgarten sei vom Planer direkt als Obstgarten vorgesehen worden. „Andere Dachgärten haben Bänke, Schaukel und einen Teich“, berichtet Mann. Privatleute würden sich bei der Dachgartengestaltung durch große Kreativität und Investitionsbereitschaft auszeichnen. Investition, das heißt 60 bis 150 Euro pro Quadratmeter, wenn ein Fachbetrieb den Garten aufs Dach setzt. Wer die Arbeiten selbst verrichtet, kommt mit etwa 30 Euro Materialkosten aus. Für die 60 Euro gibt es dann ein intensiv begrüntes Dach. „Das ist von einem ebenerdigen Garten praktisch nicht mehr zu unterscheiden“, erläutert Mann. Auch nicht beim Pflege- und Bewässerungsaufwand. Wer sich mit einem extensiv begrünten Dach begnügt und größere Flächen zu gestaltet hat, ist bereits mit zwölf Euro pro Quadratmeter dabei. Dafür gibt es einen ökologischen Schutzbelag und eine Lage Sedum-Pflanzenhäckselstreu. Sedum, auch Fette Henne oder Mauerpfeffer genannt, gehört zu den Stauden und ist für sein rasches Wachstum bekannt. „Die Häcksel wurzeln neu aus, und nach kurzer Zeit sieht das Dach sehr hübsch aus.“ Dies sei die Variante, die von Industrie und Kommunen bevorzugt gewählt würde.

Etwa 83 Prozent der von FBB-Mitgliedsbetrieben gestalteten Dächer werden extensiv begrünt, 17 Prozent werden intensiv begrünt. „Bei diesen Zahlen sind wir ziemlich sicher. Bei der Gesamtmenge müssen wir schätzen. Offizielle Erhebungen oder zentrale Register gibt es nicht. Wir gehen von acht Millionen Quadratmetern Dachfläche aus, die jedes Jahr in Deutschland neu begrünt werden“, sagt Dr. Mann. Acht Millionen Quadratmeter, das entspricht etwa der Dachfläche von 12000 Einfamilienhäusern.

Jede Dachform lässt sich bepflanzen, am einfachsten ist dies natürlich bei Flachdächern. Wegen des Gewichtes der Erdschicht sollte ein Statiker hinzugezogen werden. Der Deutsche Dachgärtnerverband aus Nürtigen nennt 60 bis 150 Kilogramm pro Quadratmeter für ein extensiv begrüntes Dach und 150 bis 500 Kilo für ein intensiv begrüntes Dach. Die Schichtdicke liegt zwischen sechs und 40 Zentimetern.

Die Dachfläche wird mit einer robusten wasserdichten Folie geschützt. Die übrige Dachgartengestaltung unterscheidet sich kaum von ebenerdigen Arbeiten, wenn man davon absieht, dass die Gärtner in der Kantennähe mit einer Seilsicherung vor Abstürzen geschützt werden. Die Bewohner sollten später starke Zäune errichten, die auch aus durchsichtigem Sicherheits- oder Plexiglas gestaltet werden können und freien Ausblick bieten. Die Bewohner der darunterliegenden Stockwerke profitieren doppelt: Die Erdschicht verbessert den Lärmschutz und gleichzeitig auch die Wärmedämmung. Daran ändert sich auch nichts Grundsätzliches, wenn die Erde regennass wird, wie Studien gezeigt haben.

Von Ralf Kohlrausch

www.dachgaertnerverband.de www.fbb.de

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