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Lernen, alleine zu leben
Mitten im Leben

Wohngemeinschaften Lernen, alleine zu leben

Die Diakonie Himmelsthür bietet Wohngemeinschaften für Menschen mit Behinderung – mitten in der List. David Kaiser lebt dort seit etwa zwei Jahren.

Sigrid Jahnel, Kundenmanagerin, und Jan-Niklas Lück, Wohnbereichsleiter bei der Diakonie Himmelsthür (rechts), besuchen David Kaiser in seiner WG-Küche.

 

Als seine Eltern schließlich ohne ihn nach Hause gefahren seien, sei das schon ein komisches Gefühl gewesen, erinnert sich David Kaiser. Aber schließlich habe er ja unbedingt zu Hause ausziehen wollen. Seit etwa zwei Jahren wohnt er mit drei anderen jungen Männern in einer WG der Diakonie Himmelsthür und fühlt sich sehr wohl: „Ich bereue es überhaupt nicht, dass ich jetzt hier bin. “ Das Angebot in der List ermöglicht jungen Menschen mit einer intellektuellen oder psychosozialen Beeinträchtigung, möglichst selbstständig zu wohnen und zu leben. Sechs Wohnungen verteilen sich in einem Umkreis von einem Kilometer in dem beliebten Stadtteil. Das Besondere: Die Bewohner leben in der eigenen Wohnung, und trotzdem sind rund um die Uhr Ansprechpartner in der Nähe. „Viele junge Menschen haben den Wunsch, zu Hause auszuziehen und allein zu wohnen“ , erklärt Sigrid Jahnel, Kundenmanagerin bei der Diakonie Himmelsthür. „Hier kann man das alleine Wohnen lernen, die ersten Schritte gehen. Die Menschen leben so selbstständig wie möglich, aber mit Netz und doppeltem Boden.“

Selbstständigkeit steht im Vordergrund

Zwischen 19 und 27 Jahre alt sind die jungen Männer und Frauen, die das Angebot in der List bisher nutzen. Generell richte sich das Wohnangebot an jüngere Menschen, erklärt Jahnel. Die wichtigste Voraussetzung sei aber die Bereitschaft zur Mitarbeit. „Hier muss man sich auch selbst um Dinge kümmern. Das ist oft anstrengend, aber es ist auch ein Stück Normalität.“

Im Gegenzug ermöglicht das Angebot den Bewohnern Selbstbestimmung. Jeder bekommt nur die Unterstützung, die er will und benötigt. Das kann von gelegentlichen Besuchen und Gesprächen bis zur Hilfe bei der Körperpflege reichen. Dabei stehe das Erlernen neuer Kompetenzen und eine zunehmende Selbstständigkeit immer im Vordergrund, erklärt Wohnbereichsleiter Jan-Niklas Lück und fügt lachend hinzu: „Theoretisch ist es unser Ziel, uns selbst arbeitslos zu machen. “

Einen Platz in der Gesellschaft finden

Dafür sollen sich die Bewohner und Bewohnerinnen nicht nur in der eigenen Wohnung zurechtfinden, sondern auch ihren Platz in der Gesellschaft und im Stadtteil einnehmen. In der List funktioniere das ziemlich gut, berichtet Lück. „Am Anfang wurden wir natürlich erst einmal von den Anwohnern beobachtet. “ Inzwischen seien sie in der Nachbarschaft aber voll akzeptiert.

David Kaiser ist großer Hannover-96-Fan.

Dabei geholfen habe auch der offene Treffpunkt an der Dahnstraße. Hier gebe es immer einen Ansprechpartner, es werde gemeinsam geplaudert, gekocht und gefeiert. Und immer öfter kämen interessierte Nachbarn und erkundigten sich über die Arbeit der Diakonie Himmelsthür, erzählt Lück. Durch den engen Kontakt zu Logopäden, Ärzten, den Lister Kaufleuten und der Kirchengemeinde sei ein gutes Netzwerk entstanden.

Darum würden sich Sigrid Jahnel und Jan-Niklas Lück in Zukunft auch über weitere Wohnungen im Stadtteil freuen. Angesichts des knappen Wohnraumes kein einfaches Ziel. Die ersten zwei Wohnungen in der List konnte die Diakonie Himmelsthür von der Evangelischen Kirche anmieten. Die weiteren Wohnungen und das Ladenlokal für den Treffpunkt hätten sie in erster Linie durch die guten Kontakte im Stadtteil und auch durch ein wenig Glück bekommen, erklärt Jahnel.

Genug Platz für Freunde

Davon profitiert nun auch David Kaiser, der sich in einem großen Zimmer in einer hellen Altbauwohnung einrichten durfte. Natürlich ganz in Schwarz, Weiß und Grün, wie es sich für einen Hannover-96-Fan gehört. Beim Probewohnen vor zwei Jahren haben ihn vor allem die vielen Freiheiten überzeugt: „Ich kann jederzeit Freunde einladen, auch mal woanders übernachten und Hannover kennenlernen. Ich bin froh, dass ich hier gelandet bin. “