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Edler Schnaps im Zeichen der Burg

Schloss Hardenberg Edler Schnaps im Zeichen der Burg

Die Geschichte der Burg Hardenberg ist untrennbar mit einem Wildschwein verbunden. Irgendwann im finsteren Mittelalter soll bei einer Belagerung durch die Herren der benachbarten Burg Plesse das laute Grunzen eines aufgeschreckten Keilers die Hardenberger aus dem Schlaf gerissen haben.

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Schloss Hardenberg: Im Gewölbekeller können sich Brautpaare das Ja-Wort geben.

Quelle: www.der-hardenberg.com

Nur diesem tierischen Weckruf war es angeblich zu verdanken, dass die Burgherren aufwachten, zu den Schwertern griffen und die feindlichen Angreifer in die Flucht schlugen.

Ob die Sage einen realen Kern hat, ist ungewiss. Realität dagegen ist, dass das Wildschwein bei den Hardenbergs auch nach vielen Jahrhunderten präsent ist. Ein Keilerkopf schmückt nicht nur das Wappen der Familie. Der Keilerkopf ist allgegenwärtig: in Bronze gegossen, in Stein gehauen, in Eichenholz geschnitzt, ausgestopft, gestickt, gezeichnet, gemalt – und als Markenzeichen auf den Schnapsflaschen der gräflichen Kornbrennerei. Was wäre ein Hardenberger Weizenkorn ohne Keilerkopf? „Wir wissen seinen Wert zu schätzen“, sagt Carl Graf von Hardenberg. Er nennt die Schnapsfabrik sein eigen, ein Schloss sowie 1000 Hektar Forsten, 600 Hektar Ackerland, einen 42-Loch-Golfplatz, zwei Hotels und manches mehr.

Die Geschichte ist auf Schloss Hardenberg nicht nur in Gestalt eines Wildschweins lebendig. Über dem gräflichen Anwesen thront düster eine Burgruine. Vor fast 1000 Jahren schon ließ der Erzbischof von Mainz die Festung errichten, um von hier aus seine Besitztümer zu verteidigen. Als dem Bischof um 1400 das Geld ausging, wurde die Burg mitsamt den dazu gehörenden Ländereien ihren Verwaltern übereignet: den Grafen von Hardenberg. Während der Zeit hat es in der gräflichen Familie immer wieder mal gekracht. Schon 1403 teilte sich das Adelsgeschlecht nach einem mühsam geschlossenen Burgfrieden in zwei Lager – die eine Linie zog sich in den älteren Teil der Burganlage zurück, die andere verschanzte sich im Vorderhaus. Gleichwohl ist der Stammsitz bis heute im Besitz der Familie geblieben.

In der Burg allerdings wohnt schon seit 300 Jahren niemand mehr. Bei einem erdbebenartigen Gewitter am Morgen des 17. März 1698 krachte es nicht nur am Himmel, sondern auch im Gebälk, sodass das instabile Gemäuer nach einem Bericht des gräflichen Hauslehrers in sich zusammenstürzte. Die Familie siedelte daraufhin übergangsweise ins Hardenbergsche Stadthaus nach Göttingen über und ließ sich unterhalb der Burgruine ein repräsentatives Schloss bauen. 1709 war es bezugsfertig. Neun Jahre zuvor hatte bereits die Hardenbergsche Kornbrennerei mit der Schnapsproduktion begonnen.

Manche Berühmtheiten sind seither aus dem Aristokratengeschlecht hervorgegangen: der Direktor der königlichen Gärten von Herrenhausen, Friedrich Karl von Hardenberg (1696–1763), der einen Barockgarten in Hardenberg anlegte, der Dichter Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg (1772–1801), der sich nach dem alten Familiennamen Novalis nannte, der preußische Staatsreformer Karl August von Hardenberg (1750–1822), der Widerstandskämpfer Carl Hans Graf von Hardenberg (1891–1958), der am Hitler-Attentat des Stauffenberg-Kreises beteiligt war. Die Geschäfte in Hardenberg führt derzeit in der neunten Generation Carl Albrecht Jost Graf von Hardenberg.

Der Schnaps mit dem Keilerkopf hat dem 55-Jährigen mittlerweile zu großem wirtschaftlichen Erfolg verholfen. Nachdem Hardenberg 1992 die große sächsische Weinbrennerei in Wilthen von der Treuhand übernommen hatte, stieg der Graf nach eigenen Angaben zum zweitgrößten Schnapsfabrikanten Deutschlands auf. Neben dem Weizenkorn produziert die Hardenberg-Wilthen AG heute Wodka, Aquavit, Obstler, Weinbrand, Likör, Persico, Sambalita, etliche Gebirgskräuter und das Original Danziger Goldwasser mit 22-karätigen Goldbeigaben.

