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Was ist „typisch hannöversch“?

Fünf Erklärungsversuche Was ist „typisch hannöversch“?

Michael Krische wagt fünf Erklärungsversuche.

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Hannover zwischen 1440 und 1636

„Kläöres Äö“

Die Hannoveraner sprechen das beste Hochdeutsch. Stimmt schon, irgendwie. Aber es gab einmal ein hannöversches Idiom, das aber langsam ausstirbt. Der typische Hannoveraner s-tolperte übern s-pitzen S-tein, sprach das „A“ wie ein „ÄÖ“ und „Ei“ wie ein gedehntes „Ah“. Das klang im Eiscafé so: „Fräulahn zäölen. Ahn Ahs zu drahssig mit Säöhne.“ Und dazu noch ein Witz: Eine feine Dame fragt in der Markthalle die Marktfrau: „Haben Sie Aale?“ Die antwortet: „Nahn, ich häöbe Zaht.“ Verstanden? Dann können Sie Hannöversch.

Der Hannover-Komplex

Zu den typischen hannöverschen Eigenschaften gehört das Understatement. Nichts von wegen großer Berliner Schnauze oder des Münchners „Mir soan mir“. Deshalb wird der Hannoveraner häufig mal unterschätzt – zumal er selbst sein Licht zu sehr unter den Scheffel stellt. Seit Jahrzehnten sorgen sich deshalb unsere Stadt- und Tourismus-Manager um das Image der niedersächsischen Landeshaupt-, Messe- und einzigen Stadt in Deutschland, die bisher jemals Schauplatz einer Weltausstellung war.

Grüne Großstadt

Die Weltausstellung hätten die Hannoveraner in einer Bürgerbefragung fast abgelehnt. Nach dem schönen Grundsatz des hannöverschen Adelsgeschlechts „Bleibermann von Wech“. Die Abstimmung gab es, weil die Grünen im Rathaus seit 1986 fast ununterbrochen mitregieren. Hannover hat mit der Eilenriede den größten Stadtwald Europas, die meisten Kleingärten in Deutschland, die Herrenhäuser Gärten und – das größte Schützenfest der Welt. Da wimmelt es von grünen Schützenröcken. Und in den Zelten wird dann reichlich Lüttje Lage getrunken. Auch typisch. Aber danach ist der Hannoveraner eher blau als grün ...

Sturheit

Dem typischen Hannoveraner wird eine gewisse Sturheit nachgesagt. Dazu folgender Witz: Ein Hannoveraner betritt mit seiner Frau ein Lokal. An jedem der zehn Tische sitzt ein Gast. Er sagt: „Komm, wir gehen woanders hin. Hier sind alle Tische besetzt.“ Komisch nur, dass schon 1950 einer Volkszählung zufolge 20 Prozent der Hannoveraner Neubürger waren, überwiegend Flüchtlinge. Singen wir also trotzig unser Heimatlied: „Die lustigen Hannoveraner sind alle beisammen.“ Der frühere Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg setzte noch einen drauf: „Wir Hannoveraner sind die Spanier des Nordens.“

Wahrzeichen

Leibniz-Keks, Messe, Conti- Reifen, Hannover 96 (dem Abstieg zum Trotz), das mit einer Kuppel bekrönte Rathaus – typische Markenzeichen für Hannover. Aber wer kennt noch die Hannoversche Architekturschule? Die von Altmeister Conrad Wilhelm Hase (1818–1902) begründete Backstein-Neugotik (Christuskirche, Künstlerhaus) bestimmte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das hiesige Stadtbild, strahlte weit ins übrige Deutschland und nach Europa aus, erreichte sogar Venedig. In seinem eigenen (im Krieg zerstörten) Wohnhaus an der heutigen Otto- Brenner-Straße, der „Hasenburg“, ließ er folgenden Spruch anbringen: „Ein jeder baut nach seiner Nase. Ich heiße Conrad Wilhelm Hase.“ Nach seiner Nase bauten Generationen von Architekten.

Noch mehr Lust auf typisch Hannöversches?

Zum Anlass des Jubiläums zeigt das Historische Museum vom 1. September 2016 bis 6. August 2017 die Ausstellung „Typisch Hannover!?“. Mit Gegenständen aus der Sammlung werden Themen wie die Großstadt im Grünen, die Straßenkunst, die Schützenstadt oder die Hannoversche Architekturschule abgehandelt. Besucher können ihre eigenen Vorstellungen darüber nennen, was sie für typisch hannöversch halten. Auch Gegenstände sowie Fotos etwa von Gebäuden oder Straßen können eingereicht werden. „Ein Teil wird Eingang in die Ausstellung finden“, kündigt Bildungs- und Kommunikationsreferent Jan-Willem Huntebrinker an.

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