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Lebensqualität oder Baukultur?
Zuhause - Bautrends

Sanieren oder Abriss Lebensqualität oder Baukultur?

Lohnt sich noch eine Modernisierung? Oder ist es besser, das Gebäude abzureißen und auf dem Grundstück neu zu bauen? Vor dieser Frage stehen viele Eigentümer vor allem von Häusern aus den Fünfziger-, Sechziger- und Siebzigerjahren. Die Entscheidung ist nicht immer leicht - einige Argumente sprechen sowohl für die eine, als auch für die andere Lösung.

Freiligrathstraße, hannover 52.361253 9.752763
Freiligrathstraße, hannover Mehr Infos

Ob ein Neubau oder eine Sanierung realisiert wird, muss je nach Situation entschieden werden. An der Freiligrathstraße hat die KSG neu gebaut.

Quelle: KSG Hannover GmbH

Hannover. Folgt man der Anfang des Jahres veröffentlichten Studie „Bestandsersatz 2.0“, die vom hannoverschen Pestel-Institut und der Bauforschungseinrichtung ARGE Kiel im Auftrag der Bau- und Immobilienwirtschaft erstellt wurde, ist die Antwort klar: Ein Abriss ist einer Sanierung in den allermeisten Fällen vorzuziehen. Denn nur mit Neubauten könne in ausreichender Zahl dringend benötigter altersgerechter Wohnraum geschaffen werden, schreiben die Autoren. Auch das Ziel des klimaneutralen Wohnungsbestandes sei nur mit Gebäuden auf dem neuesten energetischen Stand zu erreichen. Außerdem seien Neubauten im Vergleich zu Sanierungen in der Regel deutlich günstiger.

Diese Angaben werden von vielen Experten bezweifelt: Sie gehen von anderen Kosten für Sanierungen aus und sehen längst nicht einen so großen Bedarf an barriefreien Wohnungen, wie die Studie darstellt. Insbesondere die Architektenschaft bemängelt eine vorrangig wirtschaftliche Betrachtung und macht sich für den Erhalt und die Sanierung des Gebäudebestandes stark: „Die Gebäude einer Stadt haben einen kulturellen Wert und stehen für ihre Geschichte“, betont Benedikt Hotze vom Bund Deutscher Architekten (BDA). Er kritisiert, dass derzeit viele Häuser der Nachkriegsmoderne „ohne Not abgerissen und durch hochpreisigen Neubau ersetzt“ werden. Sinnvoller sei es, über Umnutzungen nachzudenken.

Zahlen entscheiden über Abriss

Die Baukultur sei ein Thema, mit dem sich auch die Wohnungswirtschaft beschäftigen müsse, sagt Carsten Ens, Pressesprecher des Verbandes der Wohnungswirtschaft (vdw) in Niedersachsen und Bremen. Die Wohnungsunternehmen nähmen dazu unterschiedliche Haltungen ein: „Die einen wollen retten, was zu retten ist. Die meisten treffen jedoch Einzelfallentscheidungen“, erklärt Ens.

Sanierte Häuser an der Uhlandstraße

Sanierte Häuser an der Uhlandstraße

Quelle: KSG Hannover GmbH

Bei jedem Bestandsgebäude werde in der Regel durchgerechnet, ob sich ein Neubau oder eine Modernisierung lohne. Für die zweite Lösung spreche etwa, dass oftmals keine neuen Stellplätze nachgewiesen werden müssten und sich die Bewohner mit ihren Häusern stark identifizieren, erläutert Ens. Neu gebaute Häuser böten hingegen oftmals eine höhere Wohnqualität. Außerdem könne in Neubauten leichter barrierearmer und barrierefreier Wohnraum geschaffen werden.

In der Praxis führt diese Abwägung dazu, dass sowohl die eine, als auch die andere Lösung realisiert wird: So hat etwa die Wohnungsgesellschaft KSG in einer Siedlung im Langenhagener Stadtteil Wiesenau einzelne Häuser modernisiert und andere abgerissen. Die frei gewordenen Grundstücke wurden nachverdichtet. Hier entstand bedarfsgerechter Neubau, insbesondere mit alters- und teilweise sogar rollstuhlgerechten Wohnungen. Außerdem wurde ein Ort der Begegnung geschaffen. Das Quartier sei insgesamt deutlich aufgewertet worden, sagt Sigfried Volker, Bereichsleiter Projektentwicklung bei der KSG.

Bei Neubau steigen die Mieten

Er berichtet, dass viele Bewohner zwischenzeitlich umziehen mussten, bevor sie in ihre neu gebauten Wohnungen konnten. Ein solches „Mietermanagement“ sei für die meisten Privatvermieter, die in Deutschland etwa Zweidrittel aller Mietwohnungen anbieten, allerdings nicht möglich, weil alternative Wohnungen fehlten, erklärt Alexander Wiech, Sprecher des Eigentümerverbandes Haus & Grund. Daher seien Abriss und Neubau in der Regel keine realistische Alternative zur schrittweisen Modernisierung.

Mieterschützer befürchten zudem, dass die Mieten steigen, wenn Bestandsgebäude abgerissen und neu gebaut werden. Nach Angaben des Berliner Mietervereins betragen in Berlin die Angebotsmieten für Wohnungen aus den Fünfziger- bis Siebzigerjahren zwischen 6 und 8 Euro pro Quadratmeter, in Neubauten sind es hingegen 13 Euro.

Viele der neu geschaffenen Wohnungen werden zudem nicht vermietet, sondern hochpreisig verkauft, kritisiert der Verein. Hotze befürchtet deshalb einen negativen sozialen Effekt, weil in vielen Quartieren die angestammte Bewohnerschaft verdrängt werden könnte.

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