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Die Schulempfehlung Schulempfehlungen deuten

Echte Noten und falscher Ehrgeiz: Gute Freunde trennt die Schulempfehlung. Der Leistungsdruck beginnt spätestens in der 4. Klasse.

Die Spannung steigt vorm Schuljahrsende: Noch wissen viele Viertklässler in Niedersachsen nicht, welche weiterführende Schulart ihr Klassenlehrer vorschlagen wird, wenn für sie im Juli die Grundschulzeit endet. Ein neuer Lebensabschnitt steht bevor, und dafür bekommt nun jeder Schüler eine sogenannte Schullaufbahnempfehlung, in der sich der Klassenlehrer nach einem Gespräch mit den Eltern für eine weiterführende Schule ausspricht.

Doch ob Hauptschule, Realschule oder Gymnasium: Neben der schulischen Leistung in den einzelnen Fächern wird in der Empfehlung vor allem auch das Arbeits- und Sozialverhalten der Zehn- bis Elfjährigen berücksichtigt. Es wird allerdings nicht zensiert, sondern ausformuliert – ähnlich dem Berichtszeugnis der Erst- und Zweitklässler. Viele Grundschullehrer halten sich dabei an Standardformulierungen des Kultusministeriums, die für Eltern missverständlich sein können.

Wir haben eine Grundschullehrerin aus Bemerode um eine Übersetzungshilfe für eine Realschulempfehlung gebeten:

„Er arbeitet meist motiviert, interessiert, konzentriert und ergebnisorientiert mit.“

Das Wörtchen „meist“ ist entscheidend und bedeutet, dass das Arbeitsverhalten des Schülers im mittleren Bereich anzusiedeln ist. Besser wäre nur „besonders“, schlechter wären „häufig“, „gelegentlich“ und „kaum“. Meist zeigen gute Schüler auch ein gutes Arbeitsverhalten. „Es kann jedoch auch schlecht sein, obwohl der Schüler nur super Noten hat oder umgekehrt“, erklärt die Lehrerin. Meist sei Langeweile der Grund für das unmotivierte Arbeitsverhalten.

„Er fasst neue Sachverhalte inangemessener Zeit auf, behält Erlerntesund kann es gelegentlich in neue Zusammenhänge übertragen.“
Auch bei dieser Formulierung ist die Leistung im mittleren Bereich anzusiedeln. Super wäre „sehr schnell“ oder „über einen langen Zeitraum“, sehr schlecht „hat Schwierigkeiten aufzupassen“ oder „behält Erlerntes kaum“.

„Er führt Arbeiten bei mittlerer Zeitdauerbis zum Ende durch.“
Dies ist die zweitbeste Formulierung und bedeutet, dass ein Schüler sich hin und wieder mal von eine Aufgabe ablenken lässt. Volle Ausdauer beweist er, wenn er „längere Arbeiten bis zu Ende“ durchführt. Keine Ausdauer hat er hingegen, wenn er „große Schwierigkeiten hat, Arbeiten bis zu Ende durchzuführen“.

„Arbeitet im Team interessenabhängig mit.“
Teamfähigkeit ist sowohl für das Arbeits- als auch das Sozialverhalten wichtig. „Interessenabhängig“ bedeutet, dass sich ein Schüler nur engagiert, wenn ihn das Thema neugierig gemacht hat. Die beste Formulierung wäre „arbeitet engagiert im Team und kann sich auch zurücknehmen“, die schlechteste wäre „arbeitet im Team nicht mit (und stört)“.

„Das Sozialverhalten ist meist gut.“
„Das Sozialverhalten eines Schülers ist entscheidend für sie spätere Entwicklung“, sagt die Lehrerin aus Bemerode. Die Formulierung „meist gut“ ist steigerungsfähig: Besser wäre „besonders gut“, am schlechtesten „nicht gut“.

„Er ist manchmal hilfsbereit.“
Manchmal heißt nicht immer: Super wäre „sehr hilfsbereit und zeigt gute Umgangsformen“, am schlechtesten „ist nicht hilfsbereit und oft rücksichtslos“.

„Hält Regeln teilweise ein, verhält sichüberwiegend fair.“
Schüler, die sich nicht an Gebote halten und Verbote brechen, werden es in einer Klasse immer schwer haben. Die beste Bewertung ist „hält Regeln immer ein und verhält sich stets fair“, die schlechteste „hält Regeln selten ein und verhält sich oft unfair“.

von Nina Lutz

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