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„Jedes Kind kostet einen Zahn“ - Was ist dran an den Mythen?

Wissenschaft „Jedes Kind kostet einen Zahn“ - Was ist dran an den Mythen?

Über die vermeintlich richtige Zahnpflege kursieren viele altbekannte Volksweisheiten. Manche stimmen auch nach dem heutigen Stand der Wissenschaft noch, manche dagegen nicht.

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Schwangerschaften können tatsächlich zu Zahnproblemen führen.

Quelle: proDente

Hannover. Ein Mythos in Bezug auf die Zahnpflege entsteht oft dann, wenn Entwicklungen und Erscheinungen an Zähnen und in der Mundhöhle nicht durch wissenschaftliche Erkenntnisse erklärt werden können. Dabei werden zum Teil irrationale und falsche Vorstellungen als Erklärung herangezogen. Hier sind in erster Linie die Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft zu nennen. „Jedes Kind kostet einen Zahn“ ist beispielsweise sehr weit verbreitet. Aber auch der großzügige Umgang mit der Mundgesundheit von Kindern wie zum Beispiel „Milchzähne sind nicht wichtig und fallen sowieso aus“ .

Kostet tatsächlich jedes Kind einen Zahn?

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass während der Schwangerschaft vorhandene Erkrankungen insbesondere des Zahnfleisches und des Zahnhalteapparates verstärkt werden können. Durch die Hormonumstellung während der Schwangerschaft lockert sich das Bindegewebe auf, Blutgefäße können erweitert sein. Das Zahnfleisch schwillt an und Mikroorganismen finden leichteren Zugang. Dies führt zu Entzündungen, die sich in häufigerem Zahnfleischbluten zeigen. Durch häufigeres Erbrechen in der Frühschwangerschaft verändert sich außerdem der pH-Wert des Speichels. Er wird saurer und greift den Zahnschmelz an. Die direkte Einwirkung der Magensäure ist sogar in der Lage, den Zahnschmelz teilweise aufzulösen.

Und was das Ernährungsverhalten angeht, neigen viele Frauen, vermehrt zum Ende der Schwangerschaft, zum häufigeren Verzehr kleinerer, zuckerhaltiger Mahlzeiten. Es bilden sich leichter Beläge, die den Zahnschmelz angreifen oder unter dem Zahnfleisch zu Entzündungen führen.

Nach jeder Mahlzeit schleunigst putzen?

Stimmt, aber mit einer Einschränkung. Direkt nach dem Essen die Zähne zu putzen, kann auch schädlich sein - es kommt ganz darauf an, was man gegessen hat. Es gilt: Nach Saurem Finger weg von der Zahnbürste. Säurehaltige Speisen und Getränke weichen den Zahnschmelz durch Entzug von Mineralien auf. Durch zu frühes Putzen wird der aufgeweichte Schmelz mit weggeputzt. Klüger ist es, 30 bis 60 Minuten zu warten und so dem Speichel das Feld zu überlassen. Dieser neutralisiert nicht nur die Säure, sondern versorgt die Zähne auch mit Mineralstoffen und lässt den Zahnschmelz dadurch wieder hart werden. Ein paar Schlucke Wasser helfen, Säure zu entfernen, und machen Säfte wie Orangensaft weniger schädlich.

Bringt kräftiges Schrubben wirklich am meisten?

Im Gegenteil. Harte Borsten und zu viel Krafteinsatz beim Putzen bergen die Gefahr, den Zahnschmelz allmählich abzutragen und das Zahnfleisch so zu verletzen, dass es sich nach und nach zurückzieht - schmerz- und kariesanfällige freiliegende Zahnhälse sind die Folge. Kleine, fegende Putzbewegungen von Rot nach Weiß, also vom Zahnfleisch hin zum Zahn, reinigen optimal und verhindern Verletzungen.

Was tun Ärzte, um ihre Patienten über die vermeintlichen Volksweisheiten aufzuklären?

Jeder Zahnarzt berät seine Patienten in erster Linie individuell. Die ausführliche Aufklärung über Befunde und Diagnosen, aber auch die regelmäßige Inanspruchnahme einer professionellen Zahnreinigung bieten hervorragende Gelegenheiten, mit den überlieferten Irrtümern aufzuräumen. Darüber hinaus nutzen Zahnärzte mittels Veranstaltungen und öffentlicher Erklärungen wie zum Beispiel zum Tag der Zahngesundheit immer wieder aufs Neue die Chance, die breite Bevölkerung über die Ursachen von Munderkrankungen und auch deren Vermeidung aufzuklären.

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