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Stiftung Warentest

Der Effektivzins führt oft in die Irre


Manche Banken und Bausparkassen tricksen bei Preisangaben und rechnen so ihre Angebote schön. Die Stiftung Warentest rät zur Vorsicht beim Vergleich von Effektivzinsen.

Wer einen Kredit braucht, vergleicht die Effektivzinsen. Doch die Angaben von Kreditinstituten und Bausparkassen führen Verbraucher nicht selten in die Irre. Trickreich rechnen die Geldhäuser ihre Angebote schön. Die Stiftung Warentest mahnt zu höchster Vorsicht.

„Vorsicht, Falle!“ So hat das Stiftungsmagazin „Finanztest“ in seiner Oktoberausgabe einen Bericht zu den irreführenden Effektivzinsen für Darlehen überschrieben. Wenn die Berliner Verbraucherschützer so explizit vor Bauernfängerei warnen, hat das gute Gründe. Die Experten haben sich auf dem Markt umgeschaut – und absurd niedrige, aber auch völlig überhöhte Zinsangaben aufgespürt.

So bot die Stadtsparkasse Düsseldorf unlängst 100 0000 Euro Kredit bei zehn Jahren Zinsbindung für 3,5 Prozent Sollzinsen an. Der Effektivzins, in dem die Gesamtkosten enthalten sein sollen, wurde erstaunlicherweise mit nur 3,3 Prozent angegeben. Die konkurrierende Kreissparkasse dagegen, so die Tester, nannte für ein identisches Angebot einen viel höheren Effektivzins von 4,48 Prozent. Was stimmt nun?

Die Experten gingen der Sache nach und stellten kuriose Dinge fest. Ursache der Preisverwirrung ist demnach die neue deutsche Preisangabenverordnung, mit der voriges Jahr eine EU-Richtlinie umgesetzt wurde. Schon damals warnten Verbraucherschützer, dass die hohen deutschen Standards damit teils abgesenkt werden. Offenbar zu Recht. Denn die neuen Regeln ermöglichen mehr fragwürdige Tricksereien.

Beim Effektivzins zum Beispiel müssen Anbieter nun die Kosten für die gesamte Laufzeit des Kredits berechnen. Oft haben die Kunden aber nur fünf oder zehn Jahre Zinsbindung vereinbart, obwohl das Darlehen erst nach 20 Jahren oder noch später abbezahlt ist. Die Banken setzen daher für die Restlaufzeit einen fiktiven Zinssatz an. Solange dieser dem vereinbarten Satz entspricht, ändert sich nichts.

Viele Sparkassen aber vereinbaren mit ihren Kunden, dass der Kredit mit variablen Zinsen weiterläuft, wenn bis zum Ende der Zinsbindung nichts anderes vereinbart wird. Dann aber muss bei der Berechnung des Effektivzinses der Zinssatz genommen werden, der gerade für variabel verzinste Kredite gilt. Wenn dieser Zins aktuell niedriger ist als der vereinbarte Festzins, kann die Bank niedrigere Effektiv- als Sollzinsen für einen Kredit ausweisen. So werden Kunden hinters Licht geführt.

Die Stiftung Warentest rät daher besonders bei Sparkassen zur Vorsicht beim Vergleich von Effektivzinsen. Die Experten empfehlen, sich die Vergleichsangebote nur bis zum Ende der Zinsbindung errechnen zu lassen. Das verhindert, dass die Anbieter bei der Restlaufzeit tricksen.

Im aktuellen Heft listetet „Finanztest“ eine ganze Reihe von Sparkassen auf, die zu niedrige Effektivzinsen angeben. Darunter sind die Kreissparkasse Ludwigsburg und die Sparkassen Bochum, Herford, Kleve und Leverkusen. Zu hohe Effektivzinsen dagegen geben den Experten zufolge unter anderem die Sparkassen in Lübeck, Mainz und Offenbach an.

Die Verbraucherschützer warnen auch vor Zinstricks der Bausparkassen, wenn Kredite mit Bausparverträgen kombiniert werden. Dabei erhält der Kunde sofort ein Darlehen, das dann später mit einem angesparten und zugeteilten Bausparvertrag getilgt wird. Diese Kombination ist meist recht teuer.

Um das zu verschleiern, nennen Anbieter die Effektivzinsen für den Sofortkredit und das spätere Bauspardarlehen nur getrennt. Beide erscheinen günstig. Dabei aber fallen angesparte Bausparbeiträge, Abschlussgebühr und Soforteinzahlungen unter den Tisch. Im Beispiel liegt der Effektivzins daher um fast einen Prozentpunkt höher, wenn man alles einrechnet. Unangenehm aufgefallen sind bei der Untersuchung der Stiftung Warentest unter anderem die Bausparkasse Mainz, der Deutsche Ring, die LBS Baden-Württemberg, Schwäbisch Hall und Wüstenrot. Die Stiftung Warentest rät daher, sich schriftlich den Gesamteffektivzins für solche Kombikredite geben zu lassen.

Fazit: Weder bei Krediten und Bauspardarlehen noch bei Lebensversicherungen können sich Verbraucher auf die Angaben zum Effektivzins wirklich verlassen. Die Experten raten, Darlehensangebote bei Verbraucherzentralen überprüfen zu lassen. Die Stiftung bietet kostenlos auch einen eigenen Kontrollrechner im Internet an (www.test.de, Rubrik Bauen und Finanzieren).

Thomas Wüpper

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