Nach wie vor wird auf dem Hardenberg der selbst angebaute Weizen zu Alkohol destilliert und mit Kräutern geschmacklich veredelt. Abgefüllt aber wird der komplette Schnaps jetzt nur noch in Sachsen. Eine frühere Lagerhalle hat der Graf zu einem Veranstaltungszentrum umgebaut.

Schon Hardenbergs Vater hatte damit begonnen, das alte Gemäuer neu zu nutzen. So war 1958 aus einem Wirtschaftsgebäude das Burghotel hervorgegangen. In der früheren Mühle kann jetzt im neu gestalteten Wellnessbereich geschwitzt und geschwommen werden, und in einem Nebengebäude der Kornbrennerei lockt die Keilerschänke Ausflugsgäste mit Wildschweinspezialitäten, die alle den gräflichen Wäldern entstammen, wo auch der Graf selbst bisweilen zur Jagd geht.

Neben Schnapsproduktion, Land- und Forstwirtschaft hat sich so auf dem historischen Gelände seit zehn Jahren ein expandierender Tourismusbereich entwickelt. „Wir haben unsere Perlen zu einem Gesamtkonzept zusammengefügt“, sagt der Schlossherr. „Gräflicher Landsitz Hardenberg“, lautet die Marke, die eine PR-Agentur dafür fand. Oder noch griffiger: „Keilerland“. Anders als in früheren Zeiten werden Besucher nun nicht mehr ausgesperrt, sondern mit allerlei Attraktionen angelockt. Dazu gehören das Burgturnier mit international renommierten Springreitern, die Gartenausstellung Klassika, Konzerte und Kleinkunstveranstaltungen sowie eine 1200 Quadratmeter große Eisbahn für die Winterzeit.

Das „Keilerland“ lockt selbstverständlich auch mit der Burgruine. Seit 2001 hat das Standesamt hier eine Außenstelle eingerichtet, sodass sich Brautpaare in einem restaurierten Gewölbekeller das Ja-Wort geben können. Die Hochzeitsgesellschaft darf auf Eichenstühlen mit eingelassenem Keilerwappen aus dem 19. Jahrhundert Platz nehmen – und im Anschluss an die Trauung im Burghotel tafeln. Das hat natürlich seinen Preis.

Kostenfrei ist ein Spaziergang durch den Schlosspark. „Wanderertafeln“ informieren über historische Bauwerke wie das ehemalige Gerichtsgebäude mit Gefängniszellen im Keller oder den Warteturm, der den Gipfel des Burgberges krönt, aber längst nicht so alt ist wie die Burgruine. Einige der Tafeln erinnern an Novalis. Der Dichter stammt zwar aus Eisleben im östlichen Harzvorland, hat den Stammsitz seiner Familie aber immer wieder besucht. „Und immer dunkler ward der Wald/auch bunter Sänger Aufenthalt,/es drang mir bald auf allen Wegen/ihr Klang in süßen Duft entgegen“, heißt es in einem der ausgehängten Gedichte.

Das Gourmet-Restaurant „Novalis“ im Burghotel ehrt den Romantiker mit seinem Namen und etlichen Porträts an der Wand. Manche Köstlichkeit sind hier mit dem Dichternamen verbunden. Auch bei Tagungen, die das Hotel während der Woche füllen, begrüßt der Schlossherr die Gäste gern mit Novalis-Versen. Im Alltag dagegen orientiert sich der Graf eher an nüchternen Bilanzen. Gleichwohl betont Hardenberg, dass er auch als Unternehmer die Tradition achtet. Der Unternehmensverlagerung sind damit Grenzen gesetzt. „Für mich ist unverrückbar, dass wir den Firmensitz hier in Hardenberg halten“, sagt der Graf.

Und wie in den vielen Generationen zuvor ist bereits ein Nachfolger in Sicht. Neben zwei Töchtern hat der Graf mit seiner Frau Sabine auch einen Sohn in die Welt gesetzt – und der 20-jährige Carl Graf von Hardenberg studiert bereits Landwirtschaft, um sich auf seine künftige Aufgabe vorzubereiten. Doch damit hat es noch keine Eile. Der Vater, der sich mit Golfen fit hält, jedenfalls findet: „Der muss erst noch auf die Weide.“

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Chronik

1101     wird die Burg Hardenberg erstmals urkundlich erwähnt – als Festung des Erzbischofs von Mainz.

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