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Schmerzexperte: Wenige Schmerzreize können Gehirn verändern

Gesundheit Schmerzexperte: Wenige Schmerzreize können Gehirn verändern

"Schmerz hat inzwischen den Charakter einer Volkskrankheit erreicht", sagt Prof. Thomas Tölle, Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft. Im Interview erklärt er, wie wichtig es ist, akute Schmerzen ernst zu nehmen und zu behandeln.

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Von Kopf bis Fuß: Schätzungen zufolge leiden bis zu zwölf Millionen Menschen in Deutschland an chronischen Schmerzen.

Quelle: Marijan Murat

Hamburg. Wie viele chronische Schmerzpatienten gibt es in Deutschland?

 

Tölle: Wir gehen von bis zu zwölf Millionen Menschen aus, die an chronischen Schmerzen leiden. Die Daten stammen aus verschiedenen Quellen, die immer wieder zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Die Patienten hangeln sich von Therapeut zu Therapeut und teilweise dauert es bis zu sieben Jahre, bevor sie erstmals eine interdisziplinär koordinierte Behandlung bekommen.

 

Was sind die häufigsten Schmerzen?

 

Tölle: Häufigste Ursache sind Erkrankungen des Bewegungsapparats, Kopfschmerzen und Nervenschmerzen, aber auch Schmerzen durch Tumoren oder Erkrankungen wie Rheuma.

 

Was ist in der Behandlung von Schmerzpatienten wichtig?

 

Tölle: Am wichtigsten erscheint mir, dass akuter Schmerz gleich von Anfang an ernst genommen wird, damit er nicht chronisch werden kann, insbesondere wenn der Patient psychische Risikofaktoren aufweist. Wir sind überrascht zu sehen, wie wenige und wie kurze Schmerzreize bereits die Struktur des Gehirns ändern können - und wie entscheidend es ist, ob jemand sagt, mit dem Schmerz kann ich nicht umgehen, "ich reagiere zunehmend empfindlicher und verzweifele". Das zeigen bereits Studien mit gesunden Probanden.

Steht der Schmerz erst einmal drei oder sechs Monate im Mittelpunkt der Belastung des Patienten, dann braucht dieser eine interdisziplinäre Behandlung, etwa durch Psychologen, Mediziner, Berufsgruppen der Pflege oder Physiotherapeuten. Dafür brauchen wir mehr Strukturen in Deutschland.

 

Die Bundesregierung hat kürzlich Auskunft zur Lage der chronischen Schmerzpatienten gegeben. Was läuft gut in Deutschland - und wo hapert es?

 

Tölle: Es gibt viele gute Ansätze, aber sie sind in einem Flickenteppich verstreut. Beispielsweise muss die Versorgung von Patienten mit akuten Schmerzen in Krankenhäusern noch besser werden. Wenn es sich um einen Patienten nach einer schweren Operation handelt, dann wird alles getan, um diesem Menschen die Schmerzen zu nehmen. Handelt es sich aber um Standard-Eingriffe wie eine Mandel- oder eine Leistenoperation, dann fehlt oft ein verpflichtendes Behandlungsschema und Patienten leiden unnötig.

Auch in der Versorgung chronischer Schmerzpatienten ist nicht alles gut, was geht. Es wäre sinnvoll, ein Deutsches Schmerzregister aufzubauen, um besonders gute Behandlungsstrategien zu erfassen und die Qualität zu verbessern. Die Menschen brauchen mehr Transparenz, welche Angebote es zur Behandlung bei chronischen Schmerzen gibt.

dpa

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