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Auch die leisen Töne wahrnehmen
Gut hören

Gut Hören Auch die leisen Töne wahrnehmen

Vorsorge hilft, das Hörvermögen bis ins hohe Alter zu erhalten

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Das Ohr zur Welt

Im Deutschen Hörzentrum der MHH werden Ohren gründlich untersucht.

Quelle: MHH

Hannover. Opa! Ich will dir was sagen!“ Der neunjährige Enkel baut sich vor Großvater auf, hebt den Zeigefinger in die Höhe - und fängt an zu erzählen und zu erzählen. Nur schade, dass Opa kaum die Hälfte davon versteht. Denn Opa hört schwer, wie knapp 17 Millionen andere Deutsche.

Der Grund ist nicht Discolärm oder ein lauter Arbeitsplatz, sondern das Alter, die häufigste Ursache nachlassenden Hörvermögens. „Üblicherweise setzt der Prozess, den wir Altersschwerhörigkeit nennen, allmählich ab dem 30. Lebensjahr ein“, sagt Prof. Hans-Jürgen Welkoborsky, Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde der HNO-Klinik des Nordstadtkrankenhauses. „Zunächst sind nur die hohen Töne betroffen, dann auch die mittleren Frequenzen.“

Prof. Hans-Jürgen Welkoborsky, Facharzt für Hals- Nasen-Ohren-Heilkunde, zeigt, wie ein Ohr aufgebaut ist.

Prof. Hans-Jürgen Welkoborsky, Facharzt für Hals- Nasen-Ohren-Heilkunde, zeigt, wie ein Ohr aufgebaut ist.

Quelle: Christian Behrens

Es ist eine Entwicklung ohne Umkehr, die man selbst nur bedingt beeinflussen kann. Vielen bereitet sie auch keine Probleme: Sie können noch im hohen Alter gut hören. „Aber es liegt in unserer Hand, ob wir diesen Prozess durch Unachtsamkeit und Ignoranz selbst beschleunigen“, sagt sein Fachkollege Prof. Thomas Lenarz, Direktor der HNO-Klinik und des Deutschen HörZentrums der Medizinischen Hochschule Hannover. Denn dass der Mensch hören kann, verdankt er einer ausgefeilten Mechanik im Inneren seines Ohres: leistungsfähig, hochsensibel, aber wie jede Mechanik ein Verschleißobjekt.

Wunderding Gehör

Stimmen und Geräusche werden vom Außenohr aufgefangen und ins Innere geleitet. Dort im Mittelohr liegt das Trommelfell, das vom Schall angeregt wird und seine Schwingungen auf eine Kette dahinter liegender Knöchelchen überträgt. Der letzte von ihnen, der sogenannte Steigbügel, leitet die Schwingungen weiter in das mit Flüssigkeit gefüllte Innenohr.

„Eigentlich können Menschen unter Wasser nicht hören, weil der Schall von der Wasseroberfläche reflektiert wird“, erklärt Lenarz. Durch Trommelfell und Steigbügel aber wird die Kraft der Schallwellen so stark konzentriert, dass auch die schwerfällige Innenohrflüssigkeit in Bewegung gerät. Noch allerdings ist das Geräusch nicht bei uns angekommen.

Das passiert jetzt: Im schneckenförmigen Gang des Innenohres sind rund 3000 Saiten gespannt: kurze Saiten für hohe Töne, lange Saiten für tiefe Töne. Auf diesen Saiten sitzen die Hörsinneszellen mit ihren Härchen: Sie werden vom Schall verbogen und wandeln ihn in elektrische Impulse um. Diese Impulse regen die Nerven bis ins Gehirn hinein an: Wir können den Ton hören.

„Leider sind die Hörsinneszellen mit ihren Härchen empfindlich“, sagt Lenarz. Denn die Sinneszellen, die schon das Ungeborene an der Welt teilhaben lassen, können überlastet werden: durch laute Musik oder starken Lärm. „Werden die Härchen zu häufig und zu stark umgebogen, können sie sich irgendwann nicht mehr richtig aufrichten“, erklärt er.

Besser vorbeugen

Auch Krankheiten können zur sogenannten Erschöpfung der Hörsinneszellen beitragen: darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und alle möglichen Infektionen. „Auch wenn es sehr allgemein klingt: Ein allgemein gesunder Lebenswandel mit Sport, frischer Luft und ausgewogener Ernährung hält die Ohren fit“, sagt Professor Welkoborsky. Und natürlich sollte übermäßiger Lärm am Arbeitsplatz und in der Freizeit vermieden werden.

