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„Grenzen setzen“

Interview mit Kurt Brylla „Grenzen setzen“

Nina Lutz sprach mit Kinder- und Jugendtherapeut Kurt Brylla, Dozent am Winnicott-Institut in Hannover.

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Kurt Brylla, Kinder- und Jugendtherapeut, Dozent am Winnicott-Institut

Quelle: Anke Simons

Herr Brylla, für Jugendliche in der Pubertät gibt es wichtigere Dinge als die Schule. Was sollte eine Schule für junge Erwachsene leisten?

Jugendliche in diesem Alter stehen am Beginn einer entwicklungsbedingten Krise. Sie sind auf dem Weg ins Erwachsenenleben und brauchen deshalb aufmerksame und starke Lehrer, die Konflikte mit ihnen aushalten, ihnen aber auch Grenzen setzen. Diesen Konflikten darf eine Schule nicht ausweichen. Ein kumpelhaftes Anbiedern der Lehrer ist überhaupt nicht angebracht. Die Schule muss ihre Aufgabe ernst nehmen, junge Menschen ins Leben zu begleiten. Dabei geht es nicht nur darum, Wissen zu vermitteln – junge Erwachsene wollen eine Lebensperspektive entwickeln.

Was sind die häufigsten Probleme der Jugendlichen?

Im Vordergrund steht ein Autonomie-Abhängigkeitskonflikt. Auf der einen Seite wollen Jugendliche selbstständig sein, auf der anderen Seite bedauern sie, nicht mehr auf dem Schoß der Eltern sitzen zu können. Diesen Konflikt zu lösen macht anfällig, weil er das seelische Gleichgewicht stört. Hinzu kommen Selbstwertprobleme, die sich häufig im Rückzug oder übertriebener Selbstdarstellung äußern. Die Suche nach dem Sinn des Lebens, die Jugendliche beginnen, kann zum Teil sehr schmerzhaft sein. Auch Essstörungen oder geschlechtsspezifische Probleme kommen häufig vor in dieser Entwicklungsphase.

Welche Rolle spielen Clique und Freunde?

Die Gruppe der Gleichaltrigen ist eine der wichtigsten Bewältigungsstrategien für diese Lebenskrise. Die Suche nach Identität drückt sich häufig in den Jugendkulturen aus. Für die Entwicklung ist die Clique unentbehrlich. Jugendliche fühlen sich in ihr geschützt, hier können sie über alles reden. Jedoch kann das neue Zugehörigkeitsgefühl auch ins Gegenteil umschlagen, da Jugendliche sich einer neuen Autorität unterordnen. So kann ein neuer Druck entstehen, der sich kontraproduktiv auswirken kann. In dieser Phase ist es gut, wenn das Kind auch die Kraft hat, „Nein“ zu sagen.

Welchen Einfluss können Eltern in dieser Phase noch auf ihre Kinder nehmen?

Es herrscht oft Sprachlosigkeit zwischen den Generationen, weil es in Auseinandersetzungen zu Kränkungen kommt. Eltern fühlen sich als Bezugspersonen entwertet, die Jugendlichen plustern sich auf. Das Aufbegehren richtet sich nicht nur gegen die Eltern, sondern ist ein besonderer Ausdruck einer Krise. Auch wenn es Eltern manchmal schwerfällt, bizarren Äußerungen standzuhalten, sollten sie diese nicht zu persönlich nehmen und für ihr Kind da sein. Grenzen zu setzen ist jedoch wichtig: Wenn sich Eltern ständig beleidigen lassen, kann die Liebe schnell in Ablehnung umschlagen.

Welche konkreten Hilfen bietet das Winnicott-Institut an?

Uns liegt sehr viel an Präventionsarbeit. Wir wollen Eltern in ihrer Erziehungskompetenz stärken; einmal im Monat gibt es etwa die Vortragsreihe mit Erziehenden im Gespräch. Zu unserer Arbeit gehört auch die Beratung bei Trennungs- und Scheidungsprozessen. Die Nachfrage nach unseren Angeboten ist sehr hoch.

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