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Oliver Mauroner: "Freiraum für Ideen lassen"

Interview Oliver Mauroner: "Freiraum für Ideen lassen"

Oliver Mauroner forscht zu Kreativität und Innovationen. Ein Gespräch über Strukturen, deutschen Perfektionismus, Büroklammern, hilfreiche Routine und tödliches Multitasking.

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Oliver Mauroner

Hannover/Weimar. Herr Mauroner, wie würden Sie mit Ihrer Erfahrung Kreativität definieren?

Kreativität ist das Schaffen von etwas Neuem, etwas Originellem, das einen Nutzen, also einen Wert schafft.

Ist Kreativität denn für uns heute immer ein Teil der Wertschöpfungskette?

Wir benutzen den Begriff heute in diesem Zusammenhang. Aber das aus dem Lateinischen stammende Wort ist natürlich schon viel älter.

In Unternehmensprozessen ist es immer wichtig, einzelne Faktoren zu beziffern. Ist Kreativität messbar?

Ich kann meinen Studenten eine Büroklammer zeigen und sie auffordern, in einer Minute möglichst viele Einsatzzwecke zu notieren. Das kann ich zählen, wobei diese Zahl nur die halbe Wahrheit ist. Es geht auch um die Vielfalt und die Originalität der Antworten, darin zeigt sich die Flexibilität des Denkens.

Welche Bedeutung hat denn Kreativität heute für ein Wirtschaftsunternehmen?

Kreativität ist Voraussetzung für Innovationen. Ein Unternehmen braucht heute Kreativität, um innovative Produkte und innovative Prozesse entwickeln zu können. Kreativität ist also ein wichtiger Faktor im globalen Wettbewerb. Ein Faktor, der immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Welche Faktoren sind für Kreativität wichtig?

Es gibt Faktoren, die positive und negative Eigenschaften haben. Im ersten Moment würde man vielleicht denken: Routine ist tödlich für Kreativität.

Ist sie nicht?

In einem gewissen Maß ist sie hilfreich. Routine schafft Sicherheit, ein Fundament, auf dessen Basis sich Kreativität entwickeln kann.

Was ist der wichtigste Aspekt, um Kreativität in einem Unternehmen, in einer Abteilung oder in einer Projektgruppe zu ermöglichen?

Unternehmen müssen Kreativräume schaffen. Im wörtlichen und im übertragenen Sinne. Einige Unternehmen lassen etwa 20 Prozent der Arbeitszeit bewusst als Freiraum für Ideen.

Haben das Unternehmen in Deutschland erkannt?

Die Ideen in den Köpfen der Mitarbeiter bilden ein riesiges Potenzial. Unternehmen müssen versuchen, diese Potenziale abzuschöpfen. Ich glaube, dass sich momentan eine Kreativitätskultur in Deutschland entwickelt.

Wo sehen Sie die größten Hürden?

In Deutschland werden wenig Fehler gemacht. Das ist gut, keine Frage. Niemand will Produkte mit Fehlern. Wegen dieses Perfektionismus gibt es aber auch keine wirkliche Fehlerkultur in Deutschland. Wer Angst hat, etwas Falsches zu sagen, der sagt vielleicht lieber nichts.

Wie können Vorgesetzte die Fehlerkultur verbessern?

Sie können ein Vorbild sein und von eigenen Fehlern berichten. Sie müssen deutlich machen: Aus Fehlern kann man lernen. Fehler sind Ansporn, es besser oder anders zu machen, und damit Teil der Entwicklung. Fehler dürfen deshalb nicht stigmatisiert werden.

Wie schafft man als Unternehmen Strukturen, in denen sich Kreativität entwickeln kann?

In Unternehmen sind Abteilungen oft eine relativ homogene Gruppe. Ich spitze einmal zu: Im Produktdesign arbeiten nur männliche Ingenieure, in der Verwaltung nur Betriebswirtschaftlerinnen. Diese Situation muss man aufbrechen. Man gewinnt so neue Perspektiven und fördert die Zusammenarbeit. Und Innovationen entstehen ja meistens an den Schnittstellen zwischen einzelnen Disziplinen.

