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Adressbuchschwindel boomt zur Urlaubszeit

Gewerberegister Adressbuchschwindel boomt zur Urlaubszeit

Die Tricks privater Adressbuchverlage werden immer ausgefeilter. Wer auf ihre Masche reinfällt, wird ordentlich zur Kasse gebeten, die Gegenleistung ist gering. Betroffenen Unternehmern rät die IHK, sich zu wehren.

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Mit amtlich wirkenden Formularen führen Adressbuchschwindler Unternehmen in die Irre.

Quelle: ash

Das Problem begann schon vergangenen Sommer, ist aber noch nicht vom Tisch: Anne Barkhoff in Hannover erhielt einen Anruf der „Gewerbeauskunft-Zentrale“, ob die gespeicherten Daten ihrer Hausverwaltungsfirma noch aktuell seien. Die Firma sandte ihr ein amtlich wirkendes Formular zu, das sie ausfüllte, unterschrieb und zurückfaxte. Kurze Zeit später erhielt sie eine Rechnung über 569,06 Euro.

Barkhoff legte mithilfe der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover Widerspruch ein – und drei Tage darauf folgte die „letzte Mahnung“ über 574,06 Euro. Dann bot die „Gewerbeauskunft-Zentrale“ telefonisch an, 40 Prozent des Rechnungsbetrages zu stornieren. Die Hausverwaltung erhielt eine neue Rechnung über 341,43 Euro mit Überweisungsträger, und kurz darauf eine Mahnung über 346,43 Euro. Sie zahlte nicht. Darauf informierte die GWE Wirtschaftsinformation GmbH aus Düsseldorf Barkhoff über einen fehlerhaften Überweisungsträger.

Im März 2011 bekam sie das Schreiben eines Anwalts mit der Aufforderung, bis zum 14. März 668,95 Euro zu zahlen, und der Drohung, einen Gerichtsvollzieher einzuschalten. Barkhoff legte Widerspruch ein. Es folgte ein zweites Anwaltsschreiben mit Antrag auf Erlass eines Mahnbescheids. Sie widersprach abermals. Zuletzt hieß es telefonisch, die von der Kanzlei vertretene GWE sei an einem Miteinander und nicht an einem Gegeneinander interessiert. Sie könne wählen zwischen einem Mahnbescheid, dann kämen Kosten von bis zu 1500 Euro auf sie zu, und einem Nachlass von 30 Prozent auf die offene Forderung, sofern sie die Rechnung ausgleiche innerhalb von drei bis fünf Tagen. Barkhoff: „Ich lasse es notfalls auf eine gerichtliche Klärung ankommen.“

Dies ist kein Einzelfall. Nur wer das Kleingedruckte derartiger Anschreiben liest, wird bemerken, dass er privat-gewerbliche Angebote in der Hand hält. Besonders hoch ist die Gefahr während der Urlaubszeit. „Die Sommerferien sind der ideale Zeitpunkt für Offerten dieser Art. Die Verlage setzen darauf, dass Urlaubsvertretungen sich die Anschreiben nicht so genau ansehen“, sagt Jürgen Hahn aus der Rechtsabteilung der IHK Hannover. Der Deutsche Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität in Bad Homburg beziffert den potenziellen wirtschaftlichen Schaden aus Adressbuchschwindel auf 347 Millionen Euro pro Jahr.

Die Tricks der Firmen werden immer ausgefeilter. „Während es anfangs um die Eintragung in Branchenbücher ging, lehnen sich immer mehr zweifelhafte Anbieter bereits durch ihre Namensgebung an öffentliche Institutionen an, etwa an Registergerichte, den Bundesanzeiger, das Deutsche Patent- und Markenamt oder auch Messeverzeichnisse“, erklärt Hahn. Überdies erwecke die Gestaltung der Angebotsscheiben oft den Anschein amtlicher Formulare oder offizieller Stellen. Oft verschleiern die Anbieter die Höhe der Kosten. „Manchmal wird der Preis monatlich angegeben, aber der Vertrag läuft zwei Jahre lang. Oder der Preis wird nur in Worten geschrieben“, erläutert der IHK-Jurist. Andere Firmen böten einen kostenlosen Grundeintrag des Namens und der Adresse in ein Register an. Zahlen müsse der Betroffene erst dann, wenn er Telefon- oder Faxnummer mit aufnehmen lasse.

Der vom Bundesministerium der Justiz herausgegebene Bundesanzeiger warnt ebenfalls vor den Angeboten und Bescheiden privater Adressbuchverlage auf Grundlage von Bekanntmachungen, die zuvor im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlicht wurden. Er hat eine Liste mit rund 80 derartigen Anbietern auf seiner Internetseite „ebundesanzeiger.de“ publiziert.

Auch die G&U Gewerbe- und Unternehmensdatenbank e.K. mit Sitz in Hannover steht auf der Liste. Die Firma verschickt rechnungsähnliche Formulare mit Zahlschein an Unternehmen, die sich kürzlich ins Handelsregister haben eintragen lassen beziehungsweise ihren Eintrag verändert haben. Die Formulare beziehen sich auf den Registereintrag und fordern den Empfänger auf, einen Betrag zu zahlen. Aus dem Kleingedruckten geht hervor, dass dies ein Angebot ist, die Unternehmensdaten in einem Internetregister zu veröffentlichen.

Hahn von der IHK Hannover: „Es gibt die von den Anbietern genannten Internetregister zwar tatsächlich, aber sie sind nicht umfassend genug, und wer kennt die schon? Die Gegenleistung kompensiert nicht den Preis dafür.“ Wie kann der Betroffene sich wehren? „Wer unterschrieben hat, sollte nicht zahlen und argumentieren, der Vertrag sei nicht wirksam geschlossen worden, weil die Entgeltklausel versteckt war. Zusätzlich sollte er den Vertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten und kündigen“, sagt Hahn. Sonst bestehe die Gefahr, dass der Vertrag sich um weitere zwei Jahre verlängere. Nicht einschüchtern lassen, lautet also die Devise.

Christina Anastassiou

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