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Vermögens-Check der HAZ

Viele Depots sind zu teuer, riskant, ertragsschwach


Die unabhängigen Experten sind beim Vermögens-Check der HAZ auf etliche Anlagenfehler und teils abenteuerliche Depots gestoßen. Die Unsicherheit der Anleger ist riesengroß, das Vertrauen in die Beratung der Banken schwindet.
So geht es auch: Aber selbst in unsicheren Zeiten ist dies nicht unbedingt die beste Form der Geldanlage.

So geht es auch: Aber selbst in unsicheren Zeiten ist dies nicht unbedingt die beste Form der Geldanlage.

© ash

Weit über 400 Leserinnen und Leser haben am Vermögens-Check der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ teilgenommen. Die große Resonanz zeigt, wie unsicher sich viele Anleger derzeit fühlen. Dies spiegelte sich auch in den Depots. Zu teuer, zu risikoreich und dabei noch ertragsschwach – die unabhängigen Vermögensverwalter trafen beim Vermögens-Check auf teils abenteuerlich unpassende Anlageprodukte.

„Die Verunsicherung ist greifbar“, stellt Eberhard Lutz fest. Für den Leiter der Niederlassung Hannover der Nordaktienbank AG, unabhängiger Vermögensverwalter Hannover, war der hohe Bestand an Festgeld- und Tagesgeldkonten das eindeutige Indiz dafür. „Die Menschen legen ihr Geld nicht aus Überzeugung auf solchen Konten an. Sie sind schlicht ratlos“, hat Lutz erfahren. Häufig würden große Summen auf sogenannten „Hopper-Konten“ geführt, also immer zu den Banken transferiert, die gerade Aktionszinsen bieten.

Dabei gäbe es lukrativere Alternativen wie Unternehmensanleihen. „Doch da klemmt es. Diese Papiere werden von den Banken häufig nicht aktiv empfohlen“, glaubt der Vermögensprofi. „Meistens bekommen private Investoren nur Bescheid, wenn eine Unternehmensanleihe gerade neu aufgelegt wird. Was an attraktiven Papieren auf dem Markt ist, die schon seit einiger Zeit laufen, erfahren sie in der Regel nicht.“

Wer sein Kapital ohne Bankberatung selbst verwaltet, stößt in dem schwer überschaubaren Anlagesegment der Unternehmens-Bonds schnell an Grenzen: Weil die Stückelung der Anleihe zu groß ist, weil an der Börse teils hohe Aufschläge (Spreads) beim Verkauf bzw. Kursabschläge beim Ankauf anfallen. Oft ist auch das tatsächliche Emittentenrisiko, also das Risiko des Schuldnerausfalls, schwer einzuschätzen.

Wer deshalb lieber auf den Rat eines Bankers vertraut, fährt nicht unbedingt besser. Zu diesem Schluss kommt Michael Breiler von der Value Experts Vermögensverwaltungs AG in Hameln. „Die Positionen in den von uns analysierten Leserdepots wirkten meist wahllos zusammengestellt; von Struktur, von Risikostreuung war meist nicht viel zu erkennen“, berichtet der selbstständige Vermögensberater. Dagegen könne man an einigen Depotauszügen die Vertriebsaktionen der Hausbank über mehrere Jahre nachverfolgen, sprich: Bei jeder neuen Werbeaktion wurde dem Kunden genau das Aktionsangebot verkauft – egal, ob es wirklich passte und oft ohne den Anlegern das Risiko der Investition zu erklären.

So war einem Ehepaar, das am Vermögens-Check teilgenommen hat, von der Hausbank eine sogenannte Themenanleihe verkauft worden. Was den Kunden nicht klar war: Es handelte sich nicht um eine Anleihe mit festgelegter Zinszahlung, sondern um ein Zertifikat, bei dem der Zins von der Entwicklung eines bestimmten Aktienkorbs abhängt. Da die Aktien sich in den vergangenen drei Jahren schlecht entwickelten, blieben dann auch die Kapitalerträge für die Themenanleihe aus. Auf kostengünstige Basisanlagen wie Exchange Traded Funds (ETFs) stießen die Experten beim Vermögens-Check hingegen ebenso selten wie auf Gold. „Fast alle Teilnehmer fragten nach Goldanlagen. Aber kaum einer besaß das Edelmetall oder Goldminenaktien“, hat Michael Breiler festgestellt. Dabei gehört Gold aus Sicht des Geldprofis als Beimischung zwingend zum sinnvollen Depotmix.

„Die große Mehrheit der Vermögens-Check-Teilnehmer haben ihre Depots bis dato selbst verwaltet, dass heißt ohne Beratung durch die Hausbank oder einen externen Finanzberater“, hat Ingo Theissmann vom Hildesheimer Consulting Team erfahren. „Einige Teilnehmer gaben an, das Vertrauen in ihre Bank in den letzten Jahren verloren und infolgedessen zu einer eigenen Anlagestrategie gefunden zu haben.“ Mit dem Check wollten sie vor allem eine zweite Meinung einholen.

„Der Erfolg bei der Geldanlage hängt vom Kümmereffekt ab: Man muss Zeit investieren und sich zumindest eine kleine Basis an Sachkenntnis erarbeiten, sonst ist man dem Angebotswirrwarr hilflos ausgeliefert“, betont Vermögensverwalter Eberhard Lutz. Wer keine Zeit oder keine Lust habe, Finanzwissen aufzubauen, müsse sich bei der Anlage entweder auf einfache Produkte beschränken oder das Tagesgeschäft an einen Profi delegieren. „Bildlich gesprochen wechselt der Anleger dabei vom Vorstand in den Aufsichtsrat“, erklärt der Hannoveraner.

Martin Volmer

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