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„Nachhilfe aus Ehrgeiz“

Interview mit Dieter Dohmen „Nachhilfe aus Ehrgeiz“

Bärbel Hilbig sprach mit Dieter Dohmen, Direktor des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie, über den boomenden Nachhilfemarkt.

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Dieter Dohmen, Direktor Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie

Quelle: privat

Ihr Institut hat vor Kurzem in einer Untersuchung festgestellt, dass der Nachhilfemarkt boomt. Wie viele Schüler nehmen Nachhilfe?

Wir gehen bundesweit von gut einer Million Jugendlichen aus. Von der Gesamtgruppe der Schüler im 5. bis 13. Jahrgang geht etwa jeder Vierte zur Nachhilfe, in der Sekundarstufe I dürfte sogar es knapp ein Drittel sein.

Warum nehmen Schüler heute Nachhilfe?

Es gibt weiter das klassische Motiv, Schwächen in einem bestimmten Fach zu beheben oder gar ein drohendes Sitzenbleiben zu verhindern. Aber zunehmend geht es auch darum, eine besonders gute Position zu erlangen, vor dem Übergang in die weiterführende Schule, die Oberstufe und in Studium oder Ausbildung. Ein gutes Drittel nimmt Nachhilfe, obwohl die Schüler bereits ordentliche Noten von Drei plus und besser haben. Viele Schüler wollen ihre Lernstrategien verbessern.

Wer leistet sich Nachhilfe für seine Kinder, und was kostet das?

Eltern zahlen bei gewerblichen Anbietern rund 1500 Euro im Jahr, bei nicht gewerblichen eher 750 Euro. In Westdeutschland nehmen deutlich mehr Realschüler und Gymnasiasten Lernhilfe in Anspruch. Mit steigendem Einkommen und Bildungsniveau der Eltern steigt die Häufigkeit von Nachhilfe. Das hängt mit der Zusammensetzung der Schüler am Gymnasium zusammen: Sie kommen deutlich häufiger aus bildungsnahen Elternhäusern.

Verstärkt Nachhilfe also die Kluft zwischen Kindern mit guten und eher schlechten Bildungschancen?

Wenn Nachhilfe positive Effekte auf die Schulnoten hat, und dafür gibt es relativ deutliche Indizien, und wenn die Nachhilfenutzung von Einkommen und Bildung der Eltern abhängt, dann führt sie zu einem Auseinandergehen der Bildungsschere.

Müssten nicht die Schulen das bieten, was Schüler versuchen, privat nachzuholen?

Angesichts der Rahmenbedingungen an Schulen mit oft 30 Schülern in einer Klasse, kann man das nicht erwarten. Die Lehrer lernen in ihrer Ausbildung auch nicht, individualisiert auf die einzelnen Schüler einzugehen. Natürlich sollte eigentlich der Anspruch an die Schule gestellt werden, jedes Kind individuell zu fördern. Das würde bedeuten, dass die Schulen ganz anders ausgestattet sein müssten.

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