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„Wir haben eine geile Band“

Interview „Wir haben eine geile Band“

Zwei Gold- und eine Bronzemedaille: Die Dänen Morten Olsen und Casper Mortensen sowie der Deutsche Kai Häfner waren erfolgreich bei den Sommerspielen in Rio. Unsere Autoren Stephan Hartung und Simon Lange sprachen mit ihnen über den Olympiasieg, kaputte Tische im Dorf und den Start in die Bundesliga-Saison.

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Stolze Medaillengewinner Morten Olsen (von links), Kai Häfner und Casper Mortensen.

Quelle: Florian Petrow

Hannover. Kai Häfner, Sie haben in Rio „nur“ Bronze gewonnen. Sind Sie ein wenig neidisch auf ihre beiden Mannschaftskollegen?

Häfner: Ja, also ...

Olsen (lacht): Ich wäre auch zufrieden mit Bronze!

Sie können ja gerne tauschen ...

Olsen: Jetzt nicht mehr, aber vor dem Turnier hätten wir Bronze gern angenommen.

Häfner: Das Wort „nur“ ist da falsch gewählt. Neidisch bin ich auf gar keinen Fall. Ich gönne es den beiden, sie haben das Turnier verdient gewonnen. Ich bin sehr stolz darauf, Bronze zu haben. Es ist so eine schöne Sache, man kann es gar nicht in Worte fassen.

Können Sie das Erlebnis Olympiasieg schon wirklich begreifen?

Olsen: Das ist schwer. Das war ja Wahnsinn. Wir kamen nicht gut ins Turnier rein, hatten viele Probleme. Aber ab der Mitte des Turniers haben wir unseren Rhythmus gefunden, und ab dem Viertelfinale waren wir richtig gut.

Und dann haben Sie schließlich gemerkt, dass Ihr Team um die Medaille mitspielen kann?

Olsen: Wir hatten auch etwas Glück. Der Turnierverlauf war so, dass wir nicht vor dem Finale gegen Top-Favorit Frankreich spielen mussten. Und dann hatten wir im Endspiel nichts zu verlieren.

Häfner: Was Morten sagt, spiegelt es genau wider: Um einen Titel zu gewinnen, müssen alle Sachen passen. Klar, die Qualität muss da sein. Aber ganz oben ist die Luft so dünn, da braucht man auch etwas Glück. Bei der EM haben wir viele enge Spiele gewonnen, in Rio verlieren wir im Halbfinale eine Sekunde vor Schluss gegen Frankreich.

Gab es SMS-Kontakt zu den Recken in Hannover? Es haben sich doch sicher alle auf ein Endspiel Deutschland gegen Dänemark gefreut?

Mortensen: Natürlich war es schön zu hören, wenn die Leute in Hannover mitfiebern und hoffen, dass wir uns im Finale treffen. Wir hatten aber vollen Fokus auf jedes Spiel und haben uns darauf konzentriert, weil unser Ziel eine Medaille war. Aber natürlich muss am Ende viel passen. Und es ist einfach so: Wir hatten Glück, dass in der Gruppe Kroatien gegen Frankreich gewonnen hat, wodurch wir nicht schon im Halbfinale gegen Frankreich spielen mussten. Die haben dafür dann die Deutschen bekommen.

Olsen (schmunzelnd in Richtung Häfner): Tja, Pech für euch!

Also doch etwas Schadenfreude?

Olsen: Ganz ehrlich - wenn ich Deutscher wäre, dann hätte ich gesagt: Verdammt!

Haben Sie sich im Olympischen Dorf mal gesehen?

Häfner: Wir haben uns mal nach den Spielen gesehen und im Kabinentrakt gequatscht, außerdem in der Mensa. Und bei der Eröffnungsfeier sind wir uns begegnet. Und dann natürlich bei der Siegerehrung auf dem Treppchen.

Wie war das Leben im Dorf?

Mortensen: Die Wohnungen waren nicht so optimal. Ich habe am ersten Tag einen Tisch kaputt gemacht. Ich hatte mich nur leicht drauf gesetzt mit nicht so viel Gewicht und eine SMS geschrieben - da ist er schon zusammengebrochen. Ich lag aber nicht am Boden.

Haben Sie auch andere Sportarten angesehen?

Mortensen: Wir haben Basketball geschaut, uns von den Spielern aus den USA auch Autogramme geholt und Bilder gemacht. Wir haben uns deren Spiel gegen Frankreich angeguckt. Das war cool.

Olsen: Und beim Badminton-Finale von Dänemark waren wir auch. Die Arena war nur fünf Minuten entfernt und gut zu erreichen.

Häfner: Wir haben jeden zweiten Tag gespielt. Da war es nicht einfach, sich etwas anzuschauen. Das Leichtathletik-Stadion war fast eine Stunde entfernt, die Beachvolleyball-Arena auch. Beim Tennis waren wir in der Vorrunde mal. Und beim Wasserball. So hat man Wasserball auch mal gesehen ... (lacht). Ist aber nicht meine Sportart.

Wie kommt man als Olympiateilnehmer an eine Eintrittskarte?

Olsen: Wir mussten bei unseren Organisatoren nachfragen. Man konnte sich auch selber Karten kaufen. Andere Möglichkeit: Du läufst einfach rein!

Wie? Über die Eingangssperren rüberhüpfen?

Olsen: Wir hatten einmal nur drei Karten fürs Tischtennis-Turnier mit den Dänen. Dann haben wir die drei Karten beim Einlass einfach hingeschmissen und sind schnell reingelaufen. Am Ende waren wir mit zehn Leuten drin - hat geklappt. Das haben die Dänen in London und Peking auch so gemacht.

Wie war die Resonanz nach dem Olympiasieg in Dänemark?

Olsen: Das Finale haben 2,3 Millionen Menschen im TV gesehen - das war absoluter Rekord. Den Leuten bedeutet Handball sehr viel in unserer Heimat. Schade ist, dass wir nur 7000 Euro für den Olympiasieg bekommen, weil wir als Mannschaftssportler gelten. Die Individualsportler wie Schwimmer bekommen bei uns 15 000 Euro. Das macht überhaupt keinen Sinn, zumal sie mehrere Disziplinen haben und theoretisch mehrfach gewinnen können. Wir aber nur einmal.

Jetzt ist der Alltag zurück. Die Bundesliga startet. Hat sich was verändert?

Olsen: Es ist schwer, die Gedanken sind immer noch in Rio. Ich habe aber jetzt noch viel mehr Selbstvertrauen.

Mortensen: Ich freue mich auf die Saison und versuche, das positive Erlebnis von Rio mitzunehmen und in meine Mannschaft zu tragen.

Häfner: Was wir in Rio erreicht haben, hat man für immer. Das gibt Aufwind. Jetzt muss man den Schalter umlegen. Und natürlich ist es schön, wieder mit seinen eigenen Leuten zu spielen. Wir haben eine geile Band zusammen - mit viel Potenzial.

Wo landen die Recken am Ende der Saison?

Häfner: Das kann man nicht an einem Platz festmachen. So eine Saison ist sehr lang. Wir müssen uns aber vor den Mannschaften auf den vorderen Plätzen nicht verstecken. Vielleicht gibt es ja bald mal wieder weitere Fahrten ...

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