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Bewegung ist gut für Körper und Geist

Interview mit Lorenz Peiffer Bewegung ist gut für Körper und Geist

Warum ist Bewegung für die kindliche Entwicklung so wichtig? Julia Beatrice Fruhner sprach mit Lorenz Peiffer, Professor am Institut für Sportwissenschaft der Universität Hannover.

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Sportwissenschaftler Lorenz Peiffer

Quelle: Nancy Heusel

Können Eltern dem „Markenzeichen Bewegungskita“ vertrauen?

Das können sie. Es garantiert, dass die Erzieher speziell in Bewegungserziehung geschult sind und dass die richtigen Geräte vorhanden sind, um Bewegung optimal zu fördern. Darauf liegt der Fokus.

Bewegen sich Kinder weniger als früher?

Ja und nein. Auf der einen Seite sind noch nie so viele Kinder in Sportvereinen organisiert gewesen wie heute, andererseits gab es noch nie so viele Kinder mit Übergewicht, Haltungsschwächen und Koordinationsstörungen. Kinder bewegen sich heute anders, das hat vor allem mit veränderten Umweltbedingungen und verändertem Freizeitverhalten zu tun. Wo gibt es freie Spielflächen, auf denen Kinder ungestört spielen können?

Warum ist Bewegung für die kindliche Entwicklung so wichtig?

Bewegung kann nicht nur die körperliche Gesundheit fördern, sondern ebenso Teamfähigkeit, Fairness, Lern- und Gedächtnisprozesse. Es gibt Zusammenhänge zwischen geistiger und motorischer Entwicklung – darauf hat die Hirnforschung immer wieder hingewiesen. Bewegungsreize lösen Wachstumsreize für das Gehirn aus; zudem ist das Lernen von Bewegungssequenzen auch eine gute Übung, um Sprachen zu lernen und kreativ zu denken. Ähnliche Effekte kann das Musizieren auslösen. Für die Förderung der Bewegung ihrer Kinder haben Eltern übrigens eine wichtige Vorbildfunktion.

Reicht es zu klettern und zu schaukeln, oder muss es gleich der Sportverein sein?

Unter Bewegung sind grundlegende Tätigkeiten zu verstehen wie Klettern, Laufen, Springen, Drehen, Balancieren und vieles mehr. Kinder benötigen ein breites Angebot an Möglichkeiten, um unterschiedliche Bewegungen in unterschiedlichen Situationen auszuprobieren. Ein Beispiel: Die Fähigkeit zum Klettern wird nicht ausreichend entwickelt, wenn es nur in einer bestimmten Situation oder an einem bestimmten Gerät geübt wird. So wird zwar der Muskel- und Bewegungsapparat trainiert, die Koordinationsfähigkeit wird aber nur durch wechselnde Bedingungen entwickelt und ausgebildet. Sie ist wiederum eine Grundlage für die weitere kindliche Entwicklung.

Welche Folgen sind dann mit mangelnder Bewegung verbunden?

Nach neuen Untersuchungen leiden ein Drittel aller Sechsjährigen unter Muskel- und Haltungsschwächen, Wahrnehmungs- und Koordinationsstörungen, Übergewicht oder emotional-sozialen Störungen. Eine Studie an Schulanfängern in Sachsen-Anhalt ist jüngst zu dem Ergebnis gekommen, dass der Anteil der übergewichtigen Schulanfänger in den vorigen 17 Jahren von sieben auf 15 Prozent gestiegen ist. Das ist ein alarmierendes Ergebnis.

Welche Sportarten sind nicht gut?

Krafttraining an und mit Geräten sollte für Kinder absolut tabu sein! Der kindliche Bewegungsapparat ist noch im Wachstum begriffen und kann dadurch nachhaltig geschädigt werden.

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