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Neuanfang in der 5. Klasse Eva Busch: „Es ist wichtig, den Kindern Mut zu machen“

Interview Eva Busch: „Es ist wichtig, den Kindern Mut zu machen“

Worauf sollten Eltern beim Wechsel in die weiterführende Schule achten? Bärbel Hilbig sprach mit der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Eva Busch vom Winnicott-Institut in Hannover.

Eva Busch, Kinderpsychologin, Psychologin für Kinder und Jugendliche am Winnicott-Institut

Quelle: Franz Fender

Der Wechsel auf eine weiterführende Schule ist ein großer Schritt. Wie können Eltern ihrem Kind Ängste nehmen und Lust auf das Neue machen?

Natürlich machen Kinder sich Sorgen, wie sie auf der neuen Schule mit den Leistungsanforderungen zurechtkommen, ob die Lehrer nett sind und ob sie selbst einen Platz in der neuen Klassengemeinschaft finden. Aber sie freuen sich auch, dass etwas Neues und Spannendes passiert. Sie sind bald nicht mehr die „kleinen Grundschüler“. In diesem Aufbruchgefühl können Eltern sie bestärken. Es ist wichtig, den Kindern Mut zu machen, ihnen zu sagen, dass man ihnen zutraut, die nächste Stufe hinaufzuklettern.

Ist es ratsam, dass Kinder gemeinsam mit Freunden die Schule wechseln?

Kinder wollen oft mit möglichst vielen Mitschülern aus der Grundschule zusammenbleiben. Sie denken, dass sie dann in der neuen Situation am besten geschützt sind. Es ist wichtig, das ernst zu nehmen. Aber dann sollten Eltern selbst darüber nachdenken, auf welcher Schule ihr Kind richtig ist.

Und das Kind? Sollte es mitentscheiden?

Eltern sollten ihre Kinder beruhigen und ihnen vermitteln, dass sie und die Lehrer die richtige Schule aussuchen. Kinder können sich nicht vorstellen, wie es an der neuen Schule ist, auch wenn sie am Tag der offenen Tür da waren. Sie haben aber leicht das Gefühl, die Verantwortung für die Entscheidung tragen zu müssen. Das macht ihnen großen Stress. Das ganze vierte Schuljahr ist sowieso meist sehr angespannt. Die Kinder bekommen oft den Eindruck, sie müssten eine Gymnasialempfehlung bekommen.

Wie können Eltern damit umgehen?

Es ist ganz wichtig, den Kindern klar zu machen, dass davon nicht das Leben abhängt. Das deutsche Schulsystem ist tatsächlich durchlässig. Haupt- und Realschulen sind auch gute Schulen, die Kinder mit einem ähnlichen Lernstand fördern. Manche Kinder fühlen sich bereits an der Grundschule fehl am Platz, weil die Mitschüler schneller lernen. Ihnen kann man sagen, dass sie jetzt auf eine Schule kommen, die gut zu ihnen passt.

Was raten Sie Eltern, die ihr Kind anders einschätzen als die Grundschullehrer?

Die Lehrer nehmen ihre Aufgabe bei der Beurteilung sehr ernst. Sie kennen das Kind seit fast vier Jahren. Eltern sollten sich das in Ruhe anhören und nachfragen, wenn sie selbst eine andere Meinung haben. Wenn die Empfehlung nicht mit den eigenen Vorstellungen übereinstimmt, sollte man sich überlegen, wie das eigene Kind auf erhöhte Anforderungen reagiert: Wird es angesport oder entmutigt? Wie geht es mit Enttäuschungen um? Das hängt stark vom Temperament ab. Wenn eine Schule ein Kind dauerhaft überfordert, hat das meist schlechte Folgen. Die höhere Schule ist nicht immer die bessere Schule für ein Kind.

Die Entscheidung, welche Schule zum eigenen Kind passt, ist aber auch für Eltern nicht gerade einfach.

Das will genau überlegt sein. Gesamtschulen mit oft sehr großem Angebot kommen Kindern entgegen, die sich ausprobieren wollen. Zurückhaltende Kinder fühlen sich vielleicht an einer kleineren Schule besser aufgehoben. Bei einem langen Schulweg kann ein Kind Freistunden nicht zu Hause verbringen. Ganztagsschulen bieten Hausaufgabenbetreuung. Aber ein Kind mit vielen Freizeitinteressen will womöglich mittags bereits zu Hause sein. Und dann stellt sich noch die Frage: Hat das Kind besondere Begabungen, die an der Schule gefördert werden?

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