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ENEV 2009 Voller Energien aufrüsten

Das Fristende naht: Die Energieeinsparverordnung von 2009 muss bis zum Ende des Jahres umgesetzt werden.

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Terminsache: In viele alten Gebäuden muss nachträglich gedämmt werden, um Energiestandards zu erfüllen.

Die Frist läuft Ende des Jahres ab. Bis dahin müssen die Energiestandards vieler Gebäude erhöht worden sein, schreibt die aktuelle Energieeinsparverordnung vor. Im Klartext: Alte Häuser müssen besser gedämmt sein und Heizungen weniger Energie verbrauchen. Nur noch ein halbes Jahr bleibt Zeit: „Diese Nachrüstpflichten betreffen alle Immobilienbesitzer, die ihren Altbau nach dem 1. Februar 2002 übernommen haben und ihn auch selbst bewohnen“, erläutert Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren (VPB) in Berlin. Das gelte für Mehrfamilienhäuser sowie Ein- und Zweifamilienhäuser. Eigentümer, die vor dem Stichtag selbst in ihrer Immobilie wohnten, sind nicht betroffen. Es sei denn, sie sanieren derzeit ihren Altbau sowieso umfassend oder bauen um. Dann müssen sie laut VBP ebenfalls die Energieeinsparverordnung 2009 umsetzen.

Nach Paragraf 10 Abs. 2 EnEV 2009 müssen in den alten Gebäuden die Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen von Zentralheizungen, die mit Wasser betrieben werden, oder von Einzelheizgeräten gedämmt werden. Auch Armaturen zur Begrenzung der Wärmeabgabe sind davon betroffen. Diese Auflage gilt allerdings nur, wenn diese Leitungen sowie Armaturen zugänglich sind und sie sich in unbeheizten Räumen befinden. „Warmwasser- und Heizungsleitungen zu dämmen, ist eine überschaubare Maßnahme“, erklärt Reinhold-Postina. Ein geschickter Heimwerker könne das selbst erledigen. In Baumärkten gebe es vorgefertigte Rohrummantelungen. Außerdem müssen Heizkessel, die vor 1978 installiert wurden, ausgetauscht werden.

Gedämmt werden muss auch die oberste begehbare Geschossdecke, wenn das Dach darüber ungedämmt ist. Normalerweise seien das die Decken zwischen dem bewohnten Obergeschoss und dem nicht ausgebauten Speicher, erläutert Reinhold-Postina. Alternativ könnte statt der Geschossdecke auch das Steildach gedämmt werden. Welche Variante sich finanziell rechnet, hängt von der Nutzung ab: Wird das Dachgeschoss nicht als Wohnraum genutzt, genüge die günstigere Dämmung der Geschossdecke, rät Kathrin Milich von der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Diese koste pro Quadratmeter rund 80 Euro. Bei einer vollständigen Dachdämmung werden die Kosten je Quadratmeter etwa doppelt so hoch angesetzt – wegen des erhöhten technischen Aufwands. Die Gesamtkosten seien aber tatsächlich sogar noch weitaus höher wegen der größeren zu dämmenden Fläche, sagt Mühe. „Bei einem normalen Einfamilienhaus mit Satteldach sollte man auf jeden Fall mit mehr als 20000 Euro kalkulieren.“

„Eine Pflicht zur nachträglichen Dämmung im Sinne der EnEV 2009 besteht jedoch nicht, wenn die oberste Geschossdecke oder das Dach bereits gedämmt ist“, ergänzt Alexander Wiech von der Eigentümergemeinschaft Haus & Grund Deutschland in Berlin. Die vorhandene Dämmung müsse auch nicht die Anforderungen der Verordnung erfüllen. Ebenfalls müsse man nicht handeln, wenn die erforderlichen Maßnahmen so teuer sind, dass die dadurch erzielte Energieeinsparung sich nicht innerhalb einer angemessenen Frist rechnet. Und zwei weitere Ausnahmen gibt es: Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) in Berlin hat seit 2002 insgesamt 15 Staffeln von Begriffsdefinitionen veröffentlicht, mit denen sie die Energieeinsparungsverordnung interpretiert. Diese Texte haben keinen Gesetzescharakter, werden aber allgemein akzeptiert, sagt Wiech, denn das Deutsche Institut für Bautechnik ist eine gemeinsame Einrichtung des Bundes und der Länder zur einheitlichen Erfüllung bautechnischer Aufgaben auf dem Gebiet des öffentlichen Rechts. Und das DIBt legt die EnEV 2009 so aus, dass massiv gebaute Geschossdecken, die nach 1969 erstellt wurden und Holzbalkendecken jeden Alters, einen ausreichenden Dämmwert haben und nicht nachgerüstet werden müssen.

www.dibt.de/de/aktuelles_energieeinsparverordnung.html

Von Stephanie Hoenig und Ralf C. Kohlrausch

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