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Stadtpläne für Kinder: Wo geht's denn hier zum Spielplatz?

Kommunen Stadtpläne für Kinder: Wo geht's denn hier zum Spielplatz?

Gehört eine Unterführung zum Skaten in einen Stadtplan? Ja, sicher, meinen Kinder und bekommen in immer mehr Städten deshalb Stadtpläne für ihre ganz eigenen Interessen.

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In vielen deutschen Städten gehören Kinderstadtpläne mittlerweile zum Angebot.

Quelle: Holger Hollemann

Hannover. Die wesentliche Frage ist die nach dem Eis. Wo gibt es das nächste und wie gelangt man dahin? Während gewöhnliche Stadtpläne öffentliche Einrichtungen, Straßen und Parks auszeichnen, können Kinderstadtpläne sehr viel mehr. Sie zeigen Kindern, wo die Stadt etwas für sie zu bieten hat.

Und das nicht aus der Sicht von Erwachsenen, die beim Anblick eines Gebüschs sowieso nicht so schnell das ideale Versteck darin erkennen würden. Sondern aus Sicht von Experten, die es wissen müssen: Den Kindern selbst.

In vielen deutschen Städten gehören Kinderstadtpläne mittlerweile zum Angebot. 20 000 Stück verteilt etwa die Stadt Hannover jedes Jahr. Und oft hat jeder Stadtteil seinen eigenen Plan. "Kinder bewegen sich ja nicht quer durch die Stadt, sondern bleiben in der Nähe ihres Zuhauses", sagt Thomas Leidinger, Verkehrsplaner in Hannover.

"Erwachsene können sich viel weiter wegbegeben und zu schönen Orten oder Freunden fahren. Kinder sind auf die unmittelbare Umgebung angewiesen", sagt auch der Ludwigsburger Soziologe Peter Höfflin. Höfflin hat in einer Studie im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerks Wohngebiete auf die Spielmöglichkeiten für Kinder hin untersucht. "Gegen den demografischen Wandel können die Städte nur wenig tun. Die Stadtentwicklung können sie aber beeinflussen", sagt er. Und: Es gibt noch viel Potenzial.

Höfflin hält es deshalb für wichtig, Kinder in den Prozess der Stadtplanentwicklung einzubeziehen. So macht es auch die Stadt München, in der es die Pläne für Kinder 1991 mit als erstes gab. Zwei Jahre nehmen sich die Pädagogin Evelyn Knecht und ihr Team Zeit für den Plan. Mädchen und Jungen erkunden ihr Viertel, geben Rückmeldung und bewerten Angebote.

"Die Kinder dürfen ihr Wissen präsentieren und die Eltern sehen, wie die Kinder Sachen einschätzen", erklärt Knecht. In den Plänen sei dann auch schon mal eine Unterführung zum Skaten dabei. "Dann gibt es wilde Diskussionen, dass das ja nicht in so einen Plan gehöre", erzählt sie. "Aber wer meint, dass das nicht gut sei, muss den Kindern halt erstmal etwas anders bieten."

Mittlerweile hat sich um die Entwicklung von Kinderstadtplänen ein Markt entwickelt. Die Firma Kobra aus Süddeutschland etwa betreut eigentlich Bürgerbeteiligungsprojekte. 2001 hat sie damit begonnen, Stadtpläne zu entwerfen. 140 verschiedene gibt es heute.

Als nächstes wird es laut Höfflin darum gehen, die Idee zu digitalisieren. In vielen Städten sind die Pläne im Internet abrufbar. "Systematisch wird da jedoch momentan noch sehr wenig gemacht, aber das wird kommen", meint der Experte. Für ihn zahlt sich die Entwicklung der Kinderstadtpläne am Ende nicht nur für die Kinder selbst aus: "Ein attraktives Wohngebiet für Kinder ist auch attraktiv für alle anderen."

dpa

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