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Erziehungsberatung in Kitas Mit geschultem Blick

Region Hannover bietet Erziehungsberatung in Kitas an. Sonja Walkling ist in Sehnde zuständig.

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„Je später, desto besser“

Sonja Walkling ist als Beraterin für Eltern und Erzieher in den Kindertagesstätten in Sehnde da. Das Angebot ist kostenlos.

Quelle: Peter Steffen

Hannover. Machen wir alles richtig?“, „Warum weint mein Kind so viel?“, „Wieso hält sich mein Sohn nicht an Regeln und Grenzen?“ Diese Fragen hört Sonja Walkling oft. Die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin ist als Beraterin für die Sehnder Kitas zuständig. Dort bietet die Region Hannover seit Anfang des Jahres eine kostenlose Beratung für Eltern und Erzieher an. Diese Beratung ist Teil eines multiprofessionellen Konzepts, das regelmäßige Besuche einer Ärztin des Teams Sozialpädiatrie und Jugendmedizin und individuelle Sprachförderung umfasst.

Seit 2015 wird das Konzept auf immer mehr Kindertagesstätten im Umland von Hannover ausgeweitet. Zurzeit sind an insgesamt 34 Kindertagesstätten in der Region alle zwei Wochen in einem separaten Raum entweder eine Kinderärztin oder eine Beraterin vor Ort. „In der Regel gibt es in jeder Kommune vier Einrichtungen, an denen wir die Erziehungsberatung anbieten“, sagt Matthias Möller, Gesamtleiter der Familien- und Erziehungsberatungsstellen. Insgesamt arbeiten 15 Beraterinnen und neun Schulärztinnen des Fachbereichs Jugend in den Kindertagesstätten.

Experten der Region beraten vor allem in den Kitas, in denen es einen hohen Beratungsbedarf gibt. Dies sei zumeist in Gebieten mit einem hohen Migrationsanteil und geringen Bildungsniveau der Fall, erklärt Möller. Für fremdsprachige Eltern stehen bei den Beratungen Dolmetscher zur Verfügung. „Mit dem Angebot wollen wir Eltern und Kinder frühzeitig erreichen“, sagt Möller. Denn würden Entwicklungsstörungen bei Kindern frühzeitig erkannt, verbessere dies die Chancen auf eine optimale Persönlichkeitsentwicklung und einen guten Bildungsverlauf.

„Die Eltern kommen aus unterschiedlichsten Gründen zu mir“, berichtet Sonja Walkling. Einige nähmen ihre Beratung wegen Kleinigkeiten wie Fingernägelkauen in Anspruch oder einfach, um zu erfahren, ob mit ihrem Kind alles okay sei. Andere wegen einer Vermutung auf Hochbegabung oder wegen tiefer greifenden Problemen wie überdurchschnittlicher Aggressivität. „Manche Eltern kommen auf Empfehlung einer Erzieherin in die Beratung, andere aus eigenen Stücken. „Viele Eltern sind auch verunsichert wegen der großen Zahl von Erziehungsratgebern und wissen nicht, was sie glauben sollen.“

Um zu erkennen, ob die Entwicklung eines Kindes optimal ist, werden die Erzieher der Kitas dafür geschult, spezielle Beobachtungsbögen auszufüllen. In diesen müssen sie verschiedene Aspekte zu Haltung und Bewegung, Motorik, Sprache sowie zu der kognitiven, sozialen und emotionalen Entwicklung der Kinder bewerten. Für ein vier Jahre altes Kind müssen sie unter anderem angeben, ob es mit einem Schlüssel öffnen und schließen, sich kleine Geschichten merken, Grenzen akzeptieren und seine Emotionen regulieren kann.

Wenn die Eltern damit einverstanden sind, können die Erziehungsberater der Region in der Kitagruppe hospitieren, um das Verhalten eines Kindes zu beobachten.

„Ein geschulter Blick der Erzieherinnen bietet Eltern und Kindern die Chance, Entwicklungsauffälligkeiten so früh wie möglich zu erkennen und entsprechend zu intervenieren“, sagt Sonja Walkling. Denn bis zu einem bestimmten Alter sollten verschiedene grundlegende Fähigkeiten erworben worden sein. Sei dies nicht der Fall, sei ein Entwicklungsrückstand sehr wahrscheinlich.

Im Vordergrund stehe bei den Beratungen immer die Frage, was man tun könne, um das betreffende Kind zu fördern und zu unterstützen. Dabei werden den Eltern bei Bedarf auch Erziehungstipps gegeben, etwa dazu, wie sie Grenzen setzen, ihre Kinder belohnen oder mit ihnen etwas unternehmen können. Gegebenenfalls können die Beraterinnen auch Therapieplätze oder eine Sprachförderung vermitteln.

Oft reiche es jedoch auch schon aus, Eltern Zusammenhänge zu erklären - etwa, dass die Angst vor Gewitter in einem gewissen Alter völlig normal sei, erklärt Sonja Walkling. Auch die pädagogischen Fachkräfte der Kindertagesstätten können die Beratungssprechstunden nutzen. „Sie wollen zum Beispiel oft wissen, wie sie mit aggressiven Kindern umgehen oder Kinder besser in die Gruppe integrieren können.“ Das Angebot ist sowohl für die Eltern als auch für die Erzieher kostenlos und gilt auch für die Geschwister der Kindergartenkinder bis zu einem Alter von 21 Jahren. Aber auch Pflegeeltern und Großeltern können die Erziehungsberatung in Anspruch nehmen.

Um die Hemmschwelle für Anfragen zu senken, können Eltern bei der Erstberatung auch anonym bleiben. Alles, was bei der Beratung gesprochen wird, unterliegt zudem der Schweigepflicht.

Eltern und Erzieher, die das Angebot nutzen wollen, können sich anonym mit einem Kreuz in einer Liste eintragen und sich so einen Termin reservieren.

„Insgesamt wird die Erziehungsberatung sehr gut angenommen“, sagt Matthias Möller. Um darauf aufmerksam zu machen, stellen sich die Erziehungsberater regelmäßig bei Elternabenden in den Kitas und während der Abholzeit im Kindergarten bei den Eltern vor. „So hoffen wir, noch mehr Eltern zu erreichen und sie für die Bedürfnisse ihrer Kinder zu sensibilisieren“, sagt Möller.

Ansprechpartner für das Kita-Konzept der Region Hannover sind Dr. Andrea Wünsch, E-Mail: andrea.wuensch@region-hannover.de, und Matthias Möller, E-Mail: matthias.moeller@region-hannover.de.

Stephanie Zerm

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