Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Diese Schadstoffe verbergen sich in Kinderspielzeug

Gefährliche Liebschaften Diese Schadstoffe verbergen sich in Kinderspielzeug

Die Europäische Union hat angekündigt, die Schadstoffgrenzwerte für Spielzeug zu verändern. Doch wie gefährlich sind Puppen und Bagger aus Kunststoff denn nun wirklich?

Voriger Artikel
Pfennigfuchser müssen doppelt streichen

Die Europäische Union hat angekündigt, die Schadstoffgrenzwerte für Spielzeug zu verändern.

Quelle: dpa (Sym bolfoto)

Hannover. Eltern könnten eigentlich ein Vokabelheft führen, so viele neue Begriffe lernen sie in den ersten Lebensmonaten ihres Kindes. „Speichel­echt“ ist so ein Wort. Oder „BPA frei“. Das steht auf Schnullern, Trinkflaschen und Beißringen. „BPA frei“ klingt freundlich, es beruhigt. Wer „BPA frei“ kauft, tut seinem Kind Gutes. Aber ist das so? Kann eine mit Lebensmittelfarbe bemalte Kunststoffgiraffe denn überhaupt noch gesund sein, wenn das PVC in der Fabrik weichgemacht wird, damit Babys das Spielzeug mit ihren kleinen Händen zusammen quetschen können? Gerade erst hat die Europäische Union angekündigt, die Schadstoffgrenzwerte für Spielzeug zu verändern. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CDU) sieht darin die Gefahr, dass die deutschen Richtlinien abgeschwächt werden könnten, und will klagen. Und die Eltern? Sehen im Spielzeugdschungel den Wald vor lauter Bäumen nicht. Zeit für ein paar Antworten auf einige Fragen:

Um welche Stoffe geht es?

Bei Untersuchungen sind Schadstoffe in Spielzeug schon wiederholt auffällig geworden. So entdeckte die Stiftung Warentest Ende 2011 krebserregende Weichmacher, die Kunststoff griffiger machen. Manche Substanzen dünsten nach und nach aus, andere lösen sich durch Reibung oder den Kontakt mit Speichel im Mund. Gefunden wurde zum Beispiel allergieauslösendes Nickel. Manche Farbmischungen enthielten Blei, das negativ auf die Intelligenz wirken kann. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nahm daneben auch Duftstoffe ins Visier und mahnte, in Produkten für kleine Kinder unter drei Jahren sollten diese tabu sein.

Was will die Bundesregierung?

Die Bundesregierung ringt schon länger mit Brüssel, weil sie abweichend von einer seit Sommer 2011 geltenden Spielzeugrichtlinie strengere nationale Grenzwerte für bestimmte Stoffe behalten will. Mit einem entsprechenden Antrag kam Berlin aber bei der EU-Kommission nicht wie gewünscht durch - und will das nun per Klage vor Gericht erzwingen. „Es wäre absurd, wenn die neue Richtlinie dazu führen würde, dass Kinder mehr Schadstoffen ausgesetzt sind als bisher“, sagt Verbraucherministerin Ilse Aigner. Die strittigen EU-Vorgaben sollen ab Juli 2013 gelten.

Wie sind die Grenzwerte zu beurteilen?

Nach deutscher Lesart droht mit den EU-Plänen eine Verwässerung des Schutzniveaus. Dabei sind die Daten nicht einfach miteinander zu vergleichen. Bisheriges Kriterium war, welche Menge der Körper eines Kindes am Tag höchstens aufnehmen sollte. Neuer Maßstab ist, wie viel von einem Schadstoff sich bei Körperkontakt aus einem Kilo Spielzeug löst. Dies mit betrachtet ergäben sich um ein Vielfaches höhere Limits, heißt es in Berlin - stark etwa beim Stoff Antimon. Dabei raten die BfR-Experten zu der Maxime: „So weit reduzieren wie vernünftigerweise erreichbar.“ Prof. Klaus Kümmerer, Direktor des Instituts für Nachhaltige Chemie und Umweltchemie an der Leuphana Universität in Lüneburg, geht noch weiter: „Wir brauchen eine Positivliste mit Stoffen, die in Spielzeug enthalten sein dürfen.“ In Europa seien rund 100000 Chemikalien auf dem Markt. „Wir können es uns nicht leisten, jeden neuen Stoff in einem Spielzeug erst auf seine Verträglichkeit zu testen“, sagt er. Auf diese Weise würden Generationen von Kindern Schadstoffen ausgesetzt. Die Langzeitfolgen seien nicht abschätzbar. Es sei zudem unmöglich, bei einer späteren Krebserkrankung Rückschlüsse auf ein besonderes Spielzeug zu ziehen, allein schon, weil die Kinder in der Umwelt einem ganzen Cocktail von Stoffen ausgesetzt seien.