Können externe Berater helfen, die Kreativitätskultur eines Unternehmens zu verbessern?

Das kann ein probates Mittel sein – wenn es keine Insellösung darstellt. Ein eintägiger Kreativitätsworkshop hilft wenig. Da kleben dann am Ende ein paar bunte Zettel an der Tafel und der Innovationsbeauftragte schreibt einen Bericht. Das ist nicht nachhaltig. Es muss ein kontinuierlicher Prozess sein.

Sie blicken in Ihrem Forschungsfeld besonders auf die Innovationsentwicklung. Heute ist nicht nur die Innovation wichtig, sondern auch der gesamte Prozess der Markteinführung.

Die Prozesse innerhalb der Industrie sind längst verzahnt. Die Integration des Kunden, die Öffnung nach außen, sind wichtiger geworden. In Deutschland tut man sich damit oft noch schwer. Da heißt es dann: „Lasst uns das erst mal fertig machen bevor wir es jemandem zeigen.“ So entwickelt man aber oft am Kunden vorbei.

Wie lässt sich das verhindern?

Man muss den Kunden früher mit einbeziehen. Das ist natürlich nicht ganz einfach. Man geht mit unfertigen Lösungen in die Welt. Google hat das mit seiner Datenbrille gemacht – und hatte letztlich ein großes Kommunikationsproblem. Selbst ein Riese wie Google macht also bei solchen Open-Innovation-Projekten Fehler.

Es gibt Abteilungen für Produktentwicklung, Innovationsmanagement. Diese sind in einigen Unternehmen jedoch genau klar hierarchisch strukturiert wie andere Abteilungen. Kann so Kreativität gelingen?

Die große Herausforderung ist das Management von Kreativität. Innovationsmanagement muss der Kreativität eine Struktur geben. Aber das ist nicht leicht, denn wir reden hier von sehr komplexen Prozessen. Die Arbeitswelt verändert sich. Als Chef muss ich mich fragen: Wie schaffe ich Anreize für meine Mitarbeiter, damit sie sich für die Zukunft des Unternehmens engagieren – und ihr Wissen und ihre eigenen Ideen mit in das Unternehmen einbringen.

Man bezeichnet die aktuelle Phase als Informationszeitalter, manchmal auch als Wissenszeitalter. Kommt bald das Kreativitätszeitalter?

Man bemerkt den Wandel hin zu mehr Immaterialität. Unternehmen zeichnen sich künftig nicht mehr vorrangig durch Maschinen und Produkte aus. Den Wert bilden Informationen, Wissen und Geschäftsmodelle. Kreativität bildet hier die schöpferische Verbindung.

Sie forschen zu Kreativität. Haben Sie eine eigene Kreativitätstechnik?

Ich gehe auch mal auf eine Modenschau oder schaue in eine Sterneküche. Was passiert da, wie werden Produkte platziert und wie kann ich das auf mein Arbeitsfeld übertragen? Solche Besuche sind gute Inspirationsquellen. Das ist aber erst die erste Phase der Kreativität. Ich kann beim Joggen einen Geistesblitz haben. Der hält aber nur ein paar Minuten. Ich muss ihn aufschreiben und später weiterentwickeln. Aber dafür braucht man Ruhe, Zeit, in der man etwa keine E-Mails beantworten muss. Multitasking ist ein riesiges Problem für Kreativität.

Zur Person

Oliver Mauroner ist Juniorprofessor für Innovations- und Kreativmanagement an der Bauhaus-Universität Weimar. Seine Schwerpunktthemen sind Entwicklung, Umsetzung und Management kreativer Ideen. Ein weiterer Fokus ist die Bedeutung der Kreativität für Innovations- und Strategieentwicklung von Unternehmen.

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