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Die unterschätzte Gefahr: Alkohol in der Schwangerschaft

Gesundheit Die unterschätzte Gefahr: Alkohol in der Schwangerschaft

Das Bewusstsein konnte zwar geschärft werden. Aber der Risikofaktor Alkohol in der Schwangerschaft wird immer noch unterschätzt - mit möglicherweise verheerenden Folgen für das Kind.

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Alkohol in der Schwangerschaft kann zu Kleinwuchs des Kindes führen. Auch seine Organe können geschädigt werden. Das Risiko wird von vielen noch immer unterschätzt.

Quelle: Felix Heyder

Berlin. Die zum Teil schwerwiegenden Folgen von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft sind nicht jedem bekannt. Fast jeder Fünfte denkt heute immer noch, dass ein Gläschen Bier oder Sekt in den neun Monaten vertretbar ist.

Erfreulicherweise sind die jüngeren Generationen vorsichtiger als die älteren. Das geht aus einer Umfrage im Auftrag der

 

Privaten Krankenversicherung (PKV) hervor. Die Zahlen lassen aufhorchen. Aufklärung durch Ärzte und Eltern tut daher not. Der "Tag des alkoholgeschädigten Kindes" am 9. September soll zur Aufklärung beitragen.

Wie viele Menschen in Deutschland sind betroffen?

In Deutschland kommen etwa 2000 Kinder im Jahr mit massiven Behinderungen zur Welt, weil die Mutter in der Schwangerschaft Alkohol getrunken hat. Nach Angaben der bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) gehen einige Fachleute sogar von 4000 Kindern aus, die mit dem sogenannten Fetalen Alkohol Syndrom (FAS), also dem Höchstmaß an Behinderung wegen Alkohol, zur Welt kommen. Geschätzte 10 000 weitere Kinder werden mit geringfügigeren Beeinträchtigungen - mit Fetalen Alkoholspektrumstörungen (FASD) - geboren. 500 000 bis 600 000 Erwachsene leben heute in Deutschland mit FASD, so eine zurückhaltende Prognose von Fachleuten.

Was geschieht mit Ungeborenen, wenn Mütter Alkohol trinken?

Der Alkohol gerät nach den Worten der Vorsitzenden des Vereins FASD Deutschland, Gisela Michalowski, ungefiltert über die Plazenta in den Blutkreislauf des Ungeborenen. Innerhalb weniger Sekunden hat der Fötus den gleichen Promillegehalt wie die Mutter. Das ungeborene Kind kann aber den Alkohol schlechter abbauen. Es braucht ungefähr zehnmal so lange wie die Mutter, um wieder nüchtern zu werden. Besonders groß sind die Auswirkungen während der ersten drei Monate, weil in dieser Zeit Organe und Gehirn besonders intensiv entwickelt werden.

Was können Folgen des Alkoholkonsums der Schwangeren sein?

Jedes zweite betroffene Baby ist später selbst suchtgefährdet. Außerdem kommen die Kinder häufig zu klein und zu leicht auf die Welt. Kleinwuchs kann die Folge sein. Möglich sind auch Erkrankungen der Organe wie Niere oder Herz. Zudem zeigen sich später geistige Behinderungen. Im Gesicht kann es zu Auffälligkeiten wie eine schmale Oberlippe oder kurze Lidspalten kommen. Die Beeinträchtigungen bleiben in der Regel ein Leben lang.

Weshalb ist das FASD so wenig bekannt?

Selbst Fachärzte wie Gynäkologen oder Kinderärzte, aber auch Hausärzte sind wenig sensibilisiert für das Thema. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Symptome nicht erkannt werden. Oft werden deshalb betroffene Menschen falsch behandelt. Aber auch bei den Eltern ist das Problem noch nicht richtig angekommen.

Wie sollte aufgeklärt werden?

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), und die FASD Deutschland fordern deutlich mehr Aufklärung in allen gesellschaftlichen Bereichen. So seien weitere Präventionskampagnen und Warnhinweise nötig, die deutlich sichtbar auf allen alkoholischen Getränken stehen. Die Aufklärung sollte auch so früh wie möglich ansetzen, zum Beispiel im Sexualunterricht der 3. Klasse, so die FASD Deutschland.

Wie sieht es mit der Versorgung von Menschen mit FASD aus?

Die Versorgung von Erwachsenen mit FASD sei in Deutschland katastrophal, kritisiert Michalowski. Sie verlangt, dass alle durch Alkohol in der Schwangerschaft verursachten Schäden als Behinderung anerkannt werden. Es sei für Menschen mit FASD wichtig, dass sie sich an Zentren wenden können, wo ihre Behinderung richtig diagnostiziert und therapiert werden kann. Zudem bräuchten sie Hilfe bei banalen Alltagsherausforderungen wie der Beantragung eines Schwerbehindertenausweises, fordert Michalowski. Familien benötigten professionelle Einrichtungen und Unterstützer, die Menschen mit FASD dauerhaft betreuen könnten.

dpa

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