Die Aktienkurse stagnieren oder geben nach, Gold ist teuer, und eine Immobilie kann sich längst nicht jeder leisten. Vielleicht sind das die Gründe, warum laut Forsa-Umfrage fast ein Drittel der Sparer in Deutschland große Summen nicht investiert, sondern einfach auf dem Girokonto hortet. Dort ist das Geld sicher und täglich verfügbar. Das Gleiche gilt allerdings auch für ein Tagesgeldkonto, und man bekommt noch Zinsen obendrauf. Trotzdem sollten sich Sparer vor dem Abschluss eines Tagesgeldkontos gut über die Geschäftsbedingungen ihrer Bank informieren.
Denn nicht wenige Anbieter machen einen feinen Unterschied zwischen Neukunden und Bestandskunden. So sind die fetten Zinsen etwa bei der DAB Bank für Neukunden reserviert. Sie erhalten noch bis zum 30. September 2012 satte 2,78 Prozent. Später stürzt die Verzinsung auf gerade einmal 0,50 Prozent ab.
„Wir sind keine Bank, deren Kerngeschäft das Tagesgeld ist“, sagt dazu DAB-Sprecher Jürgen Eikenbusch. Dass sich die Bestandskunden als Kunden zweiter Klasse fühlen könnten, glaubt er nicht – von massivem Unmut gebe es jedenfalls keine Spur. „Unsere Bestandskunden sind wirklich langjährige Kunden, die vor allem unsere Angebote im Wertpapiergeschäft schätzen wie reduzierte Ausgabeaufschläge bei Fonds.“
Unterschiede beim Zins gibt es auch bei anderen Banken. Mit ihrem Effektivzins für Altkunden rutschen etwa Cortal Consors (1,76 Prozent), die Volkswagen Bank direct (1,76 Prozent) und die ING-DiBa (1,75 Prozent) deutlich unter die Inflationsrate. Neue Kunden ködern alle drei Institute mit mindestens 2,5 Prozent.
Spitzenreiter bei Tagesgeldzinsen ist die Advanzia Bank aus Luxemburg. Bei ihr bekommen Neukunden im ersten Vierteljahr 3 Prozent Zinsen und später auch noch 2,65 Prozent. Als Mindesteinlage verlangt die Bank 5000 Euro. Das Geld unterliegt der luxemburgischen Einlagensicherung in Höhe von 100 000 Euro pro Sparer. An ein Konto kommt man bei der Advanzia überraschend einfach. Anstatt die Identitätsprüfung am Postschalter durchführen zu müssen, reicht es aus, der Bank eine Kopie des Personalausweises oder Reisepasses zu senden.
Gegenüber zwei Anbietern mit ebenfalls günstigen Konditionen hegt die Stiftung Warentest Bedenken. „Die estnische Big Bank empfehlen wir nicht, weil die Einlagensicherung in Estland große Ausfälle kaum schultern könnte und im Ernstfall wahrscheinlich die EU einspringen müsste“, sagt Marion Weitemeier von der Zeitschrift „Finanztest“. Bei der IW Bank aus Italien müssten Kunden bei der Kontoeröffnung einer Weitergabe teils sensibler Daten zustimmen.
Im Markt für Tagesgeldkonten tummeln sich einige Banken mit geringem Bekanntheitsgrad und gewöhnungsbedürftigem Namen. Hinter MoneYou etwa verbirgt sich die niederländische ABN Amro. MoneYou ist seit Anfang Juli auf dem deutschen Markt und wirbt mit 2,73 Prozent um neue Kunden, wobei die alten den gleichen Zins kassieren. „Wir haben unseren Tagesgeldzins bereits zum zweiten Mal erhöht“, sagt Sprecherin Ute Brand. Die Zahl der Tagesgeldkunden will sie nicht beziffern, „aber wir sind sehr zufrieden“.
Da Tagesgeldkonten wenig erklärungsbedürftig sind und sich gut vom Rechner zu Hause aus führen lassen, ist der Markt besonders für private Internetbanken interessant. So bieten auch die niederländische NIBC Direkt, die Dexia-Tochter Denizbank, die österreichische VTB Bank, die Amsterdam Trade Bank und die Bank of Scotland mit mindestens 2,70 Prozent attraktive Zinsen.
Genossenschaftsbanken wie die Sparda-Bank Hannover mit 1,30 Prozent für Beträge bis 50 000 Euro oder die Hannoversche Volksbank mit 1,25 Prozent fallen hingegen ab.
„Es ist nicht unser Ziel, beim Tagesgeld zum Preisführer zu werden“, sagt Renate Schmidt-Temmelmann, Sprecherin der Sparkasse Hannover. Diese bietet ihren Kunden derzeit 1,26 Prozent und mogelt ein bisschen, wenn sie die Konditionen auf ihrer Internetseite ausschließlich mit den noch schwächeren Angeboten von PSD Bank, Allianz-Bank und Berliner Bank vergleicht.
Ein ähnliches Bild bietet sich beim Festgeld. Laut Stiftung Warentest macht MoneYou bei einer Laufzeit von 180 Tagen mit 2,82 Prozent das lukrativste Angebot. Gleichauf liegen die Denizbank und NIBC Direkt.
Bei 30 Tagen belegt die akf bank aus Wuppertal den Spitzenrang (2,43 Prozent). Die Sparkasse Hannover liegt mit ihren 1,75 Prozent Zinsen ab einem Anlagebetrag von 5000 Euro bei einjähriger Laufzeit im Mittelfeld.
Wofür sich Bankkunden auch entscheiden, Abstriche müssen sie bei jedem Angebot machen. Für hohe Zinsen müssen sie sich meist damit abfinden, dass sie ihr Konto nur online führen können. Filialbanken bieten zwar mehr Kundenservice, aber weniger Zinsen. Wer nicht alle paar Monate die Bank wechseln will, sollte auf jeden Fall darauf achten, wie die Gelder von Bestandskunden verzinst werden.
Sören Hendrik Maak