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Wie lange lebt ein Haus?

Bauteile Wie lange lebt ein Haus?

Bauteile halten fast ewig, aber typischerweise wird nach 30 Jahren ohnehin umgebaut.

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Hausbesitzer sollten schon direkt nach dem Bau anfangen, Geld für spätere Sanierungsarbeiten zurückzulegen.

Foto: BHW

Quelle: BHW Bausparkasse

Wie lange hält das eigentlich? Diese bange Frage stellen sich sowohl Hausbauer, die die nächsten zwei, drei Jahrzehnte die Baukosten samt Zinseszins abstottern und dann möglichst mit einer intakten Immobilie den schuldenfreien Ruhestand genießen wollen, als auch Gebrauchtkäufer, deren Objekt der Begierde den ersten Nutzungszyklus hinter sich hat. Wie so oft gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Baustoffe halten praktisch ewig, die eingebaute Technik 40 bis 50 Jahre, nur Teppiche und Tapeten fallen mit rund zehn bis 15 Jahren in die Kategorie Verschleißteile. Die schlechte Nachricht: Die langen Haltbarkeitsfristen gibt es nicht geschenkt, sie setzen regelmäßige Pflege voraus. Mauern müssen gelegentlich neu verfugt werden, Fassadenanstriche erneuert, der Rostschutz von Stahlträgern aufrechterhalten, lose Dacheindeckungen befestigt und Fensterrahmen gestrichen werden.

Diverse Studien bestätigen diese Tendenz und liegen bei den Zahlen nur in einer Größenordnung von etwa zehn Prozent auseinander, egal, ob ein Hersteller die Haltbarkeit seiner Produkte dokumentiert haben wollte, ein Interessenverband eine bestimmte Bauweise propagiert oder im Auftrag der Bundesregierung die Nachhaltigkeit des Bauens untersucht wird. Ebenfalls egal ist es, ob ein Haus in Massivbauweise oder als Fertighaus in Holzständerbauweise errichtet wird. Nicht einmal bei den Baukosten wird die Differenz – vergleichbare Häuser vorausgesetzt – größer als etwa zehn Prozent, wie das Institut für Bauforschung vor drei Jahren festgestellt hat. Eine der jüngsten Veröffentlichungen zum Thema ist der kostenlose Leitfaden Nachhaltiges Bauen, den das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung in diesem Jahr neu aufgelegt hat.

Während die technische Lebensdauer von Bauteilen in der Regel sehr gut ist, ist der tatsächliche Nutzungszyklus oft deutlich kürzer – weil der Fortschritt noch bessere Materialien hervorgebracht hat oder weil sich die Nutzungsgewohnheiten geändert haben. So gehen Professor Ing. Karsten Tichelmann und Diplom-Ingenieur Hartmut Heller von der Versuchsanstalt für Holz- und Trockenbau an der TU Darmstadt in ihrer „Vergleichenden Ökobilanzbetrachtung und Lebenszyklusanalyse“ bei Innenwänden nur noch von 30 Jahren Nutzungszeitraum aus, weil sie festgestellt haben, dass Häuser regelmäßig umgebaut werden. Und manchmal wird auch die zuverlässige Langlebigkeit eines Baustoffs zum Problem, wenn es neue Erkenntnisse zu dessen Umweltverhalten gibt – wie bei Asbest. Der Faserbaustoff trägt die Unverwüstlichkeit bereits im Namen: Das griechische Wort „asbestos“ bedeutet „unvergänglich“.

„Der Sanierungsbedarf bei einer gebrauchten Immobilie wird meist erheblich unterschätzt“, warnt Thomas Penningh, Vorsitzender des Verbands Privater Bauherren (VPB). Je nach Alter des Hauses, nach dessen Pflegezustand und den bisherigen Erhaltungsmaßnahmen kann die Sanierung selbst noch einmal mit bis zur Hälfte des eigentlichen Kaufpreises zu Buche schlagen. Der VPB empfiehlt deshalb allen Hausbesitzern, ihre Immobilien regelmäßig zu prüfen, am besten im Herbst und im Frühling, und alle Schäden gleich beseitigen zu lassen. Damit dafür immer ausreichend Geld in der Haushaltskasse ist, sollten Hauseigentümer von Beginn an neben Zinsen und Tilgung regelmäßig auch einen bestimmten Betrag für die Instandsetzung der eigenen vier Wände zurücklegen. „Mit etwa einem Euro pro Quadratmeter Wohnfläche im Monat sind sie auf der sicheren Seite“, rechnet der VPB-Fachmann vor.

www.nachhaltigesbauen.de

Von Ralf C. Kohlrausch

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