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Das Haus rückstandsfrei entsorgen

Serie "Nachhaltig Bauen" Das Haus rückstandsfrei entsorgen

Je besser Materialien recycelt werden können, desto nachhaltiger sind sie. Teil 2 der Serie über nachhaltiges Bauen.

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Das fünfstöckige Bürogebäude des Norddeutschen Zentrums für Nachhaltiges Bauen (NZNB) in Verden wurde komplett in Holz-Stroh-Bauweise errichtet. Die Wände wurden mit Lehm verputzt und anschließend gestrichen.

Quelle: NZNB

Hannover. Wo gebaut wird, werden Materialien und Energie verbraucht. Im Sinne der Nachhaltigkeit ist es wichtig, die Verbräuche zu minimieren. Denn jeder produzierte Baustoff hinterlässt einen sogenannten ökologischen Fußabdruck, der die Umweltbelastung, insbesondere den CO2-Ausstoß, markiert. Sogenannte „graue Energien“, die insbesondere bei der Produktion und beim Transport anfallen, sollten in die Berechnungen einbezogen werden.

Bei der Nachhaltigkeitsbewertung müssen alle Umweltbeeinträchtigungen berücksichtigt werden, erläutert Michael Rieß, Experte für integrierten Umweltschutz. Pauschale Urteile seien dabei wenig hilfreich: „Öko ist nicht automatisch gut. Es muss immer die gesamte Konstruktion betrachtet werden.“ Und die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) schreibt auf ihrer Website: „Ein Bauprodukt wird immer im Kontext des gesamten Gebäudes betrachtet, da nur die richtige Verwendung eines Produkts auch dessen gewünschte Wirkung gewährleisten kann.“

Die Haltbarkeit der Materialien spielt ebenfalls eine Rolle - ebenso wie ihre Entsorgung, schließlich stammen laut Angaben des Bundesbauministeriums gut 50 Prozent des gesamten Abfallaufkommens in Deutschland aus dem Bauwesen. „Wer nachhaltig baut, der denkt vom Ende her. Das wirklich nachhaltige Haus lässt sich zum Schluss wieder komplett in seine sortenreinen Bestandteile zerlegen“, betont deshalb Reimund Stewen vom Verband Privater Bauherren (VPB). Bevorzugt werden sollte grundsätzlich alles, was in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden kann.

Eindeutige Vorgaben fürs nachhaltige Bauen existieren zwar nicht - wohl aber einige Empfehlungen:

Kubatur : Form und Ausrichtung eines Gebäudes wirken sich auf dessen Energiebilanz aus: „Nachhaltige Gebäude müssen kompakt sein. Je weniger Ecken, Kanten und Vorsprünge ein Hauskubus hat, umso leichter ist er zu bauen und zu unterhalten“, so der VPB. Falls möglich, sollten Häuser so ausgerichtet sein, dass sie die Sonnenenergie nutzen können.

Konstruktion : „Nachwachsende Rohstoffe sind im Sinne der Nachhaltigkeit prädestiniert“, sagt der Verdener Architekt Thomas Isselhard. Dies gelte insbesondere für Holz aus europäischen Wäldern. Das wächst nicht nur nach, sondern benötigt wenig Energie in der Herstellung und bindet große Mengen CO2. Holzkonstruktionen sind sehr lange haltbar - vorausgesetzt, sie werden fachmännisch verarbeitet und geschützt. Für Stahl-Beton-Konstruktionen muss hingegen vergleichsweise viel Energie aufgewendet werden. Stahl zumindest ist aber fast zu 100 Prozent recycelbar.

Dämmung : Mittlerweile sind verschiedene Dämmstoffe auf dem Markt. Herkömmliche Verbundsysteme etwa aus Polystyrol haben den Nachteil, dass sie meist nicht wiederverwertet werden können und in der Herstellung viel Energie verbrauchen. Natürliche Materialien wie Schafswolle oder Zellulose werden oft etwa gegen Schimmelpilze behandelt und landeten deshalb später auf dem Müll, sagt Rieß. Eine Alternative ist gepresstes Stroh.

Gebäudehülle : Fenster mit Holzrahmen sollten aus hochwertigem Material bestehen und sind laut Rieß vor allem dann sinnvoll, wenn sie durch Dachüberstände gegen Feuchtigkeit geschützt werden. Das gelte auch für Außenwände aus Holz - es sei denn, sie werden regelmäßig mit umweltverträglicher Farbe gestrichen. Isselhard empfiehlt, für Außenwände Harthölzer zu verwenden und anschließend beispielsweise mit Lehm oder Kalk zu verputzen.

Bauaufsicht : Eine gute Bauleitung sei entscheidend, sagt Rieß. Diese müsse unter anderem darauf achten, dass möglichst wenig Emissionen wie Staub und Lärm entstehen. Das Grundwasser muss geschützt und der Abfall konsequent getrennt werden. Je besser Bauabläufe geplant und überwacht werden, desto weniger Fehler passieren, deren Folgen nicht nur Kosten verursachen, sondern auch zusätzliche Ressourcen verbrauchen, schreibt der VPB.

Von Sebastian Hoff

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