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Neuer Sport oder bedenkliches Kriegsspiel? - Lasertag boomt

Familie Neuer Sport oder bedenkliches Kriegsspiel? - Lasertag boomt

In fast allen großen Städten gibt es mittlerweile Lasertag-Hallen. Auch bei Kindern ist das Spiel beliebt, bei dem es darum geht, seine Gegner mit Infrarotlicht zu treffen. Eltern sowie Pädagogen schwanken zwischen Gelassenheit und Entsetzen.

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Beim Lasertag soll der Gegner mit einem Infrarotstrahl am Oberkörper getroffen werden. Als Kulisse dient ein düsteres, oft vernebelten Spielfeld.

Quelle: Julian Stratenschulte

Hannover. Für die einen ist es eine neue Sportart, die anderen sehen es als jugendgefährdendes Killerspiel: Bundesweit eröffnen in Industriegebieten ständig neue Lasertag- oder Lasergame-Hallen.

Vor allem 10- bis 14-jährige Jungen zieht das aus den USA stammende Phänomen magisch an. Die Teilnehmer bekommen spezielle Westen sowie mehr oder weniger waffenähnliche "Phaser". Die Aufgabe besteht darin, auf einem düsteren, oft vernebelten Spielfeld die Gegner am Oberkörper zu treffen - mit ungefährlichem Infrarotlicht. Leuchtpunkte an den Westen signalisieren, wohin zu zielen ist. Es fliegen also keine Projektile durch die Luft.

Wie ist das gegenseitige Abschießen - die Lasertag-Betreiber sprechen von "Markieren" - zu bewerten? Die örtlichen Jugendämter, die für die Altersfreigabe zuständig sind, kommen in dieser Frage zu höchst unterschiedlichen Ergebnissen. In manchen Bundesländern sind die Lasergames überwiegend erst ab 16 Jahren erlaubt, andernorts spielen bereits Achtjährige. Eine bundeseinheitliche Regelung gibt es nicht.

Ein Ortsbesuch. Im "Lasertag Fun Center" in Hannover "taggen" an diesem Nachmittag die EDV-Abteilung des TÜV Nord gegen eine Geburtstagsgesellschaft von zwölfjährigen Zwillingen. Die Männer und Jungen warten an Tischen, bis das Startsignal fällt und sie die als Labyrinth gestaltete Halle betreten dürfen. Es gibt die brennende und die vereiste Welt und den Baum der Seelen. Ein Skelett sorgt für Geisterbahn-Atmosphäre. Betreiber Matthias Wiemann sagt: "Wir legen die alten Spiele "Räuber und Gendarm", "Cowboy und Indianer" und "Fangen" neu auf."

Aggressives Gebrüll gibt es in dieser Runde nicht. Die Zwölfjährigen laufen mit ernster Miene und "Phaser" im Anschlag durch die Gänge und suchen die "Arena-Ziele". Sie liefern 1000 Punkte, zehn Mal mehr als menschliche Ziele. Wer getroffen wird, verliert für vier Sekunden seine Energie. Nach 20 Minuten ist Schluss, draußen gilt der erste Blick den Bildschirmen mit den Ergebnislisten, dann wird der Schweiß von der Stirn gewischt. Die Mutter der Zwillinge zündet Kerzen auf dem Geburtstags-Kuchen an. "Wir gehen hier manchmal als Belohnung für eine gute Note hin", erzählt sie. "Die Jungs kann ich nicht mehr beglücken, wenn ich mit ihnen in den Zoo gehe."

Andere Eltern sehen das kritischer: Im Internet wird diskutiert, ob man einem Kind überhaupt die Teilnahme an einem Lasertag-Geburtstag erlauben sollte. Vor der Eröffnung einer Anlage in Osnabrück hatte die Erich-Maria-Remarque-Gesellschaft protestiert, Lasertag passe nicht zur Friedensstadt Osnabrück. Die Landesjugendämter von Bayern und Rheinland-Pfalz halten es für notwendig, das Spiel generell erst ab 16 Jahren zuzulassen, weil es aus ihrer Sicht um das "Abschießen menschlicher Gegner" geht und "bewaffnete Konflikte spielerisch nachvollzogen werden".

Ähnlich wie Ballerspiele am Computer schätzen Pädagogen Lasertag höchst unterschiedlich ein. Die Arbeitsgemeinschaft Kinder und Jugendschutz (AJS) in Nordrhein-Westfalen hat Kriterien zur differenzierten Beurteilung entwickelt. "Für mich sind es eindeutig neue Sportstätten", sagt AJS-Experte Matthias Felling. Eine pädagogische Auseinandersetzung sei dennoch notwendig.

Die AJS macht in einem Merkblatt Jugendämtern Vorschläge zur Alterseinstufung. Demnach können als Fantasy- oder Science-Fiction-Welten gestaltete Anlagen ab zwölf Jahren freigeben werden, Spielstätten mit waffenähnlichen Spielgeräten jedoch erst ab 16 Jahren. Wo es Nachbildungen von Kampfgebieten oder Panzer gibt, haben Minderjährige aus Sicht der Jugendschützer nichts zu suchen.

dpa

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