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Spagat zwischen Macho und Familienmensch

Familie Spagat zwischen Macho und Familienmensch

Sie sollen Zeit für die Kinder haben, die Hausarbeit teilen und dennoch Karriere machen. Männer müssen heute vielen Anforderungen genügen. Nicht alle schaffen das - und suchen Rat beim Männerbeauftragten.

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Männer haben oft Probleme mit den verfestigten Rollenklischees. Viele würden sich gern mehr um Haushalt und Kinder kümmern.

Quelle: Daniel Bockwoldt

Nürnberg. Wer bei Matthias Becker Rat sucht, braucht Geduld. Schon jetzt ist er bis weit in den Dezember ausgebucht. "Die Nachfrage ist riesig. Ich bin am Anfang regelrecht überrannt worden", bilanziert der Diplom-Sozialpädagoge gut sieben Monate nach seinem Amtsantritt.

Becker, der sein Büro im ersten Stock des Nürnberger Rathauses hat, ist seit 1. Mai 2016 der erste kommunale Männerbeauftragte Deutschlands - zuständig für Ratsuchende in der fränkischen Großstadt. Längst kommen aber auch Männer aus Düsseldorf, Passau und Essen zu dem 52-Jährigen.

10 bis 15 Beratungsgespräche führt der "Ansprechpartner für Männer" - so Beckers selbstgewählter Titel - pro Woche. Mehr lasse seine halbe Stelle nicht zu. Dass sich Männer aus allen Teilen der Republik ausgerechnet an ihn wenden und nicht etwa an die Gleichstellungsbeauftragte ihrer jeweiligen Stadt, hat nach Beckers Erfahrung vor allem einen Grund: "Männer wollen einen Mann als Ansprechpartner", berichtet er anlässlich des Internationalen Männertages an diesem Samstag (19. November).

Becker kann das gut verstehen. Dass Männer über ihre Probleme nicht redeten, hält er jedoch für einen weit verbreiteten Irrglauben: "Viele Männer lösen ihre Probleme in privaten Gesprächen" - teils auch deshalb, weil es bisher für sie kaum Beratungsangebote gebe. Wie groß der Bedarf sei, zeige ja seine Stelle. Becker hofft, dass es demnächst auch in anderen Städten Männerbeauftragtenstellen gibt. "Mehrere Kommunen haben von uns bereits einen Erfahrungsbericht angefordert".

Die Probleme, mit denen sich ratsuchende Männer dem Sozialpädagogen anvertrauen, sind vielfältig. "Ein Riesenthema sind Probleme nach Trennung und Scheidung - vor allem, wenn dann auch noch die Frage des Sorgerechts für Kinder dazukommt", berichtet er. Rat suche seine männliche Klientel oft auch in Sachen Elternzeit. Was viele Väter umtreibe, sei die Sorge, mit ihrem Wunsch nach einer beruflichen Auszeit bei Chefs auf Unverständnis zu stoßen. Andere Männer litten unter ihrer Vergangenheit - so suchten etwa auch missbrauchte frühere Domspatzen aus Regensburg bei Becker Hilfe.

Konfrontiert ist der Männerbeauftragten immer wieder mit den Rollenkonflikten, in den viele Männer stecken. "Manche würden gerne ganz aus ihrer Rolle als Haupternährer ausbrechen und sich mehr um Haushalt und Kinder kümmern. Sie wissen nur nicht, wie sie das anstellen sollen." Gelinge ihnen der Wechsel, dann stießen sie oft auf verfestigte Rollenklischees und Vorbehalte: "Ein Vater ist in einer Krabbelgruppe unter lauter Müttern ein Exot", beschreibt Becker die Probleme. Väter-Krabbelgruppen gebe es fast keine.

Vor einem schwierigen Spagat zwischen Wunsch und Wirklichkeit sieht auch Professor Carsten Wippermann von der Katholischen Stiftungsfachhochschule München heutzutage viele Männer. Nur wenige sähen sich heute noch - wie einst ihre Väter und Großväter - als "Oberhaupt und Autorität der Familie". Zumindest zu Beginn ihrer Partnerschaft träumten sie von "gleichgestellter Partnerschaft und Elternschaft", schreibt Wippermann in einer Studie für das Bundesfamilienministerium aus dem Jahr 2014.

Das ändert sich nach Wippermanns Untersuchung aber schlagartig beim ersten Kind oder dem vielversprechenden Karrieresprung des Mannes. "Diese Zäsuren führen dazu, dass die gleichgestellte Vision, die sie teilweise vorher schon realisiert hatten, schlagartig in ein traditionelles Rollenmodell kippt." Die Gründe dafür dürften nach Wippermann keineswegs nur bei den Männern gesucht werden, die in späteren Lebensphasen oft enttäuscht feststellen, dass sie von ihren Kindern "kaum etwas gehabt hätten".

In den "Rollen-Spagat" würden sie auch von der vorherrschenden Unternehmenskultur gedrängt: "Vor allem Männer müssen nach wie vor für ihren Arbeitgeber - in weit höherem Maße als noch vor zwei, drei Jahrzehnten - flexibel, mobil und jederzeit verfügbar sein." Verstärkt werde das klassische Männer-Rollenbild aber auch von manchen jungen Frauen: Viele von ihnen suchten - wie einst schon ihre Mütter und Großmütter - einen beruflich erfolgreichen Mann "mit ausgeprägtem Beschützerinstinkt", der genug Geld verdient, um eine Familie zu ernähren.

dpa

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