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Jeder gibt ein bisschen: Crowdfunding

Start-up-Unternehmen Jeder gibt ein bisschen: Crowdfunding

Über das sogenannte Crowdfunding können Existenzgründer im Internet Geldgeber finden. Wenn andere von der Geschäftsidee begeistert sind, lässt sich so Geld für den Unternehmensstart sammeln.

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Ihre Idee kam an: Marilen Hoffstaedter verkauft in ihrem Onlineshop Stoffbezüge und Foliensticker für Ikea-Möbel.

Quelle: www.saustarkdesign.com

München. Entdecke die Möglichkeiten: Diesen berühmten Slogan des schwedischen Möbelherstellers Ikea hat sich Marilen Hoffstaedter buchstäblich zum Beruf gemacht. Die 32-jährige Münchenerin entwirft und verkauft in ihrem Onlineshop saustarkdesign.com Stoffbezüge und Foliensticker für über 100 Ikea-Möbel. „Mir hat bei diesen Produkten immer schon die Individualität gefehlt, das klassische Design wird doch irgendwann langweilig“, erklärt die gelernte Architektin ihre Geschäftsidee. Im November 2011 mit privaten Ersparnissen gestartet, hat die Kleinunternehmerin bisher rund 100.000 Euro Umsatz gemacht.

Um jetzt so richtig loszulegen und ihre Firma noch schneller wachsen zu lassen, wirbt Hoffstaedter derzeit im Internet um viele kleine Investoren: Crowdfunding heißt das Zauberwort. Diese moderne und immer beliebtere Form der Finanzierung ist auf speziellen Web-Plattformen möglich. Start-up-Unternehmen stellen dort ihr Konzept vor und versuchen, mögliche Geldgeber von der Geschäftsidee zu begeistern. Als Platzhirsch der Branche gilt hier der Dresdener Anbieter seedmatch.com. Seit August 2011 wurden dort laut Sprecherin Dana Schramm 34 junge Unternehmen erfolgreich finanziert und insgesamt über 3,9 Millionen Euro gesammelt. Viele kreative Ideen konnten damit umgesetzt werden: vom Online-Blumen-Abo „Bloomy Days“ über Dessous in Übergrößen bei „Sugar Shape“ bis hin zum „LeaseRad“, wo Fahrräder den Dienstwagen ersetzen. „Die Geschäftsidee muss das Potenzial haben, Menschen zu begeistern“, betont Schramm: „Nur wenn viele Menschen von einer Idee überzeugt sind, kann sie erfolgreich mit Crowdfunding finanziert werden.“

Investoren können kreativ am Konzept mitarbeiten

Schon ab 250 Euro können Außenstehende zum Miniinvestor werden. Bis zu 120 Tage haben die Unternehmensgründer auf der Plattform Zeit, das benötigte Geld zusammenzubekommen. Dabei wird ständig öffentlich online in Echtzeit die aktuelle Zahl der Investoren und der eingeworbenen Summe angezeigt sowie die verbleibenden Tage - ähnlich wie die aktuellen Gebote beim Versteigerungsportal Ebay. Marilen Hoffstaedter hat nach drei Wochen schon 82.000 Euro von 141 Geldgebern eingesammelt: „Es stehen halt überall Ikea-Möbel rum, jeder kann sich damit identifizieren“, sagt sie. Die Stoffexpertin erhofft sich vom Crowdfunding aber nicht nur frisches Kapital: „Wer mir Geld gibt, wird auch zum Markenbotschafter und erzählt in seinem Freundeskreis von unseren Produkten.“ Das sieht auch Seedmatch-Sprecherin Schramm so: „Investoren sind nicht nur Geldgeber. Sie sind auch eingeladen, Vorschläge zu machen, kritisch zu hinterfragen und neue Ideen und Kontakte einzubringen.“

Das wünscht sich auch Markus Schulz, der mit seiner Firma Changers bei Seedmatch nach zwei Wochen bei 90 Investoren mit knapp 43.000 Euro steht. Sein Produkt ist ein handliches tragbares Solarmodul. Über einen angeschlossenen Akku kann der Benutzer mit selbst erzeugter Sonnenenergie überall seine mobilen Geräte aufladen - egal ob Smartphone, Tablet-PC oder Spielekonsole. Der Clou: Für jedes auf diese Weise eingesparte Gramm Kohlendioxid erhält der Anwender auf einer Community-Plattform sogenannte Changer Credits gutgeschrieben. Diese können dann gegen Angebote von Partnerfirmen eingetauscht werden, wie Carsharing oder Fahrradverleihe. Mit dieser originellen Geschäftsidee hat Changers sogar vor ein paar Wochen auf der CeBIT einen Start-up-Wettbewerb und 15.000 Euro Preisgeld gewonnen. „Gemeinsam sind wir stark, um etwas gegen den Klimawandel zu tun“, sagt Schulz: „Jeder gibt ein bisschen - genauso wie beim Crowdfunding.“

Für Privatinvestoren ist das Risiko beim Crowdfunding zu hoch

Vor zu viel Euphorie warnt allerdings Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger. „Für Privatinvestoren ist Crowdfunding nicht lohnenswert, das Risiko ist viel zu hoch“, betont er. Die Geldgeber hätten zudem kein Mitspracherecht, im Falle einer Firmenpleite sei der komplette Einsatz futsch. Und: „Nicht jedes gute Geschäftsmodell setzt sich auch sofort durch.“ Bei Seedmatch werde ausdrücklich auf diese sehr hohen Risiken hingewiesen, erklärt Sprecherin Schramm: „Wir wollen absolut sicher sein, dass sich jeder Investor des möglichen Ausfalls seines Investments bewusst ist.“ Es würden daher auch nur Start-ups ausgewählt, deren Geschäftsmodell sich für Crowdfunding eignet und die das Potenzial haben, Menschen zu begeistern.

Und diese Begeisterung wächst: Im Jahr 2012 haben verschiedene Geldgeber allein auf zehn wichtigen Plattformen in Deutschland 6,3 Millionen Euro in Erfolg versprechende Start-ups investiert, berichtet René Klein vom Existenzgründerportal www.fuer-gruender.de. Dazu gehören neben Seedmatch unter anderem die größeren Anbieter Companisto und Gründerplus, aber auch kleinere Plattformen wie pling und inkubato. Diese haben sich häufig auf die Finanzierung kreativer Projekte von Musikern, Künstlern, Filmemachern und anderen spezialisiert. Statt einer Unternehmensbeteiligung gibt es hier meist kleine Prämien als Dankeschön. Wer sich etwa bei inkubato an der Finanzierung des Dokumentarfilms „Zimbabwe im Handballfieber“ beteiligen möchte, bekommt als Gegenleistung Autogrammkarten der Schweizer Handball-Nationalmannschaft geschenkt. „Projekte werden also genau von jenen unterstützt und finanziert, die sich dafür interessieren und begeistern“, heißt es bei inkubato. „So haben auch unkonventionelle Ideen eine Chance, für die herkömmliche Geldgeber nicht infrage kommen.“

Von Harald Grube

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