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Gesund wohnen

Interview Hygiene ohne Hysterie

Die klassischen Putzmittel sorgen für ein ausreichendes Maß an Sauberkeit.

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Helfer für mehr Wohlbefinden

Immer bei Laune bleiben: Auch der im Frühling angesagte Hausputz macht Freude, wenn man ein paar Tipps beherzigt.

Quelle: iStockphoto.com/andresr

Hannover. Wenn die Frühlingssonne jedes Zimmer mit Licht durchflutet, sind sie nicht mehr zu übersehen: Wollmäuse, Staubflusen und Schlieren. Grund genug, die Wohnung mal so richtig auf Vordermann zu bringen. Doch wie geht man am besten vor, wie wird’s richtig sauber, und - vor allem - wie geht’s am schnellsten? Brigitte Ahrens, Beraterin der Verbraucherzentrale Hannover, gibt Tipps.

Frau Ahrens, mit den ersten Sonnenstrahlen kommt alles ans Licht, und schon juckt es uns in den Fingern. Aber ist so ein Frühlingsputz überhaupt noch zeitgemäß?

Traditionell wurde der Haushalt früher vor Ostern auf den Kopf gestellt. Die Heizperiode - damals wurde ja noch mit Kohle angefeuert - war vorbei und die Zeit für einen Frühjahrsputz da. Heute erinnert uns die Sonne, die ja im Frühling noch recht tief steht, daran, dass es Zeit wird, in den eigenen vier Wänden klar Schiff zu machen.

Zum Auftakt der Frühjahrsputzaktion könnte man also schon mal einen Rundgang durch die Räume machen und schauen, ob man zu klein gewordene Sachen zusammenpackt, abgelaufene Lebensmittel aussortiert oder den Zeitungsstapel ins Altpapier bringt?

Genau genommen könnte man diese Aufgaben schon in einen Jahresputzplan aufnehmen. Dennoch macht es Sinn, sich im Frühjahr beispielsweise den Schränken zu widmen. Ob Kleider oder Vorräte - Motten und Materialschädlinge werden aktiv, sobald es heller und wärmer wird. Der Vorratsschrank sollte jetzt gründlich nach Gespinsten abgesucht und mit Essigreiniger ausgewischt werden. Sinnvoll ist außerdem, Müsli-, Mehl- und Nusstüten nach Schädlingen abzusuchen. Im Kleiderschrank kann bei einer Reinigung gleich Bekleidung ausrangiert werden.

Macht es Sinn, sich für den Frühjahrsputz einen Tag frei zu halten - oder lässt sich das „bisschen Haushalt“ nebenbei erledigen? Und wie geht man systematisch vor, damit man mit der Wohnung schnell fertig wird und trotzdem ein sauberes Ergebnis erzielt?

Ich empfehle immer, eine Liste zu machen, in der man festhält, was man das ganze Jahr über tun kann, damit es immer halbwegs ordentlich aussieht.

Früher haben die Menschen einen Haushaltstag eingelegt, um die Wohnung auf Vordermann zu bringen. Tatsächlich ist so ein Großputz nicht zu unterschätzen. Während man die Urlaubstage besser zur Erholung nutzt, könnte man den Frühjahrsputz zu einem Familienevent machen, und jeder packt mit an. Mit Musik geht alles ein bisschen leichter von der Hand und aus dem Fensterputzen lässt sich ein Work-out machen.

Welche Putzutensilien machen Sinn, welche sind überflüssig?

Hier gilt die Regel: Weniger ist mehr. Mit Geschirrspülmittel, einem Haushaltsreiniger und Zitronensäure ist man beim Hausputz eigentlich bestens ausgestattet. Dazu empfehle ich Mikrofasertücher. Die helfen, Putzmittel einzusparen, und nehmen den Schmutz gut auf. Auf chlorhaltige Sanitär- und WC-Reiniger mit anorganischen Säuren sollte man dem Umweltschutz zuliebe verzichten.

Fangen wir mal in der Küche an. Gibt es beispielsweise beim Reinigen des Kühlschranks wichtige Punkte zu beachten?

Jetzt können die letzten kalten Tage genutzt werden, um den Kühlschrank abzutauen und die Lebensmittel auf dem Balkon oder der Terrasse zwischenzulagern. Das Innere, aber auch die Gemüseschalen lassen sich prima mit einer Seifenlösung reinigen. Putzmittel mit antibakterieller Wirkung sind nicht notwendig. Und zum Entkalken von Kaffeemaschine und Wasserkocher genügt Zitronensäure.

Schlaf- und Wohnzimmer werden beim Putzen ja oft etwas vernachlässigt. Morgens durchlüften, Betten machen, die Kissen auf der Couch gerade rücken und schnell durchsaugen. Macht es Sinn, die Reinigung von Polstermöbeln oder Betten in professionelle Hände zu geben?

Nein. Selbst wenn das Sofa einen abnehmbaren Bezug hat, ist eine Reinigung nur bedingt zu empfehlen. Oftmals sind die Stoffe anschließend lichtempfindlicher, und Flecken, die vorher nicht zu erkennen waren, werden nach der Reinigung sichtbar. Deshalb den Bezug dann und wann einfach mal absaugen oder mit einem nebelfeuchten Tuch abwischen.

Beim Bettenmachen darf man ruhig ein bisschen nachlässiger sein. Ruhig mal Luft an Decke und Matratze lassen und auf die Tagesdecke verzichten. Allergiker sollten ihre Matratze regelmäßig absaugen.

Ein kleiner Tipp am Rande: Die Fußleisten werden oftmals vernachlässigt. Doch in dem Staub und Dreck, der sich dahinter ebenso wie in den Parkettritzen ansammelt, tummelt sich gerade im Frühjahr gern der Speckkäfer. Seine Larven fressen sich später durch Lebensmittel, Wollstoffe, Leder und Felle.

Und das Bad? Wie lassen sich beispielsweise Schimmelflecken entfernen, die sich nach dem Winter häufiger mal bilden?

Hier ist Vorsorge angesagt. Stoßlüften nach dem Duschen oder Baden sorgt dafür, dass die Feuchtigkeit verschwindet. Sollten sich in den Fugen dennoch Stock- flecken gebildet haben, auf gar keinen Fall zu chlorhaltigen Mitteln greifen. Denn die sorgen für ein saures Milieu, in dem sich der Schimmel weiter ausbreitet - hier besser Alternativen wie Wasserstoffperoxid, Isopropylalkohol oder Brennspiritus nutzen.

Kann man eigentlich auch zu viel putzen?

Natürlich kann man es im Haushalt mit der Sauberkeit übertreiben. So ist es beispielsweise unnötig, auf antibakterielle Reinigungsmittel zuzugreifen. Sie propagieren klinische Sauberkeit und wollen Bakterien den Kampf ansagen. Doch je öfter diese Mittel eingesetzt werden, desto eher entwickeln Bakterien Resistenzen. Ausnahme: Es leben kranke Menschen im Haushalt. Viel wichtiger ist es, Abwaschlappen, Schwamm und Handtuch regelmäßig auszutauschen und bei hoher Temperatur, am besten mit Vollwaschmittel, zu waschen.

Interview: Tanja Piepho

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