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„Kindergärten sind keine Schulen“

Erziehungswissenschaftler Peter Cloos „Kindergärten sind keine Schulen“

Saskia Döhner sprach mit Peter Cloos, Professor an der Universität Hildesheim und Sprecher des Kompetenzzentrums „Frühe Kindheit Niedersachsen“, über die Rolle des Kindergartens in der frühkindlichen Bildung.

Wozu ist der Kindergarten da?

Er hat eine Dreifachfunktion, und zwar in puncto Bildung, Erziehung und Betreuung. Ein Kindergarten ist nicht nur für Kinder da, sondern auch für die Familie. Es ist ein Dienstleistungsangebot für Eltern. In diesem Zusammenhang wachsen auch die Ansprüche an flexiblere Betreuungszeiten. Im Mittelpunkt aber müssen die Kinder stehen. Kindergärten hatten schon immer einen Bildungsauftrag, wobei in Kindergarten und Schule jeweils etwas anders bei der Förderung von Bildungsprozessen vorgegangen wird. In Kindertageseinrichtungen geht es um ein projektbezogenes, spielorientiertes Lernen. Kinder sollen sich aktiv spielend mit der Welt ausein-andersetzen.

Was macht einen guten Kindergarten aus?

Es gibt keine wissenschaftliche Untersuchung, die empirisch belegt, welches pädagogische Kindergartenkonzept von Erfolg gekrönt ist und welches nicht. Der beste Kindergarten kann auch der um die Ecke sein. Denn kurze Distanz ist nicht nur für Kinder, sondern auch für die Erwachsenen wertvoll. In der Vielfalt der Angebote sollten sich Eltern vor allem auf ihr gutes Gefühl verlassen. Fühlt sich das Kind bei einem Schnuppertag wohl? Wie gut ist der Draht zu den Fachkräften? Werden die Eltern durch regelmäßige Entwicklungsgespräche eingebunden?

Nach der Pisa-Studie war viel von Leistung die Rede; das Lernen sollte so früh wie möglich anfangen. Wird der Druck im Kindergarten wohl möglich zu groß? Machen wir aus Kindern kleine Einsteins?

Einseitige kognitive Förderung beispielsweise in Mathematik nützt nichts. Der Erwerb von mathematischen Vorläuferfähigkeiten sollte in den Alltag des Kindergartens eingebunden sein und an den Fragen der Kinder ansetzen. Bei einer Stunde Englisch in der Woche bleibt wenig hängen. Sinnvoller ist es, wenn sich die Kleinen im Morgenkreis in den verschiedenen Sprachen begrüßen, die die Kinder zu Hause sprechen. Kindergärten sind keine Schulen, an denen fächer-orientiert gelehrt und gelernt wird. Kinder sollten ihre Bildungsprozesse selbst aktiv gestalten können.

Rund sechs Prozent der Eltern in Niedersachsen schicken ihre Kinder nicht in eine Kita. Verbauen sie ihnen die Zukunft?

Das wäre zu viel gesagt. Auf alle Fälle wirkt sich der Kindergartenbesuch positiv auf das weitere Leben aus. Das Lernen in der Gruppe, zum Beispiel beim Spracherwerb, ist gerade für Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund und aus sogenannten bildungsfernen Schichten wichtig. In einer Kita gibt es Angebote, die eine Familie nicht machen kann.

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