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Die große Fontäne erreicht 82 Meter
Reisereporter Ausflüge Herrenhausen Die große Fontäne erreicht 82 Meter
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15:07 22.01.2013
Die Fontäne 1829 im Großen Garten des Königspalastes Herrenhausen Quelle: Karin Blüher

Ohne Wasser ging es nicht. In barocken Gärten mochten Blumen fast verzichtbar sein: Skulpturen, Kiesbeete und Rasen ließ sich leichter zähmen. Doch je starrer die Muster, desto unverzichtbarer wurden Springbrunnen und Kaskaden. Das Lebenselement Wasser war Ersatz für lebendige Pflanzen – und Fontänen zeugten von der Überwindung der Schwerkraft durch menschlichen Geist.

Herzog Johann Friedrich berief 1675 einen französischen Fontanisier nach Herrenhausen. Dieser Wasserbautechniker erschuf ein ausgeklügeltes System, um 24 Millionen Liter Wasser in Speicherbecken nördlich des Gartens für die Springbrunnen zu bevorraten und durch hölzerne Rohre zu pumpen. Johann Friedrichs Nachfolger Ernst August ließ sogar eine 15 Kilometer lange Leitung zu einer Quelle auf dem Benther Berg bauen.

Besondere technische Schwierigkeiten brachte der Bau der Großen Fontäne mit sich. Man fragte 1696 sogar Leibniz um Rat, der den Bau eines Pumpwerks am Leinekanal vorschlug. Erst viel später schickte Georg I. britische Experten, welche die englische Wasserkunst installierten, ein leistungsfähiges Pumpwerk. Der Hof war bereits nach London gezogen, als die Fontäne 1720 erstmals Wasser spie, 35 Meter hoch. Man hat ausgerechnet, dass sich die Ausgaben für die Große Fontäne über die Jahre auf 220.000 Reichstaler summierten. Der Bau der Dresdener Frauenkirche kostete 230 000 Reichstaler – Wasser war ein teurer Baustoff.

2009 wurde die Große Fontäne restauriert. Der 2500 Mitglieder starke Verein „Freunde der Herrenhäuser Gärten“ um seinen Vorsitzenden Sepp Heckmann hatte 80.000 Euro gesammelt, um die alte Pumpe von 1958 durch eine neue zu ersetzen. Diese erreicht jetzt eine Höhe von 82 Metern – allerdings nur, wenn es absolut windstill ist.

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