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Die Schulen

Enorme Belastung für die Lehrer

Von Saskia Döhner

Ob eine Schule gut oder schlecht durch das Abitur des Doppeljahrgangs 2011 kommt, hängt vom Improvisationsvermögen des Lehrerkollegiums ab. Etwas mehr Hilfe vom Kultusministerium hätte es schon geben dürfen, meinen die Pädagogen.
Deutschunterricht bei Birte Dede am Albert-Einstein-Gymnasium in Hannover Buchholz

Am Buchholzer Albert-Einstein-Gymnasium startet man gut vorbereitet ins Doppelabitur - auch im Deutschunterricht bei Birte Dede.

© Nico Herzog

Wer sich unter Schulleitern und Gymnasiallehrern umhört, erhält immer wieder die gleiche Antwort: „Die Schüler sind gut vorbereitet, auf die Lehrer kommt eine enorme Belastung zu, nicht nur durch die Korrekturen.“ Ob eine Schule gut oder schlecht durch das Abitur des Doppeljahrgangs 2011 kommt, scheint an der Improvisationskraft der Leitungskräfte und des Lehrerkollegiums zu liegen. Es lebe die Eigenverantwortlichkeit! Doch etwas mehr Hilfe von oben, vom Kultusministerium, hätte es schon geben dürfen, meinen die Pädagogen.

Der Vorsitzende des niedersächsischen Philologenverbandes, Horst Audritz, verweist zwar darauf, dass einige Änderungen eine gewisse Entspannung gebracht hätten: zum Beispiel flexible Korrekturtage, die temporäre Aussetzung der Schulinspektionen und die Verkleinerung der Abiturprüfungskommissionen von drei auf zwei Lehrer – abweichend von Paragraf 3 der Vereinbarung der Kultusministerkonferenz. Dennoch: „Die Abiturzeit wird eine Härtezeit für Schulleiter und Lehrer“, sagt Heidrun Korsch, Vorsitzende der Direktorenvereinigung und Leiterin eines Gymnasiums in Hann. Münden. Sie wünscht sich, dass das Kultusministerium den Rektoren nach der Prüfungsphase genauso viel Freiraum lässt wie vorher, um den Pädagogen Entlastung nach eigenem Ermessen zu gewähren.

Ob Vorbereitungsgespräche mit Schülern und Eltern oder die Zusammenlegung der Jahrgänge in den Oberstufenkursen – Eigeninitiative der Schulen ist gefragt. Eltern betrachten diesen „Wildwuchs“ mit Sorge. „Irgendwie läuft es“, sagt der Vorsitzende des Landeselternrates, Pascal Zimmer, „irgendwie wird es hingebogen, aber ob es klappt oder nicht, ist eher zufällig. Das kann es doch nicht sein.“

Eine Schule, an der es gut läuft, ist das Albert-Einstein-Gymnasium in Buchholz in der Nordheide. Nicht umsonst hat das Gymnasium bei der Inspektion vor einem Jahr so gut abgeschnitten wie kein anderes niedersächsisches Gymnasium zuvor. Ein Hauptgrund ist das unkomplizierte Miteinander von Schülern, Lehrern und Eltern. Die Pädagogen seien immer ansprechbar, heißt es. Ein pragmatischer Rektor tut sein Übriges: „Man darf sich nicht zu Tode reformieren“, meint Hans-Ludwig Henning. „Menschen sind wichtiger als Erlasse.“

Und eben diesen Menschen wächst zuweilen die Arbeit über den Kopf. „Viele Lehrer gehen auf dem Zahnfleisch“, warnt Eberhard Brandt. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) appelliert an die Schulleiter, die Lehrer nach ihren Möglichkeiten zu entlasten, wenn die Hauptprüfungsphase im Frühjahr vorbei ist. Die Umsetzung der Kerncurricula und die Neuausrichtung auf Kompetenzen erschweren das Schulleben zusätzlich. Und am Ende komme nicht immer das heraus, was die Politik beabsichtigt habe, kritisiert Brandt: „Das selbstständige Lernen kommt zu kurz, die Schüler pauken den Stoff auf den Punkt und können ihn wiedergeben, aber eine Vorbereitung auf das wissenschaftliche Arbeiten ist das nicht.“ Am Albert-Einstein-Gymnasium versucht man, die Oberstufenschüler mit dem Seminarfach auf die Hochschulen vorzubereiten.

Die Jugendlichen, die 2011 als erster Jahrgang das verkürzte Abitur nach zwölf Schuljahren ablegen, seien „Versuchskaninchen“, sagt Elternratsvorsitzender Zimmer. Nicht nur die halbe Orientierungsstufenzeit und eine 36-Stunden-Woche in der 9. Klasse hätten sie bewältigen müssen, sondern sie seien vermutlich nach der Schule weiter einem starken Wettbewerb ausgesetzt. Die Beschwichtigungsformeln der Politiker möchte der Vater nicht so recht glauben: „Es heißt, jeder werde einen Studienplatz oder eine Lehrstelle finden, aber was für einen?“ Vom Durchwurschteln hält Zimmer nicht viel: „Da bleiben viele auf der Strecke.“ Er erinnert an die zahlreichen Schüler, die den Weg bis zum Abitur nicht durchgehalten hätten und auf andere Schulen, etwa auf Fachgymnasien, gewechselt seien. In Buchholz schaffen nach Schätzungen von Rektor Henning 50 Prozent der Schüler das Abitur nicht im ersten Anlauf.

GEW-Chef Brandt rät im turbulenten Jahr des Doppelabiturs zum Innehalten. „Das Turbo-Abitur ist durchgeboxt worden, auf dem Rücken der Jugendlichen, Eltern und Lehrer.“ Aber es gebe andere Lösungen: eine flexible Oberstufe, die Schüler in zwei, drei oder vier Jahren durchlaufen könnten. Ziel müsse es sein, so Brandt, möglichst viele Jugendliche zu einem hochwertigen Abschluss zu führen. Ähnlich wie bei der flexiblen Eingangsstufe in der Grundschule sei auch am Ende der Schulzeit Flexibilität gefragt.

„Abitur heißt immer, dass man auch als Lehrer aufgeregt ist“, sagt Wiebke Puvogel von der Sophienschule in Hannover. Gerade hat sie eine Biologieklausur ihres Oberstufenkurses korrigiert. Wer gehört zum Jahrgang, der das letzte Mal nach 13 Jahren Abitur macht, wer nach zwölf Jahren? Nach den Leistungen kann Puvogel dies nicht mehr unterscheiden: „Die Jahrgänge sind zusammengewachsen.“

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