Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Treuer Begleiter auf vier Pfoten
Gesund älter werden

Der richtige Hund für Senioren Treuer Begleiter auf vier Pfoten

Einen eigenen Hund anschaffen oder lieber ein Patentier? Was Senioren berücksichtigen sollten. Sigburg Cornelius macht es vor.

Voriger Artikel
Senioren kommen täglich am besten auf 7000 Schritte

„Man trifft hier beim Tierheim mit der Zeit immer wieder die gleichen Leute“, sagt Sigburg Cornelius. Sie hat sogar ihren Freund Wolfgang Otto beim Gassigehen am Tierheim kennengelernt. Er macht das seit 2007.

Quelle: Daniel Junker

Hannover. Balou ist Sigburg Cornelius ans Herz gewachsen. Seit Anfang des Jahres geht die Seniorin regelmäßig mit dem Schäferhund, der die meiste Zeit seines Lebens angekettet verbracht hat, spazieren. Und auch mit den beiden Terrier-Mischlingen Betty und Winnie aus dem Tierheim Hannover ist die 71-Jährige unterwegs. „Das sind Geschwister, zwei Fundtiere, die nur gemeinsam vermittelt werden können“, erklärt die Seniorin. Beide haben zotteliges Fell und sind „einfach superniedlich“. Bereits mehrere Jahre hat sich Sigburg Cornelius um Lucky Luke gekümmert, einen altdeutschen Schäferhund, der in der Krankenstation gelebt hat. „Der Hund war 13 Jahre lang an einer Kette auf einem Schrottplatz angebunden und sehr krank, als er hierherkam“, erklärt die 71-Jährige. Der Hund sei richtig aufgeblüht, fühlte sich wohl, wenn er raus durfte und freue sich, wenn sie komme, schildert Cornelius. Leider musste Lucky Luke im vergangenen Jahr eingeschläfert werden.

Tiere verbinden

Nach ihrem aktiven Berufsleben hat die Seniorin nun viel Zeit. So geht es auch anderen, viele Rentner interessieren sich für einen Hund. Diese Entscheidung will aber gut überlegt sein. Da Sigburg Cornelius in einer Wohnung im zweiten Stock lebt, kann sie keinen Hund aufnehmen. Das ginge vielleicht mit einem sehr kleinen Vierbeiner - aber sie mag am liebsten Schäferhunde. „Es ist unglaublich, wie viel Vertrauen Tiere aufbauen können - trotz der schlechten Erfahrungen, die sie gemacht haben. Und wie viel Lebensfreude sie einem schenken können“, sagt die Seniorin. „Das ist eine Anregung für alle Rentner, ich kann jedem nur ein Tierheim empfehlen“, betont die Tierfreundin. „Man tut sich selbst einen großen Gefallen und den Tieren auch“, erklärt sie. Sigburg Cornelius genießt neben den Spaziergängen mit dem Hund auch das Treffen mit Gleichgesinnten.

Der soziale Aspekt sei sehr wichtig, bestätigt Katja Marnetté, Sprecherin des Tierschutzvereins Hannover: „Viele ältere Menschen verabreden sich im Tierheim und gehen dann gemeinsam mit den Hunden Gassi oder klönen nach dem Spaziergang.“ Ehrenamtliche sollten Zeit und Liebe mitbringen, weil man nicht wisse, wie lange die Verweildauer der einzelnen Tiere sei. „Für uns ist das unheimlich hilfreich, und es ist auch sehr wichtig für die Tiere“, erklärt die Sprecherin. Denn die Zeit der Pfleger sei eingeschränkt, das Hauptaugenmerk liege darauf, die Unterkünfte sauber zu halten und sich um die Gesundheit der Tiere zu kümmern.

Der „richtige“ Hund

Wer sich im Rentenalter einen Hund anschaffen möchte, sollte nicht nach dem Aussehen, sondern nach den Eigenschaften des Vierbeiners gehen. „Man muss die Rasse im Blick haben und den eigenen Lebensrhythmus beachten“, rät Udo Kopernik, Sprecher des Verbands für das Deutsche Hundewesen (VDH). Hunde, die sehr viel Auslauf brauchen, seien für Senioren nicht unbedingt geeignet - denn die körperliche Leistungsfähigkeit lässt im Alter nach. Auch Hunde mit Jagdleidenschaft seien nur schwer in den Griff zu bekommen. Sie hätten „Allrad-Antrieb“ und würden extrem an der Leine ziehen, weiß der Züchter. „Solche Aufregungen sollte man sich im Alter nicht mehr antun, es gibt ja rund 340 verschiedene Rassen“, sagt Kopernik. Er empfiehlt kleinere und ruhigere Hunde, die nicht zu bewegungshungrig sind.

Senioren, die sich einen Welpen wünschen, sollten einen seriösen Züchter aufsuchen und sich beraten lassen. Wer einen erwachsenen Hund sucht, kann sich an das Tierheim wenden. Hundebesitzer sollten auch sicherstellen, dass sich im Krankheitsfall jemand um das Tier kümmert. Berücksichtigt werden müssen zudem die Kosten für Futter, Arztbesuche und Impfungen, Hundesteuer sowie Hundehalter-Haftpflicht. Auch für den Fall einer nötigen Operation sollte eine finanzielle Rücklage vorhanden sein. Und wer sich doch nicht für eine Hundehaltung in Vollzeit entscheiden will, kann mit einem Hund aus dem Tierheim spazieren gehen - wie Sigburg Cornelius mit Balou, Betty und Winnie.

Martina Steffen

Voriger Artikel