Dazu empfiehlt Welkoborsky, sich ab dem 35. Lebensjahr alle ein bis zwei Jahre beim HNO-Arzt einem Hörtest zu unterziehen. Bei entsprechenden Belastungen durch Job oder Freizeit sollte man den Test häufiger machen. Dabei kann der Arzt feststellen, ob der Hörverlust - vielleicht auch als Symptom bestimmter Krankheiten - stärker als üblich ausfällt. „Dann können wir gegensteuern: zum Beispiel durch Einsatz eines Hörgerätes oder eines Cochlea-Implantats“, sagt er.

Dabei gilt: Je früher, desto besser. Denn das Tragen einer Hörhilfe ist gewöhnungsbedürftig. „Leider warten zu viele Menschen zu lange ab“, sagt der Experte. „Sie gewöhnen sich daran, bestimmte Frequenzbereiche nicht mehr richtig wahrzunehmen, und merken gar nicht, dass sie sich von der Umwelt isolieren.“

Das erschwert Wahrnehmung und Verständigung mit der Außenwelt und kann darüber hinaus die Altersdemenz fördern. „Der Hörsinn ist für Menschen elementar: Er regt das Gehirn an, bringt es auf Trab“, sagt Welkoborsky. Und tatsächlich: Menschen sprechen, weil sie hören können; sie können Gesehenes oft erst durchs Hören richtig einordnen; Hören hilft ihnen, sich im Raum zu orientieren.

Technik hilft

Hörhilfen gibt es heute viele. Und sie werden immer besser. Der Klassiker ist das Hörgerät, das bei Störungen im Innenohr eingesetzt wird und dort die noch vorhandenen Hörsinneszellen anregt. „Im Ergebnis wird das, was der Träger hört, lauter, allerdings nicht immer verständlicher“, sagt Lenarz.

50 000 Menschen in Deutschland tragen ein Cochlea-Implantat. Prof. Thomas Lenarz, Direktor der HNO-Klinik und des Deutschen HörZentrums der MHH, berät.

50 000 Menschen in Deutschland tragen ein Cochlea-Implantat. Prof. Thomas Lenarz, Direktor der HNO-Klinik und des Deutschen HörZentrums der MHH, berät.

Quelle: Christian Behrens

Hat der Träger zu wenige Hörsinneszellen, die durch ein Hörgerät stimuliert werden können, bleibt das Cochlea-Implantat, das derzeit in Deutschland von geschätzt 50 000 Menschen genutzt wird. „Das Implantat übernimmt die Arbeit der Sinneszellen und stimuliert die Nervenfasern direkt“, erklärt der Professor. Da es nur an rund 20 der 3000 Hörsaiten angeschlossen wird, ermöglicht es nicht den ursprünglichen Höreindruck, sorgt aber für gute Verständlichkeit. Immerhin.

Und die Entwicklung geht weiter. Ein Beispiel ist das hybride Cochlea-Implantat, das nur die fehlenden hohen Frequenzen ersetzt, während die mittleren und tiefen Frequenzen „natürlich“ übermittelt oder - bei Bedarf - durch Einsatz eines weiteren Hörgeräts verstärkt werden. Eine andere Möglichkeit sind nahe dem Innenohr implantierte Hörgeräte, die ebenfalls eine vergleichsweise hohe Hörqualität ermöglichen.

Expertentipp

Ohne Hörtest merkt man meist zu spät, dass man nicht mehr richtig hört. Leider zögern viele Menschen jahrelang, bevor sie aktiv werden. Wenn sie dann eine Hörhilfe ausprobieren, fällt ihnen die Eingewöhnung schwer.

Denn je größer der Hörverlust ist und je länger man abwartet, desto eher hat man verlernt, was man bis dahin ohne Nachdenken vermochte: den Nutzschall vom Störschall zu trennen. Um diese Fähigkeit nicht mühsam wieder erlernen zu müssen, sollte man allerspätestens vom 45. Lebensjahr an seine Ohren jährlich beim HNO-Facharzt oder beim Hörgeräteakustiker testen lassen.

DIE HÖRHILFE
Constance Huep
Hildesheimer Str. 62
Tel. 05 11 80 29 90
info@diehoerhilfe.de

Constance Huep von DIE HÖRHILFE

Constance Huep von DIE HÖRHILFE

Quelle: Die Hörhilfe

Oliver Züchner

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