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Hochschuldiplom für den Kindergarten?

Ausbildung der Erzieher Hochschuldiplom für den Kindergarten?

Wie wichtig ist eine akademische Ausbildung für Erzieher? Noch dominiert der Praxisbezug.

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Benötigen Erzieher nun ein Hochschuldiplom oder nicht? In der Diskussion um die Qualität frühkindlicher Förderung gerät auch die Ausbildung der Erzieher unter Beschuss – von vielen Seiten wird sie gar als unzureichend kritisiert. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) etwa beklagt die fehlende akademische Ausbildung deutscher Erzieher in Kindergärten. In allen europäischen Ländern müssen Erzieher ein Hochschulstudium absolvieren, während hierzulande (und in Österreich) für die Fachschulausbildung in der Regel ein Realschulabschluss oder ein erweiterter Hauptschulabschluss genügt. Der Notendurchschnitt für die Zulassung liegt laut OECD-Studie über die frühkindliche Bildung bei über 3,0.

In Hannover gibt es drei Fachschulen, die Erzieher ausbilden: die staatliche Berufsschule Alice-Salomon-Schule in Kleefeld sowie den Birkenhof und das Diakoniekolleg, die sich in evangelischer Trägerschaft befinden. Vier Jahre dauert die zweistufige Ausbildung; nach zwei Jahren sind die Schüler bei entsprechenden Noten Sozialassistent, nach weiteren zwei Jahren Erzieher.Die Ausbildung ist begehrt: Auf die 96 Plätze für angehende Sozialassistenten erhält die Salomon-Schule etwa 400 Bewerbungen, auf die 66 Plätze für Erzieher kommen 200 Bewerbungen.

Sigrid Rubbel-Göttsche, Studiendirektorin an der Salomon-Schule, wundert der Andrang nicht. „Wir sind stolz auf die Qualität unserer Ausbildung“, sagt sie und fügt auf die Frage nach der Notwendigkeit einer akademischen Ausbildung selbstbewusst hinzu: „Das ist alles eine Frage der Definition. Wir haben in Deutschland ein so gut ausgebautes Fachschulsystem – das würden andere europäische Länder als durchaus akademisch bezeichnen.“ Die Bewerber, sagt die Studienrätin, seien schon jetzt zu rund 20 Prozent Abiturienten. Zudem: Hinsichtlich der angeblich besseren Qualifikation in anderen Ländern werde oft Augenwischerei betrieben, so Rubbel-Göttsche. So seien in Großbritannien beispielsweise nur die Leitungen der Kitas akademisch gebildet, alles andere seien angelernte Kräfte.

Für Joachim Tiedemann vom Institut für Pädagogische Psychologie an der Leibniz Universität hätte eine akademische Ausbildung von Erziehern vor allem den Vorteil, dass mehr Menschen mit Abitur den Beruf wählen und dessen gesellschaftliches Ansehen steigen würde. „In Skandinavien wählen die Besten der jeweiligen Abiturjahrgänge pädagogische Berufe, bei uns ist es umgekehrt. Es gibt viele, die den Beruf aus Mangel an Alternativen ergreifen“, kritisiert Tiedemann. Während in den nordischen Ländern der Grundschullehrer höchstes Ansehen genieße, sei es in Deutschland der Oberstudienrat. „Es wäre ein Quantensprung, wenn es uns gelänge, die Gesellschaft zum Umdenken zu bewegen.“

Die Ausbildung in Deutschland variiert von Fachschule zu Fachschule. Allen gemein ist ein großer Praxisanteil: So gehen die Sozialassistenten der Salomon-Schule an zwei Wochentagen in eine Kita, drei lernen sie in der Schule; die Erzieher haben wechselnde Theorie- und Praxisblöcke. Insgesamt sind es 16 Wochen Praxisunterricht, zehn absolvieren die Schüler nach der schriftlichen Prüfung im persönlichen Profilbereich. Das kann Krabbelgruppe oder Kindergarten sein, Sonderpädagogik, Heimerziehung oder außerschulische Jugendarbeit.

In zwei Jahren werden im europäischen Qualifikationsrahmen zur besseren Vergleichbarkeit alle Berufe in acht Niveaustufen eingeteilt. Erzieher erhalten die Stufe sechs, den „Bachelor Professionel“. Rubbel-Göttsche wünscht sich dabei eine fünfjährige Erzieherausbildung, die es den Absolventen ermöglicht, danach einen Masterstudiengang zu belegen. „Schon jetzt studiert ein Drittel unserer Absolventen weiter, oft auf Lehramt“, sagt die Studiendirektorin. Die Öffnung in die Masterstudiengänge, hofft sie, unterstütze das lebenslange Lernen, das angesichts der Anforderungen für Erzieher unerlässlich sei.

Julia Pennigsdorf

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