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Mediation zeigt Weg aus dem Erbstreit
Trauer

Streitschlichter Mediation zeigt Weg aus dem Erbstreit

Nach dem Tod eines Angehörigen kommt es in der Familie nicht selten zum Streit um das Erbe. Alte Konflikte brechen auf, die Fronten verhärten sich, nichts geht mehr.

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Bevor alle Grundfeste ins Wanken geraten, sollte zwischen den streitenden Parteien vermittelt werden.

Quelle: iStockphoto.com/Tornwang112

„Alles dreht sich im Kreis, und die Situation wirkt ausweglos“, sagt Birgit Lübke, Fachanwältin für Familienrecht aus Hannover und seit zehn Jahren auch als Mediatorin tätig. Mithilfe eines Streitschlichtungsverfahrens hat sie schon vielen zerstrittenen Parteien geholfen, eine einvernehmliche Lösung zu finden, und damit jahrelange und teure Gerichtsverfahren verhindert. „Es ist für mich selbst immer wieder erstaunlich, mit welchen einfachen Kommunikationsmitteln man etwas erreichen kann“, sagt sie. 

Ein Fall ist der Mediatorin besonders in Erinnerung geblieben: Nach dem Tod der Mutter einer wohlhabenden Familie hatten der Vater und die vier erwachsenen Kinder erbittert um das Erbe gestritten und schließlich keinen Kontakt mehr miteinander gehabt. „Es ging um Geld, Kränkungen und Verletzungen“, berichtet Lübke. Eine der Töchter bat schließlich die Mediatorin um Hilfe. Das sei ungewöhnlich gewesen, sagt diese. Denn üblicherweise gelte die Vereinbarung, dass alle eine Streitschlichtung wünschten. Doch die Tochter hatte Glück: Der Rest der Familie zog mit, und ein erstes Treffen im Büro der Streitschlichterin wurde verabredet.  Nach der gesetzlichen Erbfolge hätte der Vater die Hälfte des Vermögens geerbt, der Rest wäre unter den vier Kindern aufgeteilt worden. Häufig fänden sich aber gerechtere Lösungen ohne Rechtsstreit vor Gericht und fern der gesetzlichen Vorgaben, sagt Lübke. 

Verfahren hat eine hohe Erfolgsquote

Rund 90 Prozent ihrer Mediationsverfahren in Sachen Erbstreit konnte sie nach eigenen Schätzungen denn auch erfolgreich abschließen. Das deckt sich in etwa mit den Angaben des Deutschen Anwaltvereins, der von einer 70- bis 80-prozentigen Erfolgsquote ausgeht. 

Drei Sitzungen zwischen eineinhalb und zwei Stunden brauchte es, bis die Familienmitglieder schließlich einen für alle tragbaren Kompromiss fanden. Jeder habe zunächst seine Vorstellungen geäußert, berichtet Lübke. Dabei sei herausgekommen, dass zwei weniger begüterte Kinder zu Lebzeiten der Mutter bereits Geld von ihr erhalten hatten. Zudem hätten drei Geschwister das Elternhaus verkaufen wollen, eines aber nicht, weil daran viele Erinnerungen hingen. 

Für ein Mediationsverfahren gibt es feste Regeln. „Wichtig ist, dass jeder in der Ich-Form spricht und dem anderen keine Vorwürfe macht“, betont Lübke. „Denn das tötet jede Kommunikation.“ Auch sei für die Gesprächsrunde absolute Vertraulichkeit oberstes Gebot, und für sie selbst als Mediatorin gelte unbedingte Neutralität gegenüber den Streitenden. „Ich übernehme als Vermittler die Gesprächsführung, eine Lösung müssen die Medianten aber selbst finden“, betont die Juristin.  Das gelang der fünfköpfigen Familie am Ende: Das Vermögen wurde zur Zufriedenheit aller aufgeteilt, eines der Kinder behielt das Haus und zahlte die anderen Geschwister aus. „Sie haben sich am Schluss zwar nicht in den Armen gelegen“, sagt Lübke. „Aber sie haben wieder miteinander geredet.“

Mediationsklausel im Erbvertrag festlegen

In Deutschland wird jedes Jahr ein Privatvermögen von rund 200 Milliarden Euro vererbt. Aber nur wenige Menschen haben die Abwicklung ihres Nachlasses umfassend geregelt. Streit zwischen den Hinterbliebenen ist häufig die Folge. Wer solche Auseinandersetzungen verhindern will, kann zu Lebzeiten bei einem Notar einen Erbvertrag abschließen und darin eine Mediationsklausel aufnehmen lassen.

Ein Erbvertrag bietet, wie auch ein Testament, die Möglichkeit, von der gesetzlichen Erbfolge abzuweichen. Der wesentliche Unterschied zum Testament ist aber, dass der Erblasser sich im Erbvertrag gegenüber seinen Erben als Vertragspartner bindet. Ein Erbvertrag kann somit nicht von einer Partei einseitig aufgelöst werden. Alle vom Erblasser bedachten Angehörigen sind deshalb im Streitfall bei einer Mediationsklausel verpflichtet miteinander zu sprechen.

Mithilfe der Mediation kann es den Beteiligten gelingen, eine einvernehmliche und gerechte Lösung in allen erbrechtlichen Fragen zu finden. Eine Mediation führt in vielen Fällen nicht nur schneller zum Erfolg, sie kostet – insbesondere bei einem umfangreichen Nachlass – auch nur einen Bruchteil des Geldes, das für einen Gerichtsprozess aufgewendet werden muss. Zudem haben Erben in der Mediation die Möglichkeit, ihren Kummer und Ärger loszuwerden. Damit kann es gelingen, den Familienstreit beizulegen. Wenn Anwälte für ihre Mandanten vor Gericht ziehen, ist dagegen die Gefahr groß, dass die Gräben unüberbrückbar werden. Für ein Mediationsverfahren spricht zudem, dass in mehr als zwei Dritteln aller Fälle die streitenden Parteien eine Lösung finden.

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