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Ganztagsschulen Stark gefragt

Ganztagsschulen boomen in Niedersachsen – doch die Politiker sind uneins.

Ganztagsschulen werden immer beliebter. Ihre Zahl ist in Niedersachsen innerhalb der vergangenen fünf Jahre von 155 auf derzeit 670 gestiegen – damit ist etwa jede dritte Schule eine Ganztagsschule. Vorn im dreigliedrigen System liegen die Hauptschulen mit einem Ganztags-Anteil von 66 Prozent, gefolgt von den Realschulen und Gymnasien mit je 48 Prozent. Zwar haben an vielen Gymnasien auch die Schüler der Mittelstufe bis in den Nachmittag hinein Unterricht. Aber anders als bei „echten“ Ganztagsschulen müssen sie trotzdem nachmittags noch Hausaufgaben machen, und ein warmes Mittagessen wird meist auch nicht angeboten.

Dagegen sind fast alle Gesamtschulen gleichzeitig auch Ganztagsschulen. Während sich dort der Unterricht über den gesamten Tag verteilt und die Teilnahme der Schüler verbindlich ist, gibt es an den sogenannten offenen Ganztagschulen nachmittags Freizeitangebote wie Sportkurse oder Theater-Arbeitsgemeinschaften, an denen die Teilnahme freiwillig ist. Meist finden sie aber nur an drei Tagen in der Woche statt.

Das habe mit einer echten Ganztagsschule nicht viel zu tun, kritisieren SPD und Grüne im niedersächsischen Landtag, es sei nicht mehr als eine „Light-Version“. Die CDU/FDP-Regierung hält dagegen, dass es in Deutschland gar keine Tradition einer flächendeckenden Ganztagsschule gibt. Die Familien hätten sich weitgehend darauf eingestellt, dass die Schüler mittags nach Hause kommen. Und Jugendliche, denen die Schule ohnehin nicht besonders viel Spaß mache, würden auf eine Verlängerung der Unterrichtszeit mitunter skeptisch reagieren.

Diese Argumentation geht allerdings an der Tatsache vorbei, dass immer mehr Mütter wieder in den Beruf einsteigen wollen, wenn ihre Kinder älter sind. Und da nur Grundschüler einen Hort besuchen können, stellt sich spätestens in der Mittelstufe die Frage: Wer betreut die Kinder, wenn die Eltern noch bei der Arbeit sind?

In Ganztagsschulen muss es eine Mittagspause geben, das ist gesetzlich festgelegt. Die Kinder sollten zudem die Möglichkeit haben, eine warme Mahlzeit einzunehmen und sich auszuruhen. Wie lange die Mittagspause aber sein soll, steht jeder Schule frei. Kein Jugendlicher dürfe gezwungen werden, das in der Schule angebotene Essen zu verzehren, heißt es im Ministerium: „Die Aufnahme in eine Ganztagsschule kann nicht von der Bereitschaft zum Kauf des Mittagessens abhängig gemacht werden.“

Viele Ganztagsschulen machen mittlerweile aus der Finanznot eine Tugend und greifen bei den Nachmittagsangeboten auf die Hilfe von Sportvereinen oder Jugendorganisationen zurück. Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann setzt auf das Prinzip der Freiwilligkeit: Per Zwang könne der Ganztagsunterricht nicht verordnet werden, sagt die CDU-Politikerin.

Saskia Döhner

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