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Heute auch an morgen denken

Nachhaltiges Verhalten Heute auch an morgen denken

Nachhaltiges Verhalten ist überlebensnotwendig – ob in der Wirtschaft, dem ökonomischen oder sozialen Verhalten.

Firmen sollten durch ökonomische Entscheidungen dafür sorgen, dass ihr Wirtschaften erfolgreich ist.

Quelle: Behrens

Es gibt viele Definitionen von Nachhaltigkeit. Das liegt daran, dass dieser Begriff heute in praktisch allen Bereichen des täglichen Lebens eingesetzt wird – und auch wichtig ist. Und doch bedeutet er immer etwas anderes. Nachhaltig wirtschaften heißt für den Betreiber einer Uranmine etwas anderes als für den Bio-Bauernhof in der Heide.

Die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages hat Nachhaltigkeit in ihrer Schrift „Schutz des Menschen und der Umwelt“ folgendermaßen umschrieben: „Nachhaltigkeit ist die Konzeption einer dauerhaft zukunftsfähigen Entwicklung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Dimension menschlicher Existenz. Diese drei Säulen der Nachhaltigkeit stehen miteinander in Wechselwirkung und bedürfen langfristig einer ausgewogenen Koordination.“ Diese Koordination zwischen Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft ist eine der wichtigsten Aufgaben im 21. Jahrhundert.

Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet für Unternehmen in der einfachsten Form schlicht, auch morgen noch zu wirtschaften. Sie müssen also durch ökonomische Entscheidungen dafür sorgen, dass ihr Wirtschaften erfolgreich ist. Dafür gibt es heute andere Faktoren als noch vor einer Generation. Ohne Diversity Management beziehungsweise ökonomische Nachhaltigkeit, also ein Management der Vielfalt, und Angebote für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kann sich in Zukunft kaum ein Unternehmen auf dem Markt behaupten – weil es einfach keine guten Mitarbeiter bekommt. Die ökologische Nachhaltigkeit ist die wahrscheinlich offensichtlichste: Der Mensch sollte nur so viel verbrauchen, wie auch nachwächst. Hier gibt es Potenzial – denn schon im August wird in diesem Jahr der Moment erreicht sein, an dem wir die Ressourcen verbraucht haben werden, die uns rechnerisch für das Jahr 2016 zustanden. Die soziale Nachhaltigkeit umfasst viele Aspekte, von einer guten Gesundheitsprävention bis zum lebenslangen Lernen.

Die drei Säulen der Nachhaltigkeit kann man im Wirtschaftsleben noch um den nachhaltigen Konsum erweitern. So gibt es Bewegungen wie die Carrot Mobs, also Aktionen, bei denen Menschen als Großgruppen bewusst und öffentlich bei „guten“ Unternehmen einkaufen – eine Abstimmung mit den Füßen. Aber auch beim klassischen Einkaufen wird die Nachhaltigkeit wichtiger. So kann man beim Buchen von Reisen mit dem Fernbus ein paar Cent extra zahlen – und so mit Geld die CO²-Bilanz gegenrechnen. In Hannover haben gleich zwei Geschäfte eröffnet, in denen man Produkte ohne Verpackung einkaufen kann. Auch gibt es RepairCafés, in denen etwa alte Radios repariert werden, statt einfach neue zu kaufen. Nachhaltig ist es aber auch, zumindest die alten Geräte vernünftig zu entsorgen – sonst gehen wertvolle Rohstoffe verloren.

Manche Nachhaltigkeitsexperten wie der Autor Ulrich Grober gehen davon aus, dass sich Wirtschaftswachstum und Nachhaltigkeit eigentlich ausschließen – weil der Mensch schon heute viel zu viele Ressourcen verbraucht. Andere setzen auf die technische Entwicklung und hoffen, dass der Mensch schneller die Weltreparaturwerkzeuge baut, deren Einsatzgebiete er selbst erschafft.

Auf allen Ebenen des Zusammenlebens befassen sich Menschen, Unternehmen und Organisationen mit Aspekten der Nachhaltigkeit. Auch in Hannover und der Region gibt es zahlreiche Projekte, die den Alltag nachhaltiger werden lassen. Die Ziele sind vielfältig: Bis zum Jahr 2050 wollen Stadt und Region den Austausch von Treibhausgasen um 95 Prozent senken, fairen Kaffee gibt es im Rathaus schon heute.

Der Nachhaltigkeitspreis

Nachhaltigkeit ist in den vergangenen Jahren in Deutschland zu einem immer wichtigeren Wirtschaftsfaktor geworden. Ausdruck dessen und gleichzeitig auch Antrieb ist der Deutsche Nachhaltigkeitspreis. Dieser wird seit 2008 jährlich von der Deutschen Nachhaltigkeitsstiftung verliehen. Prämiert werden dabei Leistungen von Wirtschaftsakteuren, Kommunen und Forschung. Ziel ist laut Satzung die „Förderung nachhaltiger Entwicklung“.

Die Organisatoren des Preises verstehen sich als „unabhängige Moderatoren und sind keinerlei Partikularinteressen verpflichtet“, wie es bei der Stiftung heißt. Eine Jury um Günther Bachmann, Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung, wählt die Preisträger aus. Die Auszeichnung wird in mehreren Kategorien vergeben, darunter Unternehmen unterschiedlicher Größenordnung, Preise für nachhaltige Städte und Gemeinden sowie ein Sonderpreis für nachhaltiges Bauen.

Die Auszeichnung soll dazu beitragen, den Wandel zu einer nachhaltigeren Gesellschaft zu unterstützen. Besondere Projekte zu diesem Themenfeld sollen ausgezeichnet werden und dadurch Aufmerksamkeit erlangen. Außer etablierten Unternehmen werden gerade auch Gründer mit dem Next Economy Award ausgezeichnet und unterstützt. Die Preisverleihung selbst ist natürlich auch nachhaltig. So ist die Veranstaltung am 25. November in Düsseldorf nach Angaben der Ausrichter klimaneutral. Unternehmen, Städte, Kommunen und Forschungseinrichtungen, die besonders nachhaltig arbeiten, müssen sich beeilen: Noch bis morgen, 29. April, können sie sich bewerben.

Im Vorjahr wurde Karlsruhe zu Deutschlands nachhaltigster Großstadt gekürt. Der Stadt in Baden-Württemberg sei es besonders gut gelungen, die drei zentralen Säulen der Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene zu gestalten. Der Preisverleihung gelingt es, auch immer wieder prominente Menschen einzuladen. Im Jahr 2015 haben etwa Königin Silvia von Schweden, Hans-Dietrich Genscher und der US-Sänger Art Garfunkel Ehrenpreise erhalten.

Manche Streiter für die Nachhaltigkeit sehen eine solche recht oberflächliche Behandlung des Themas kritisch, andere loben die Verankerung des Begriffs in der Öffentlichkeit. Bundeskanzlerin Angela Merkel war schon mehrfach Schirmherrin der Veranstaltung.

von Gerd Schild

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