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Mit dem Uhu spazieren gehen - Eulen als Therapietiere

Tiere Mit dem Uhu spazieren gehen - Eulen als Therapietiere

Nächtliche Jäger als Ruhequelle für gestresste Großstädter? Eine Heilpraktikerin bietet in Schleswig-Holstein therapeutische Spaziergänge mit ihren Eulen an.

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Die Heilpraktikerin Bianka Wolf setzt den Chacokauz «Radagast» (r) und die Weißgesichtseule «Gandalf» als Therapietiere ein.

Quelle: Carsten Rehder

Hohenwestedt. Wenn sie mit Saphira an der Leine durchs Örtchen geht, sind ihr neugierige Blicke gewiss. "Ich werde definitiv angesprochen", sagt

Bianka Wolf. Ihr großer Uhu fällt in Hohenwestedt mitten in Schleswig-Holstein einfach auf.

Erhaben hockt das Tier auf ihrer Schulter. Die orangefarbenen Augen leuchten. Jeden Tag geht die 38-Jährige mit dem Vogel mindestens einmal spazieren. Und nicht nur sie. Denn die Heilpraktikerin bietet therapeutische Spaziergänge mit ihren Tieren an.

Überlastung, Einsamkeit, Burn-Out - Wolf setzt ihre Eulen als Therapietiere ein. Helfen könnten die Tiere auch Kindern mit Konzentrations- oder Lernschwierigkeiten, sagt sie. "Für die ist das etwas, weil sie sich dann ganz fokussiert um die Eule kümmern."

Die Frau besucht mit ihren Tieren aber auch Altenheime, Schulklassen, Krankenhäuser und auch Hospize. "Ein stummes Zwiegespräch mit einer Eule kann neue Anstöße geben - das ist wie Meditieren", sagt sie. 80 Euro kostet eine "Kuschelstunde". Tagsüber arbeitet Wolf als Schulbegleiterin mit einem autistischen Kind.

"Eulen haben etwas Mystisches", sagt die Norddeutsche. Neben Saphira besitzt sie noch zwei kleinere Eulen, den Chacokauz Radagast und die Weißgesichtseule Gandalf. Während der große Uhu auch den Winter in seiner Voliere im Garten verbringt, halten sich die beiden deutlich kleineren Eulen drinnen auf. "Für sie ist es bei uns im Winter zu kalt", sagt Wolf. Fünf weitere Eulen sollen bald dazu kommen. "Denn ich möchte meinen Süßen nicht überstrapazieren."

Nach Ansicht von Wolf bieten Eulen insbesondere für gestresste, überlastete Menschen eine Chance, zur Ruhe zu kommen. Ihren Kunden setzt sie die Tiere auf die Hand. "Anfangs sind beide aufgeregt", sagt sie. Doch meist beruhigen sich Tier und Mensch relativ schnell. "Die Tiere plustern sich irgendwann auf und fühlen sich pudelwohl - und die Menschen tun es dann auch und sind ganz bei sich."

Dass die Jäger der Lüfte in sich ruhten, übertrage sich auf den Menschen und könne zu mehr Gelassenheit führen. "Eulen schauen in die Seele des Menschen", ist die Heilpraktikerin überzeugt.

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr der Besuch einer Wachkomastation. Ihre dort arbeitende Schwester habe ihr vorher noch mit auf den Weg gegeben, die Patienten nicht mit zu hohen Erwartungen aufzusuchen. "Aber einer der Bewohner hat sogar versucht, die Eule zu streicheln", erzählt sie. Aufgrund des Kraftmangels sei das aber nur mit Unterstützung möglich gewesen.

Der Präsident der Europäischen Gesellschaft für tiergestützte Therapie, Rainer Wohlfarth, ist trotzdem skeptisch. "Man sollte nur mit domestizierten Tieren in der Therapie arbeiten", sagt der Psychologe. Wildtiere seien nicht an den Menschen gewöhnt. Sie ließen sich lediglich zähmen. "Eulen-Spaziergänge hören sich für mich ein bisschen seltsam an."

Gleichwohl: "Einen Neuigkeitseffekt kann ich mir dabei schon vorstellen", sagt Wohlfarth. Alles Neue, Fantastische könne in der Therapie einen Effekt erzielen. Bei der tiergestützten Therapie gehe es vor allem um Körperkontakt, um Berührung, die Kommunikation und Interaktion mit dem Tier. "Das kann ich mir bei einer Eule nur schwer vorstellen." Esel beispielsweise seien hervorragend für die Therapie geeignet, weil sie seit Jahrhunderten an den Menschen gewöhnt seien. "Eine Eule wird aber von sich aus keinen Kontakt zu Menschen suchen."

dpa

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