Wo können sich Eltern informieren?

Vorsicht vor dem EU-weiten CE-Siegel. Es wird mittlerweile von den Firmen selbst vergeben und nicht unabhängig geprüft. Außerdem wird es bereits vergeben, wenn das Spielzeug keine lockeren Kleinteile enthält, die von Kleinkindern verschluckt werden können. Über den Gehalt von Schadstoffen sagt das Siegel nichts aus. Dafür gibt es eine Reihe hilfreicher Siegel: Der TÜV Rheinland vergibt das mit einem Teddybär versehene Zeichen „Schadstoffgeprüft“. Die chemische Unbedenklichkeit eines Spielzeugs bestätigt auch das Siegel „Textiles Vertrauen“, das Institute der internationalen „Öko Tex Gemeinschaft“ vergeben. Die so gekennzeichneten Textilien sind unter anderem frei von Phthalaten, zinnorganischen Verbindungen und Flammschutzmitteln. Das Zeichen „Spiel gut“ bezeichnet seit 2005 PVC-freies Spielzeug, allerdings sind noch ältere Siegel dieser Art im Umlauf, bei deren Vergabe der Verzicht auf PVC noch kein Kriterium war. Außerdem kann es ratsam sein, Produkte mit dem Zeichen „ÖkoTest sehr gut“ zu kaufen.

Wie kann man sein Kind schützen?

Indem man möglichst auf Spielzeug aus Plastik und Kunststoffen sowie auf künstliche Duftstoffe verzichtet. So lange es keine Positivliste für Spielzeug gibt, bleibt jede Anschaffung ein Risiko, selbst, wenn die Ware in Deutschland produziert wurde. Generell rät Umweltchemiker Kümmerer Eltern, auf ihren Instinkt zu setzen: Spielzeug, das beim Auspacken stark riecht, enthält häufig ausgasende Stoffe. Phthalat-haltiges Weich-PVC etwa lässt sich an seiner glänzenden und nach Plastik riechenden Oberfläche und seinem „glitschigen“ Griff erkennen. Schnuller und Babyflaschen sollten mit dem Hinweis „BPA frei“ ausgezeichnet sein. Da die meisten Schadstoffe im Volumen eines Materials stecken, hilft auch Waschen oder Lüften nichts. Alles, was grell und bunt ist, gilt ebenfalls als risikobehaftet: Dann kommen meist Schwermetalle zum Einsatz. Speichel­echte Farbe kann abblättern und verschluckt werden. Da sich Schadstoffe auch im Hausstaub sammeln, empfiehlt sich häufiges Lüften und saubermachen. Generell ist Parkettfußboden sinnvoller als ein Teppich, in dem sich alle abgesetzten Stoffe sammeln. (mit: dpa)

Voriger Artikel
Mehr aus Test der Woche

Fonds Top Performer 1 Jahr

Fondsname FA Perf. 1J.
Commodity Capital AF 79,97%
ETFS 5X SHORT JPY SF 75,65%
Vitruvius Greater AF 64,14%
Mozart one T MF 58,66%
Source Markets plc SF 56,08%

mehr

Fondspreis Suche

nach Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG)

Suchen Sie nach den aktuellen Fondspreisen eines bestimmten Anbieters? Hier hilft Ihnen unser Alphabet der Fondsgesellschaften. Einfach Anfangsbuchstaben anklicken und Sie sind sofort bei dem Anbieter Ihrer Wahl und den aktuellen Kursen!

Wertpapiersuche